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Privater Investor will historischem Postamt in Borna Leben einhauchen

Nach Rückzug der Post Privater Investor will historischem Postamt in Borna Leben einhauchen

Das historische Postamt in der Bahnhofstraße gehört zu den imposantesten Gebäuden der Stadt. Über Jahrzehnte wurden im roten Backsteinbau mit den Türmen und dem Stuck über den Fenstern die Verteilung von Briefen und Paketen sowie das Geschäft mit Erzeugnissen der Post abgewickelt. Ein privater Investor will die Immobilie wieder beleben.

Momentan steht die alte Post in Borna bis auf das Erdgeschoss leer.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Arbeiten in der Post auch ohne Job beim Monopolisten für Brief- und Paketfracht: In Borna ist das möglich. Ein riesiges Banner zeugt davon, dass im historischen Postamt der Stadt noch Zimmer frei sind. Henry Berg, Unternehmer aus Stendal, versucht die alte Immobilie als Geschäftshaus zu profilieren. „Das ist aber von der Nachfrage abhängig“, lenkte er ein. Nachdem die Post ihre Sortierung nach Kitzscher verlegt hat, gibt er sich ein bis zwei Jahre, um ein neues Konzept für das Gebäude zu entwickeln.

Die Kreuzung Bahnhofstraße/Mühlgasse ist in der Rushhour zwar immer noch eine viel befahrene Ecke. Aber an der Rampe der alten Post herrscht inzwischen gähnende Leere. Das war früher anders. Noch bevor die Stadt erwachte, rollten die gelben Autos mit dem schwarzen Horn und ihrer Fracht aus Briefen und Paketen in den Hof. Auf zwei Etagen wurde dann emsig sortiert und kommissioniert. Unzählige Zusteller holten im Laufe des Vormittags ihre gepackten Taschen ab, um die Wurfsendungen in den Straßen der Stadt zu verteilen.

Es ist Monate her, dass sich die Zusteller hier die Klinke in die Hand gaben. Denn die Post hat sich aus Borna zurückgezogen. „Der Zustellstützpunkt, an dem die Zusteller ihre Fahrzeuge beladen und von dem aus sie zu ihren Kunden starten, ist bereits Anfang des Jahres nach Kitzscher umgezogen“, sagte Tina Birke, Sprecherin des Unternehmens in Sachsen und Brandenburg. Die neuen Räumlichkeiten seien ebenerdig und würden den Mitarbeitern das Arbeiten erleichtern.

Ganz aufgegeben habe das Unternehmen den Standort jedoch nicht. „Zwei Fahrradzusteller beladen nach wie vor und weiterhin an der Adresse und starten ihre Touren von dort aus“, so Birke weiter. Für Publikumsverkehr im Gebäude sorgt derzeit jedoch nur die Postbank. Wie Sprecher Ralf Palm versicherte, habe das Geldinstitut einen langfristigen Mietvertrag. „Wir planen in Borna keine räumliche Verlagerung unseres Finanzcenters“, sagte er.

Aber der letzte verbleibende Mieter soll nicht lange alleine bleiben. Berg rechnet schon bald mit der Belebung der in Borna doch repräsentativen Adresse. Über 1000 Quadratmeter stünden zur Vermietung, von denen ein großer Teil zur Nutzung als Büro, unter anderem für Anwaltskanzleien, oder als Praxis für Physiotherapien geeignet ist. Im hinteren Bereich des Gebäudes – hier hat die Sortierung stattgefunden – befindet sich ein Aufzug, der beide Etagen miteinander verbindet. Berg zufolge seien die Räume für mittelständisches Handwerk wie eine Heizungs- und Sanitärfirma geeignet, die Büro, Lager und Auslieferung abdeckt. Auch auf eine kleine Spedition würden die Handelsräume und die Infrastruktur passen. „Wir sind in alle Richtungen offen“, erklärte Berg, der eigenen Angaben zufolge bereits mehrere Postämter in den neuen Bundesländern umgestaltet hat.

Denn der Konzern Deutsche Post brachte bereits 2008 ein großes Immobilienpaket auf den Markt. Bis Ende 2009 waren Verkäufe im Wert von rund einer Milliarde Euro abgewickelt worden. Danach hat das Unternehmen die Räume an verschiedenen Standorten zurückgemietet, so dass die Kunden von der Transaktion nicht berührt waren. Die Bornaer Post ging Bergs Angaben zufolge 2010 in seinen Privatbesitz. Über den Kaufpreis spricht der Stendaler nicht. Aber er signalisierte Bereitschaft zur Investition in die historische Immobilie. „Wir werden die alte Post nicht verfallen lassen“, sagte er.

Von Birgit Schöppenthau

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