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Pödelwitzer fordern ein Stopp der Kohlepläne: Dorf soll eine Zukunft haben

Protest Pödelwitzer fordern ein Stopp der Kohlepläne: Dorf soll eine Zukunft haben

Mit gepflanzen Kreuzen aus Osterglocken protestieren die Menschen aus Pödelwitz gegen die drohende Zerstörung ihres Dorfes. Es soll im Zuge der Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain von der Landkarte verschwinden. Dem von Pro Pödelwitz am Sonntag initiierten Protest schlossen sich viele an.

Menschen allen Alters nahmen an der Protestveranstaltung am Sonntag teil.

Quelle: René Beuckert

Groitzsch/Pödelwitz. Der Pödelwitzer Dorfplatz war am Sonntagvormittag leer. Eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Protestbeginn schien es die Ruhe vor dem Sturm zu sein, denn die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz hatte 11 Uhr zu einer Demonstration geladen, um mit gelben Kreuzen aus gepflanzten Osterglocken ein Zeichen des zivilen Widerstandes zu setzen. Und tatsächlich: Zur vollen Stunde füllte sich der Platz vor der Kirche. Viele Bewohner waren gekommen, um gemeinsam mit Aktivisten von Greenpeace und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum künftigen Tagebau zu marschieren.

„Bisher verfügt man über keine bergrechtliche Bewilligung zu diesem Bergbauprojekt. Trotzdem hat die Mibrag 80 Prozent der Fläche aufgekauft und an den Gebäuden massive Schäden verursacht. Politiker, die dafür die Entscheidung zu treffen haben, halten sich bedeckt, schauen einfach still zu. Wenn man ohne rechtliche Grundlage die Sozial- und Siedlungsstruktur des Dorfes angreift, schädigt man uns Einwohner. Das verstößt gegen das Grundgesetz Artikel 14, der ganz klar sagt, Eigentum ist zu schützen. Mit dem Pflanzen der gelben Kreuze im Ort wollen wir die Politiker aufmerksam machen, dass hier Recht gebrochen wird“, sagte Jens Hausner, Sprecher der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz, unmittelbar an der Schwelle zum Tagebau.

Ältere Pödelwitzer wie der 80-jährige Dieter Kraneis würden zum zweiten Mal umsiedeln müssen. „1980 musste ich meinen Wohnort Droßdorf verlassen und bin hier nach Pödelwitz gezogen, um mir eine neue Existenz aufzubauen. Damals hieß es noch, der Ort wird nicht weggebaggert, was mir Zuversicht gab es zu tun. Noch einmal möchte ich nicht umziehen, zumal ich meine ganze Kraft in das Grundstück gesteckt habe. Das Leben im Ort möchte ich nicht missen, denn hier kennt jeder jeden, was das Zusammenleben inmitten grüner Natur sehr angenehm macht“, sagte der Senior.

Thilo Kraneis vom Kirchenvorstand möchte auf die grüne Oase und die Ruhe in Pödelwitz ebenfalls nicht verzichten. „Hier hat sich eine gute Nachbarschaft entwickelt. Die Energiegewinnung aus Braunkohle steht in keinem Verhältnis, den Bewohnern ihre Heimat zu nehmen, zumal fossile Brennstoffe nicht mit dem Einhalten der geforderten CO-2-Bilanz vereinbar sind. Auf dem Energiesektor hat sich mit den erneuerbaren Energien soviel getan, dass man künftig auf die Kohle verzichten kann.“

Bernd Mehle wohnt schon Jahrzehnte im Ort. „Mit Pödelwitz sind Kindheitserinnerungen verbunden. Wo sich heute der Tagebau abzeichnet gab es Eichenwälder und Wiesen. Ich beteilige mich darum an der Aktion, weil ich mir die Heimat nicht wegnehmen lassen will“, betonte der rüstige Rentner.

Gerhardt Kremkow möchte sein Heimatdorf ebenso wenig verlieren und nahm deshalb an der Aktion teil. „Vor über 30 Jahren musste ich umsiedeln und habe in Pödelwitz eine neue Heimat gefunden. Ich fühle mich mit dem Ausbau des Grundstücks um meine Lebensleistung betrogen, wenn hier ein Tagebau entstehen würde.“

Jens Hausner von der Bürgerinitiative betonte: „Wir haben diese Woche zusammen mit allen Umweltverbänden in Deutschland eine Forderung nach einem Moratorium für sämtliche Planungen einer Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain an die Mibrag und an die sächsische Landesregierung gesendet mit der Forderung, diese Planungen sofort einzustellen.“

Von René Beuckert

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