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Prisma-Projektleiter zu den Vorteilen für einen offenen Vollzug am Bockwitzer See

Prisma-Projektleiter zu den Vorteilen für einen offenen Vollzug am Bockwitzer See

Es ist das Projekt, über das in Borna diskutiert wird: der Jugendstrafvollzug in freien Formen am Bockwitzer See. Der Mann, bei dem die Fäden dafür zusammenlaufen, ist Michael Richter, Prisma-Vereins-Projektleiter Sachsen.

Borna. Er gehört zu den Podiumsgästen des LVZ-Stadtgesprächs zu diesem Thema am 25. Mai, 19 Uhr, im Goldenen Stern. Dass sich der Verein am Bockwitzer See niederlassen will, dafür gebe es wichtige Gründe, sagt er.

Ja, der Prisma-Verein kümmere sich um die Täter, bestätigt der engagierte Mann vom Jahrgang 1977. Und er bestreitet nicht, „dass in Deutschland die Opfer von Straftaten definitiv vernachlässigt werden“. Dass sich der Verein aus dem baden-württembergischen Leonberg dennoch für jugendliche Straftäter starkmacht, habe auch etwas mit dem Schutz potenzieller Opfer zu tun. „Wir wollen dafür sorgen, dass Jugendliche nicht wieder zu Straftätern werden.“ Und in der speziellen Form des offenen Strafvollzuges, wie es der Verein seit sieben Jahren in Leonberg praktiziert, auch einen Bewusstseinswandel bewirken, sagt Richter. Das beinhalte regelmäßige Gesprächsgruppen einschließlich eines „Heißer Stuhl“ genannten Verfahrens, in dem sich die jugendlichen Straftäter vor ihren Mithäftlingen mit ihren Straftaten auseinandersetzen müssen. Zum Umgang mit der kriminellen Vergangenheit gehöre auch die Verfassung von Entschuldigungsbriefen.

Im Prinzip handle es sich beim Prisma-Projekt um einen Strafvollzug, in dem es strenger zugehe als im geschlossenen Knast, so Richter. Eine Folge des strengen Tagesreglements, dem die Jugendlichen unterworfen sind. Bei denen handelt es sich um Straftäter, die eine Haftstrafe von ein bis zwei Jahren zu verbüßen haben und die in Familien untergebracht werden. Wachpersonal gebe es dabei nicht. In den sieben Jahren, in denen der Verein das Projekt mit dem schönen Namen „Seehaus“ in Leonberg betreibt, seien sieben junge Leute abgehauen. Es habe sich dabei samt und sonders um Kurzschlussreaktionen gehandelt, sagt Richter, etwa weil die jungen Leute Liebeskummer gehabt hätten. Und, für ihn ganz wichtig: In der Umgebung des Prisma-Domizils seien die Flüchtlinge dabei nicht gelandet. Vielmehr hätten sich die jungen Leute nach ihrer Flucht nach Hause oder zu ihrer Freundin abgesetzt. Wer aus dem offenen Prisma-Strafvollzug desertiert, für den hat sich die Perspektive „Seehaus“ allerdings erledigt. Die jungen Straftäter landen dann wieder in der Haftanstalt. Richter: „Da gibt es dann kein Zurück mehr.“

Bleibt die Frage, die nicht nur die Bewohner der Siedlung Kesselshain umtreibt: warum der Verein unbedingt an den Bockwitzer See will. Richter: Weil das Domizil für die jungen Strafgefangenen weit genug weg vom Schuss und zugleich außer Reichweite diverser Versuchungen wie Tankstellen oder auch einer Disco liegen sollte. Zugleich aber müsse es sich in der Nähe zu einem Ballungsgebiet befinden, wo die Jugendlichen nach einer gewissen Zeit Praktika absolvieren müssen. Das Areal des Bockwitzer Sees sei ein sogenanntes Vorbehaltsgebiet, bei dem es noch eine gewisse Variationsbreite für die künftigen Nutzungsmöglichkeiten gebe. Mitten in einer Wiesenlandschaft oder einfach am Waldesrand dürfe rein rechtlich nicht gebaut werden, so ein weiteres Argument des Prisma-Projektleiters Sachsen.

Er sitzt am 25. Mai beim LVZ-Stadtgespräch zum Thema „Offener Strafvollzug am Bockwitzer See“ ebenso im Podium wie Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke), CDU-Stadtratsfraktionschef Roland Wübbeke und der Kopf der neuen Bürgerinitiative „Borna steht auf“, Axel Meier. Beginn der Diskussionsrunde im Goldenen Stern, die von LVZ-Regionalchefredakteur Frank Prenzel moderiert wird, ist 19 Uhr – und Sie, liebe Leser, sind dabei natürlich willkommen.

Nikos Natsidis

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