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Pro Jahr 200 000 Solarmodule

Pro Jahr 200 000 Solarmodule

Einen Katzensprung vom Braunkohlekraftwerk Lippendorf entfernt, wurde gestern ein neues Kapitel der Energiewirtschaft in der Regionaufgeschlagen. Mit dem ersten Spatenstich startete im neuen Gewerbepark Zwenkau-Süd der Bau einer Produktionsstätte für Dünnschichtsolarzellen und -module.

Zwenkau. Die Solarion AG investiert dafür mit Hilfe ihres taiwanischen Anteileigners in den Standort 40 Millionen Euro, hinzu kommen 20 Millionen Euro von Bund und Land. Das Wetter zum Baustart hätte nicht schöner sein können für eine Firma, die mit Solarmodulen ihr Geld verdienen möchte. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel, als in kollektiver Symbolik sieben Spaten in die Erde gerammt wurden. Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) legte mit Hand an. Solarion beschäftigt bereits 50 Leute, mit dem neuen Werk entstehen 90 neue Arbeitsplätze, sagte Vorstandsvorsitzender Karsten Otte. Das neue Werk mit einer Produktionsfläche von 12 000 Quadratmetern soll bereits Ende des Jahres stehen und dann jährlich 200 000 Module ausstoßen. „Im Großraum Leipzig gibt es genügend qualifiziertes Personal“ für die neuen Jobs, sagte Otte gegenüber der LVZ.

Vor allem würden Anlagenfahrer, Elektriker etwa, eingestellt. Der Fotovoltaikspezialist Solarion hat flexible, also biegsame Solarmodule entwickelt und beginnt nun in Zwenkau mit der Massenproduktion. Weltweit gebe es derzeit nur vier Wettbewerber dafür, beschreibt Otte einen Vorteil, denn bei starren Modulen würden etwa 100 Unternehmen konkurrieren. Zweiter Vorteil: Die flexiblen Module zur Installation an Gebäuden sind leichter, dünn und handlicher. Laut Otte eignen sie sich deshalb auch für Flachdächer – und natürlich für gekrümmte Flächen. Solarion sieht einen großen Markt. Im Landkreis gibt es schon mehrere Windparks und Sonnenkraftwerke, jetzt etabliere sich auch die Projektentwicklung und Produktion für regenerative Energien, freute sich Landrat Gerhard Gey (CDU). Neben der im Jahr 2000 in Leipzig gegründeten Firma Solarion ist das die rheinland-pfälzische Firma Juwi, die bei Brandis bis zu 100 Arbeitsplätze schafft. Gey lobte die „reibungslose Ansiedlung“ und nannte die Investition ein „wichtiges Zeichen für die Region“. Denn die sei ein traditioneller Standort der Energiewirtschaft, in der Vergangenheit auf Basis von Braunkohle. „Aber das ändert sich jetzt.“ Der Hersteller von Lebensmittel-Verpackungen, die Weidenhammer Packaging Group, will sich in Zwenkau erweitern.

Die Lösung fand sich mit dem 15 Hektar umfassenden Gewerbepark Zwenkau-Süd, den der Zweckverband (ZV) Planung und Erschließung Industriestandort Böhlen-Lippendorf sozusagen aus dem Boden stampfte und der auch für Solarion die erste Wahl geworden ist. „Sie leben in Sachsen in einem Land der Glückseligkeit“, sagte Unternehmer Ralf Weidenhammer. Denn der neue Standort sei in nur neun Monaten entstanden. In Hockenheim, der Heimat seiner Firma, „denken wir in Zeiträumen von fünf Jahren vom Aufstellungsbeschluss bis zum Baustart, realistisch sind eher zehn Jahre“. Zwenkaus Bürgermeister Holger Schulz (CDU) sprach von einer „sehr sportlichen Umsetzung“, was nur im Team möglich sei. Bleibe der Schulterschluss von Kommunen, Kreis und Land so, sehe die Region einer positiven Zukunft entgegen. Der Zweckverband hofft noch auf eine 75-prozentige Förderung, um den Gewerbepark parallel zum Bau der neuen Fabrik zu erschließen. Der Antrag sei gestellt, sagte ZV-Vorsitzender Henry Graichen (CDU), Bürgermeister von Neukieritzsch.

Seine Gemeinde sowie die Städte Böhlen und Zwenkau sind Mitglied im ZV, der zehn Prozent der 2,1 Millionen Euro teuren Erschließung übernimmt. Die zwei beteiligten Firmen tragen laut Graichen 15 Prozent der Kosten. Auch Graichen lobte das Rekordzeit-Projekt. Es habe Spaß gemacht; beim Aufstellen des Bebauungsplanes durch den Verband „zogen alle mit, es gab keine Bedenken und Verzögerungen“. Böhlens Vize-Bürgermeister Udo Bonk (Linke) sprach von einem positiven Signal für die Region, für weitere Jobs. „Dass sich produzierendes Gewerbe ansiedelt, ist ja eher selten.“ Er hoffe, dass auch der eine oder andere Böhlener im neuen Gewerbegebiet Arbeit findet.

Frank Prenzel

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