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Borna Pilzbefall: 100-jähriges Naturdenkmal in Borna fällt der Kettensäge zum Opfer
Region Borna Pilzbefall: 100-jähriges Naturdenkmal in Borna fällt der Kettensäge zum Opfer
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11:26 22.02.2018
Baumpflegerin Andrea Weinl muss hoch hinaus, um die ersten Äste zu entfernen. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Leicht fällt es Andrea Weinl nicht, als sie erst zur Hand-, dann zur Motorsäge greift. Ast für Ast fällt nach unten und wird anschließend zersägt. Die Baumpflegerin der Diakonie ist derzeit in der Platane auf dem Grundstück des Kinder- und Jugendhauses Habitat zu sehen. Gut gesichert mit Gurt, ausgerüstet mit Werkzeug.

Denn bis Ende der Woche wird der wuchtige Baum, mittlerweile mehr als 100 Jahre alt, gefällt. Der Grund: Pilze haben das Naturdenkmal sozusagen von innen zerfressen, „dadurch ist die Gefahr groß, dass große Äste abbrechen und herunterfallen“, erklärt sie.

Ein wuchtiges Exemplar und mehr als 100 Jahre alt wurde der Baum. Quelle: Julia Tonne

Die Platane wurde im Jahr 1958 als prächtiges Exemplar mit weit ausladender Krone als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Doch in den vergangenen Jahren schritt der Befall durch den „zottigen Schillerporling“ deutlich voran, so dass der Baum nach Aussage des Landratsamtes auch durch den Rückschnitt der Krone nicht erhalten werden konnte. Das notwendige Verfahren zur Aufhebung des Schutzstatus unterlag dem Landkreis, der nun seine Zustimmung zur Fällung erteilte.

Rapider Verfall in wenigen Monaten

„Manchmal können Platanen, selbst wenn sie befallen sind, noch einige Jahre stehen, aber in dem Fall wäre es zu gefährlich“, macht Weinl deutlich, denn am Habitat herrsche nun mal reger Fußgängerverkehr. Die Baumpflegerin hatte in den vergangenen Jahren die Platane regelmäßig begutachtet und kontrolliert, musste aber vor wenigen Monaten feststellen, dass sich der Zustand rapide verschlechterte.

Auch für den amtierenden pädagogischen Leiter des Habitats, Thomas Eckel, ist der Anblick der schrittweisen Fällung des Riesen nicht leicht. „Der Baum gehörte einfach hierher, war ein Schattenspender und beliebter Treffpunkt“, sagt er. Dennoch, die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen gehe vor.

Gemeinsam mit der Waldwerkstatt, ein Projekt der Diakonie, war Weinl am Montag angerückt, um die Platane zu zerlegen. Allerdings soll ein ansehnlicher Stumpf stehen bleiben, der dann als Höhle genutzt werden könne und an dem Kletterpflanzen emporwachsen sollen.

Zudem entstand vor Ort die Idee, ein Baumhaus darauf zu errichten. Schließlich haben die Jugendlichen von der Waldwerkstatt bereits zahlreiche Projekte am Habitat umgesetzt. Nicht nur der Spielplatz entstand durch ihre Hilfe, auch eine Überdachung für den Wäscheplatz des Hauses wird jetzt von ihnen in Angriff genommen.

Artenschutzgutachter vor Ort

Die Fällung der über 100 Jahre alten Platane wird dieser Tage durch einen Artenschutzgutachter begleitet. Zudem soll eine Fledermausexpertin von der Ökostation Dienstag und Mittwoch die kleinen Höhlen im Baum begutachten und entscheiden, wohin mögliche Baumbewohner umgesetzt werden könnten. Bis Ende der Woche wird von dem wuchtigen Exemplar nur noch ein Rest stehen. Dass die Fällung dieser Tage erfolgt, ist der Vorschrift geschuldet, dass nur bis zum 28. Februar gefällt werden darf, denn ab Anfang März brüten die Vögel wieder.

Selten ist es nicht, dass hunderte Jahre alte Bäume der Motorsäge zum Opfer fallen. Erst im letzten Jahr ist eine uralte Linde in Geithain bis auf den Stamm gestutzt worden. Oft ist ein akuter Pilzbefall die Ursache dafür. Der zottige Schillerporling, wie er in der Bornaer Platane zu finden ist, verursacht in Laubbäumen, vor allem in Eschen, Apfel- und Walnussbäumen sowie in Platanen eine massive Weißfäule.

Er kommt von den nördlichen subtropischen bis zu den gemäßigten Breiten vor, unter anderem in Asien, Australien, Süd- und Nordamerika. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet vom Mittelmeer bis England und zur Nord- und Ostsee.

Der zottige Schillerporling kann als Fruchtkörper am Baum austreten. Quelle: Julia Tonne

Von Julia Tonne

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