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Pleißereinigung: LMBV hört in Neukieritzsch Proteste und neue Vorschläge

Bürgerinformation Pleißereinigung: LMBV hört in Neukieritzsch Proteste und neue Vorschläge

Auf einer Bürgerinformationsveranstaltung in Neukieritzsch hat die LMBV Defizite in der Öffentlichkeitsarbeit eingeräumt und die Pläne zur Reinigung der Pleiße vorgestellt. Dabei zeichnete sich ab: Der Protest gegen eine Einleitung in den Kahnsdorfer See wird anhalten.

Die braune Pleiße unten soll nach dem Willen der LMBV im Kahnsdorfer See gereinigt werden.
 

Quelle: Foto: LMBV/Radke

Neukieritzsch.  Mit einer Charme- und Informations-Offensive versucht die LMBV, den massiven Protesten gegen die Pläne zur Einleitung der braunen, eisenhaltigen Pleiße in den Kahnsdorfer See zu begegnen. Auf einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend mit knapp 200 Gästen in Neukieritzsch räumte LMBV-Abteilungsleiter Rolf Schlottmann Defizite bei der Beteiligung der Öffentlichkeit ein. „Wir waren uns vielleicht der Tragweite nicht bewusst“, sagte Schlottmann. Jetzt ist die komplette Präsentation, die Schlottmann in Neukieritzsch vortrug, im Internet zu sehen sowie eine Zusammenstellung aller bisherigen Untersuchungen für jedermann zugänglich.

In der Sache scheint der Bergbausanierer aber nicht von seinen Vorstellungen abweichen zu wollen. Um das aus der Witznitzer Kippe in die Pleiße dringende Eisenhydroxid, immerhin rund eine Tonne pro Tag, aus dem Fluss herauszuholen, lässt die LMBV nur noch die Möglichkeit der Einleitung der Pleiße in den Kahnsdorfer See prüfen. Zwei andere betrachtete Möglichkeiten sind als unwirtschaftlich verworfen worden, wobei diese Einschätzung im Vortrag mit keinerlei Zahlen unterlegt wurde.

Solche nannte Schlottmann auch nicht für die See-Variante, aber er deutete an, was für die LMBV wichtig ist. Ziel sei ein „selbstregulierendes System“, also eins mit so wenig wie möglich Folgeaufwand. Es dürfe aber auch keine negativen Auswirkungen für See-Anrainer geben, nannte der Abteilungsleiter ein weiteres Ziel der Planung.

Cordula Weihmann von der Bürgerinitiative „Kahnsdorfer See“ warf der LMBV vor, sie verstoße mit ihrem Plänen gegen geltendes Recht. Eins der Argumente hatte Schlottmann zuvor schon selbst erwähnt: Der Braunkohleplan, der die Sanierungsziele definiert, legt für den Kahnsdorfer See Vorrang für Natur und Landschaft fest, er soll sich unbeeinflusst entwickeln. Weihmann kündigte Schadenersatzklagen der See-Anrainer an und widersprach Schlottmanns Einschätzung, der Kahnsdorfer See sei ob seines saueren Wasser „eigentlich ökologisch tot“.

Die Bürgerinitiative übergab den LMBV-Vertretern eine Mappe mit rund 250 Vollmachten von Anliegern der Seen, die das Einleiten der Pleiße in den Kahnsdorfer See ablehnen. Weitere Unterstützer sollen mobilisiert werden.

In der Diskussion kamen sowohl Protest und Zweifel als auch weitere Vorschläge für die Reinigung der Pleiße zur Sprache. Der Bornaer Arzt Ulrich Pfeifer zweifelte an der von der LMBV behaupteten ergebnisoffenen Planung. „Für Sie sind die Messen gesungen“, befürchtete er. Er erkenne nicht, warum die anderen Varianten nicht weiter verfolgt würden.

Jens Hanke, Betreiber einer Segelschule am Hainer See, wies darauf hin, dass der schon jetzt belastet sei, was an Schaumkronen zu erkennen sei. Der LMBV warf er vor, zu wenig nach weiteren Varianten zu suchen. „Sie haben die Ideenfindung ja schon beendet“, sagte er.

Einen Vorschlag, die Eisenfracht aus der Kippe gar nicht erst in die Pleiße gelangen zu lassen, warf Horst Tilke aus Neukieritzsch in die Debatte. Er empfahl, über einen Betonkanal von rund zwei Kilometer Länge nachzudenken, dort wo die Pleiße die meisten Eisenfrachten aufnimmt. „Dann wären Sie alle Sorgen los“. Auch in Leipzig fließe die Pleiße in Kanälen.

Hermann Patzschke, Mitglied des Neukieritzscher Gemeinderates, verwies auf die guten Ergebnisse , die die Mibrag mit ihrer Grubenwasserreinigungsanlage erreiche und empfahl, den Kontakt zu dem Bergbauunternehmen zu suchen.

Gedanken hatte sich auch Jürgen Taudien aus Lobstädt gemacht. Wenn schon der Fluss umverlegt werden muss, dann so, dass er den fraglichen Kippenbereich nicht mehr berührt. Dann fließe die Pleiße auch durch den Kahnsdorfer See, aber unbelastet.

Die Vertreter der verschiedenen Blau-Firmen, die Eigentümer und Betreiber der Seen sind, verhielten sich zunächst zurückhaltend. Erst nach Aufforderung durch den Lobstädter Ortschaftsrat Werner Winkler äußerte sich Blauwasser-Geschäftsführer Christian Conrad. Die Lagune Kahnsdorf, sagte er, sei schon jetzt eine Art Eisen-Absetzbecken. Warum, wollte er wissen, werde nicht nach eine Lösung gesucht, die den Hainer See noch weiter verbessern würde. Stattdessen würden die Pläne die Angst schüren, der Kahnsdorfer und der Hainer See könnten bald braun und trüb aussehen. Für den Eigentümer Blausee sagte Conrad, er werde „auf keinen Fall den Kahnsdorfer See freiwillig zurück verkaufen“. Eher wolle man helfen, andere Lösungen zu suchen.

Womit die LMBV möglicherweise gut beraten wäre. Denn in der Lausitz ist sie mit einem vergleichbaren Projekt am Altdöberner See gescheitert, auch auf Grund des Drucks einer Bürgerinitiative, Was eine Besucherin am Donnerstagabend die Frage stellen ließ, warum das Gleiche jetzt hier versucht werde.

Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) griff den Gedanken dankbar auf und formulierte in seinem Schlusswort, man werde gemeinsam nach einer Lösung für die braune Pleiße suchen. „Und diese Lösung wird nicht der Hainer See sein.“

Drei Fragen an Andreas Berkner, Leiter der regionalen Planungsstelle

In welchem Planungsstadium befindet sich das Projekt zur Reinigung der Pleiße?

In der Phase der Untersuchung und Sondierung. Wir stehen noch längst nicht in dem öffentlich-rechtlichen Verfahren, durch welches ein solches Vorhaben erst genehmigt werden müsste. Es hätte eine solche Informationsveranstaltung nicht gegeben, wenn in der Sache schon alles klar wäre.

Wie sollte es jetzt weitergehen?

Ein Kostenvergleich aller Varianten ist erforderlich. Niemand möchte, dass die eingeschlagene Entwicklung in der Region Schaden nimmt. Das wäre rechtlich auch gar nicht zulässig.

Es wurden etliche Ideen geäußert in Neukieritzsch...

Die sollten wir jetzt in einer Runde mit Sachverständigen zusammentragen und bewerten. Wir brauchen eine ehrliche Suche nach dem besten Weg.   Interview: André Neuman

Von André Neumann

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