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Präzisionsarbeit in der Steinzeitsiedlung

Präzisionsarbeit in der Steinzeitsiedlung

Mit moderner Technik sind gestern zwei steinzeitliche Kastenbrunnen aus dem Tagebauvorfeld Peres geborgen und in eine Landwirtschaftshalle nach Großstolpen transportiert worden.

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Im Tagebauvorfeld Peres sind gestern zwei steinzeitliche Holzbrunnen geborgen und zur weiteren Untersuchung nach Großstolpen transportiert worden. Die beiden 6,5 Tonnen und 28 Tonnen schweren Blöcke (kleines Bild) verlangten von den Experten der Firma Mammoet höchste Präzision. Mammoet hatte sich 2007 mit der Umsetzung der Emmauskirche einen Namen gemacht. Fotos (2): Thomas Kube

Quelle: Thomas Kube

Groitzsch/Neukieritzsch. Notwendig wurde die eilige Blockbergung aufgrund des näherrückenden Tagebaus Schleenhain. Damit bliebe den Archäologen kaum noch Zeit für die aufwendige Freilegung und Untersuchung der sensiblen Funde. In Großstolpen haben sie diese jetzt. In den nächsten zwei, drei Jahren werden die Brunnen freigelegt, konserviert und zu gegebener Zeit einem interessierten Publikum gezeigt. Nach Informationen von Landesarchäologin Regina Smolnik zählen die kastenförmigen Konstruktionen weltweit zu den ältesten erhaltenen hölzernen Bauwerken.

Die Bergung und der Transport verliefen trotz schwieriger Bodenverhältnisse im Tagebaugelände reibungslos. Beide Brunnen wurden als "Pakete" mit Brettern und einem Stahlgerüst verschnürt - der kleinere Block rund 6,5 Tonnen schwer, der große 28 Tonnen - und mit Hilfe eines 400 Tonnen Teles-kopkranes aus dem Boden gehoben und anschließend auf zwei luftgefederten Lastkraftwagen abgestellt. Von dort ging die Reise nach Großstolpen, wo die Mibrag eine Lagerhalle der örtlichen Agrargenossenschaft anmietete.

Den gewaltigen Kraftakt bewerkstelligte vor den Augen von Mibrag-Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase, Medienvertretern, Grabungsmitarbeitern und weiteren beteiligten Unternehmen die Mammoet Deutschland GmbH, ein weltweit agierender Spezialist für Schwertransporte. Mammoet hatte sich schon 2007 mit der Umsetzung der Emmauskirche von Heuersdorf nach Borna einen Namen gemacht. "Die Bergung und der Transport dieser kulturhistorischen Schätze ist für uns natürlich eine Herausforderung", sagte Thomas May, Projektleiter bei Mammoet Deutschland.

Vor mehr als 7000 Jahren sind in dieser Region die ersten Ackerbauern und Viehzüchter sesshaft geworden. Sie gründeten auf einer Waldlichtung zwischen dem heutigen Neukieritzsch und Pödelwitz eine Siedlung mit den typischen langen Holzhäusern: Ur-Droßdorf. Das Besondere: Weit und breit gab es kein fließendes Wasser, die Weiße Elster und Pleiße lagen jeweils zwei Kilometer rechts und links entfernt. Doch Not macht erfinderisch, und so legten die Steinzeitmenschen mehrere Brunnen an, um sich daraus mit Wasser zu versorgen.

Für Archäologen sind diese hölzernen Relikte sprichwörtlich Fundgruben, die es in sich haben. Das bewiesen schon ähnliche Entdeckungen in Eythra, Altscherbitz, Leipzig-Plaußig, Brodau im Landkreis Delitzsch oder Dresden. Denn während alles über der Erde Liegende längst zu Staub verfallen ist, hat sich der Inhalt dieser Brunnen zum Teil bis heute erhalten und lässt Rückschlüsse auf die Lebens- und Arbeitsweise der Ackerbauern und Viehzüchter zu. Die Brunnen können eine ganze Welt von Gegenständen und organischem Material enthalten, etwa Steine, Holz, Rinde, Bast, Fasern, Leder, Werkzeuge, aber auch kleine Tiere wie Mäuse oder Käfer. "Wir wissen vorher nie, ob etwas drin ist. Es ist jedes Mal eine Überraschung", sagte auch gestern Harald Stäuble, Referatsleiter im Landesamt für Archäologie, angesichts der Bergung in Peres.

Allein in diesem Jahr entdeckte das Grabungsteam in Ur-Droßdorf neun solcher Brunnen: vier aus der Frühsteinzeit um 5500 bis 5000 v. Chr., zwei aus der Mittelsteinzeit um 3800 v. Chr., die anderen konnten noch nicht näher bestimmt werden. Der Größere der beiden gestern geborgenen Brunnen ist laut Stäuble exakt 5134 v.Chr. errichtet worden. Das ergaben dendochronologische Untersuchungen an den Eichenbohlen, deren 252 Jahresringe den Rückschluss zulassen. "Wir können sogar ermitteln, ob der Baum im Frühjahr oder Herbst gefällt wurde", erklärt der Experte.

Das Verfahren Dendochronologie basiert auf der Tatsache, dass Gehölze unter identischen Klima- und Standortbedingungen einen ähnlichen Jahreszuwachs aufweisen. Die Abfolgen von engen und breiten Jahresringen sind sehr ähnlich und können verglichen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2014
Haase, Kathrin

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