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Pianist Alexej Gorlatch begeistert Publikum in Böhlen

Pianist Alexej Gorlatch begeistert Publikum in Böhlen

Eigentlich sollte eine Legende am Flügel Platz nehmen: Menahem Pressler, der als Pianist und Gründer des legendären Beaux Arts Trios bekannt - nein, berühmt ist.

Böhlen. Doch die Zeit hinterlässt leider überall ihre Spuren: Das 1955 gegründete Beaux Arts Trio wurde 2008 aufgelöst. Und der inzwischen 89-jährige Menahem Pressler musste aufgrund einer "dringend notwendigen ärztlichen Behandlung", so der Einlegezettel im Programmheft, alle drei geplanten Auftritte mit dem Leipziger Symphonieorchester (LSO) absagen.

So auch am Freitagabend zum Anrechtskonzert im Kulturhaus Böhlen, das mit etwa 500 Leuten bestens besucht war. Als Ersatz für Pressler wurde ein "absolutes Ausnahmetalent unter den Pianisten der neuen Generation" angekündigt: Der 1988 geborene Alexej Gorlatch, der 2011 den renommierten Internationalen ARD-Musikwettbewerb im Fach Klavier gewann. Unter anderem studierte er beim namhaften Karl-Heinz Kämmerling, der 2012 starb, in Hannover und spielte bereits drei CDs ein. Gorlatchs Vita liest sich wie die eines Großen, der Terminkalender auf seiner Homepage ist prall gefüllt. Natürlich hat er längst ein eigenes Management, für Japan eine extra Künstlervertretung.

Warum der junge Mann schon so begehrt ist, wird schnell klar: Als der auf den ersten Blick etliche Jahre jünger Wirkende sich in Böhlen Beethovens fünftem Klavierkonzert widmet, perlen sämtliche Läufe in den Ecksätzen nicht nur - nein, sie funkeln förmlich. Dazu kommt eine unglaublich farbige dynamische Schattierung und darüberhinaus eine sagenhafte Kongruenz mit dem Orchester, als würde Gorlatch mit dem LSO täglich konzertieren. Die Kadenz des Soloinstrumentes gleich zu Beginn des Kopfsatzes gerät ebenso atemberaubend wie die so wunderbar an eine Spieluhr erinnernden Passagen im weiteren Verlauf. Selbst der nebensächlichste Triller wird noch mehrfach abschattiert, bis Gorlatch im zweiten Satz vorführen kann, dass auch großer lyrischer Atem seine Sache ist. Den attacca-Übergang zum Finalsatz gestaltet er geradezu als Schrecksekunde - so energiegeladen bricht das galoppierende Hauptthema aus seinen Fingern heraus. Auch hier lässt er die Tonkaskaden überschäumend sprudeln - ganz mühelos, als handele es sich um einen Erholungsspaziergang. Das LSO unter Chefdirigent Frank-Michael Erben läuft - nach einer eingangs gebotenen glänzenden "Egmont-Ouvertüre" - ebenfalls zur Höchstform auf, gestaltet äußerst feinfühlig und trägt Gorlatchs Solopart geradezu auf Händen. Bravi, Jubel im Saal. Und Gorlatch präsentiert nicht minder unerschrocken die rasende Chopin-Etüde op. 10 Nr. 4 cis-Moll.

Nach der Pause erwartet die Zuhörer - unter ihnen übrigens viele Markkleeberger, die für das Konzert einen Tag später keine Karten mehr bekamen - noch eine nicht weniger exzellente Beethoven-Sinfonie: die Siebte. Schon die langsame Einleitung lässt Großes erwarten, bis sich der Hauptteil unter Erbens forderndem Dirigat jagend Bahn bricht. Wunderbar gestaltet das LSO auch den trauermarschartigen zweiten Satz, wenngleich Erben ihn recht zügig angeht. Beeindruckend wie der Orchesterchef hier lange Zeit nicht die geringste Zäsur zulässt, sondern wie an einem schier endlosen Faden ein großes Crescendo und Decrescendo entwickelt. Spritzig-rasant rast der dritte Satz mit seinen zwei lyrischen Trio-Teilen dahin, bis das pulsierende, stürmische Finale dem Opus die Krone aufsetzt. Einziges Manko: Die zwei Trompeten spielen ausnahmslos zu laut. Doch die Zuhörer applaudieren zu Recht auch hier begeistert - und Frank-Michael Erben führt schließlich Konzertmeisterin Joana Nicu von der Bühne als Zeichen: Für heute ist Schluss.

Freuen können sich die Bornaer, denn da ist Gorlatch noch am Freitagabend zu erleben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

Katrin Schmidinger

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