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Borna Pointen gegen die DDR-Hauptstadt
Region Borna Pointen gegen die DDR-Hauptstadt
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15:21 19.05.2015
Der Carnevalsclub Braunkohle 1985 im damaligen Gewerkschaftshaus. Rechts Präsiddent Peter Finke. Quelle: privat

Dabei gab es mit dem Carnevalclub Braunkohle (CCB) einst sogar einen dritten Karnevalsverein in der Stadt.

Die Gründung des CCB geht auf den BCV zurück, erinnert sich Peter Finke. Der Mann, der heute für die Linken im Stadtrat sitzt, war seinerzeit Präsident des CCB. Der war ans Braunkohlenwerk Borna (BKW) angebunden, das die Karnevalisten, etwa 30, 35 Leute, über die Gewerkschaft und die Freie Deutsche Jugend (FDJ) finanziell unterstützte. Als beim BCV einige Leute in politische Ungnade gefallen waren, kam es im November 1983 zur Gründung des CCB.

Finke war seinerzeit FDJ-Sekretär im BKW Borna und war so etwas wie das Gesicht des Clubs, weil er als Conferencier durch die Programme des Clubs führte. Der hatte Auftritte über Borna hinaus, etwa in Altenburg oder auch im Lobstädter Kastanienhof. Auch damals fehlte es den Karnevalisten an geeigneten Auftrittsmöglichkeiten in Borna, ein Problem, unter dem auch der BCV bis zuletzt litt (die LVZ berichtete). Selbst in der Kongresshalle am Leipziger Zoo waren die Narren aus dem BKW zu Gast. Immerhin, so Finke, hatte der Verein eine Einstufung in die Kategorie B, was künstlerisch, aber vor allem auch finanziell von Bedeutung war, weil damit eine entsprechend gute Vergütung verbunden war. Damit lag der CCB sogar über dem damaligen Staatlichen Sinfonieorchester Borna, dem heutigen Leipziger Symphonieorchester. Mit den Musikern stellten die Karnevalisten auch gemeinsame Faschingsveranstaltungen auf die Bühne, die selbstredend bestens besucht waren.

Peter Finke, der ebenso wie Gattin Uta (Bütten-)Reden hielt, weiß, dass das auch damit zusammenhing, weil auf den Karnevalssitzungen Dinge gesagt wurden, die so nicht in der Zeitung standen. Etwa, wenn im Jahr 1987 die übermäßige Bevorzugung der ungeliebten DDR-Hauptstadt Berlin auf die Schippe genommen wurde. Die Kapitale feierte damals ihre Gründung vor 750 Jahren. Dabei mussten Konzepte und Texte für die Veranstaltungen beim SED-Parteisekretär vorgelegt werden. "Wir haben das dann ein wenig verändert und im Prinzip doch gemacht, was wir wollten", sagt Peter Finke. Das ging gut, weil die oberen Politchargen am Ende doch nicht zu der Veranstaltungen mit den gefürchteten Pointen kamen, vielleicht auch aus Angst vor dem unzensierten Auflachen des Volkes.

Mit der Wende kam das Ende für den CCB. Das BKW stellte seine Unterstützung ein, und viele Mitstreiter folgten den Arbeitsplätzen in Richtung Westen. Ein Problem, unter dem Karnevalisten an der Wyhra auch heute zu leiden haben. Nicht nur der BCV, sondern auch der Carnevalsclub Wyhratal (CCW). Der wurde 1992 gegründet und hat bis heute überlebt. Neun Mitstreiter zählt Holger Pausch, der Vorsitzende des CCW aktuell. Leicht sei es nicht, "wir hängen auch am Tropf". Pausch meint damit, dass es jedes Jahr ein neues Wagnis ist, ein Programm auf die Beine zu stellen. Dabei kämpfen die Wyhrataler Narren mit den gleichen Schwierigkeiten wie der BCV. Es fehlt an Auftrittsmöglichkeiten, nachdem es für die Karnevalisten schlichtweg zu teuer ist, den Saal der "Schanze" in Neukirchen zu beheizen, um dort aufzutreten. Immerhin hat der CCW seit Jahren ein Stammlokal in Bubendorf, wo er vor bis zu 120 Besuchern auftritt.

Dabei allerdings soll es auch bleiben. "Wir wollen nicht nach Borna", wehrt Vereinschef Pausch schon im Ansatz die Vorstellung ab, die Wyhrataler könnten am 11.11. statt des BCV den Rathausschlüssel von Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) übernehmen. Bedauerlich sei das Ende des BCV schon, betont Pausch. Immerhin haben die Wyhrataler Narren bisweilen mit den Bornaer Karnevalisten zusammengearbeitet.

Auch der einstiger CCB-Chef Peter Finke stand zeitweilig als Conferencier für den CCW auf der Bühne. Und auch er ist nicht froh über das Ende der einstigen Konkurrenz. Aber "in Borna ist das sowieso schwer". An sich, sagt Finke, habe er schon früher mit dem Ende des BCV gerechnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013
Nikos Natsidis

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