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"Pflegenotstand steht bevor"

"Pflegenotstand steht bevor"

Bundes- und Landespolitiker müssen eine bevorstehende Katastrophe in Sachen Pflegenotstand verhindern. Das fordert in einem offenen Brief die Arbeitsgemeinschaft Privater Pflegedienste Landkreis Leipziger Land / Mittelsachsen.

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Schwester Andrea Thiele vom Bornaer Pflegedienst Weißhuhn betreut Wolfgang Wüstenhagen und überwacht auch seinen Blutdruck.

Quelle: Thomas Kube

Geithain/Borna. Mitglieder aus ihren Reihen haben jetzt in Geithain erstmals mit Vertretern der Bundesagentur für Arbeit und des Jobcenters insbesondere zum Fachkräftemangel beraten. Dabei wurden allerdings in der Hauptsache nur Positionen ausgetauscht.

 

 

Infolge fehlender Fachkräfte würden pflegebedürftige Bürger abgewiesen werden müssen, und die Schließung einiger Pflegeeinrichtungen stehe bevor, heißt es in dem offenen Brief der Arbeitsgemeinschaft. Im Mai hatte es, wie berichtet, in Borna eine Runde mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Katharina Landgraf und dem CDU-Landtagsabgeordneten Georg-Ludwig von Breitenbuch gegeben. Danach sei noch nichts passiert, die Arbeitsgemeinschaft werde nachhaken, erklärte deren Sprecher Eberhard Weißhuhn.

 

 

"Sie wissen, dass Sie uns schon seit längerem keine Arbeitskräfte anbieten können, geschweige denn jemanden zur Umschulung", wandte er sich an Cordula Hartrampf-Hirschberg, Vorsitzende der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Oschatz, an Christian Rasmussen, Geschäftsstellenleiter der Agentur in Borna, und Jörg Altmann, Leiter des Kommunalen Jobcenters im Landkreis. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft koste die Agentur mehrere 10 000 Euro, sie sei schwierig und am Ende stehe eine Prüfung, erklärte Rasmussen. Viele würden sie nach anderthalb Jahren abbrechen. "Da ist niemandem geholfen."

 

 

Rasmussen hofft, dass sich für die Finanzierung des dritten Ausbildungsjahres in der Pflegefachkraftausbildung noch eine Lösung findet. Dessen Finanzierung hatte die Bundesagentur für Arbeit 2006 eingestellt, erinnert die Arbeitsgemeinschaft in ihrem Schreiben. Die Ausbildung im ambulanten Pflegebereich sei deshalb 2006 komplett eingebrochen.

 

 

"Die Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative liegt in der Region noch im Argen, wir haben ein halbes Jahr verpasst", kritisierte Weißhuhn. "Wir haben viel gemacht", widersprach Hartrampf-Hirschberg. Im großen Agenturbezirk Oschatz, zu dem die Region Borna/Geithain gehört, seien derzeit etwa 160 Personen aus dem Gesundheitsbereich arbeitslos gemeldet, erklärte Christian Rasmussen. Mit ihnen werde intensiv das Thema Alten- und Krankenpflege besprochen.

"Mobilität ist ein großes Vermittlungshemmnis", gab Altmann zu bedenken. Kunden des Jobcenters hätten oft keinen PKW und keinen Führerschein. Gleichzeitig erklärte der Leiter des Jobcenters den anwesenden Vertretern ambulanter Pflegedienste: "Sie haben ein Imageproblem!" Er schlug vor, Argumente zusammenzustellen, warum jemand in die ambulante Pflege gehen sollte, und dieses Papier den Arbeitsvermittlern in die Hand zu geben. Allerdings seien ambulante Pflegedienste von der Bezahlung her eher unattraktiv, so Altmann.

 

 

"Wir alle wollen unseren Mitarbeitern einen guten Lohn zahlen. Doch die Kassen sehen nicht ein, dass wir einen kostendeckenden Stundensatz in der ambulanten Pflege brauchen", erklärte Ingeborg Strigan, in deren Pflegedienst in Geithain die Beratung stattfand. In der Häuslichen Krankenpflege gäbe es nicht einmal einen Inflationsausgleich, dazu kämen steigende Kosten beispielsweise für Benzin. Der Arbeitsgemeinschaft zufolge sind zwischen 2002 und 2012 die Kosten um rund 20 Prozent gestiegen, die Vergütungen der Kassen jedoch nur um etwa sieben Prozent.

"Wir hatten immer Bewerbungen, aber dieses Jahr noch keine einzige, weder ambulant noch stationär", sagte Regina Anders, Inhaberin der Häuslichen Krankenpflege Borna, dabei habe sie Anzeigen geschaltet und Zettel verteilt. "Wir suchen auch Pflegehelfer", ergänzte Romy Storm, Inhaberin des Pflegedienstes Weißhuhn in Borna. Sie berichtete von einer Frau aus einer ganz anderen Branche, die sich beim Praktikum gut gemacht habe - doch sie wisse immer noch nicht, ob ihre Ausbildung gefördert werden kann. An dem Fall seien sie dran, bestätigten die Gäste.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2013

Inge Engelhardt

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