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Pro Pödelwitz bekommt Rückenwind von Wissenschaft

Pro Pödelwitz bekommt Rückenwind von Wissenschaft

Die Bürgerinitiative Pro Pödelwitz bekommt Rückenwind von der Wissenschaft. In dieser Woche war Christian von Hirschhausen aus Berlin im Dorf. Er ist Forschungsdirektor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und außerdem Leiter des Fachgebiets Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der Technischen Universität in Berlin.

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Im Bürgerhaus Pödelwitz erläutert Christian von Hirschhausen (r.) seine Ansichten gegenüber Thilo Kraneis (l.) und Jens Hausner von der Bürgerinitiative.

Quelle: Privat

Pödelwitz. n. Der Professor hat die Vertreter der Bürgerinitiative und ihr Anliegen in einer ARD-Sendung gesehen und darauf hin Kontakt gesucht, berichtet Jens Hausner, Sprecher der Initiative. Denn dies ist genau sein Forschungsgebiet: Zukunft der Braunkohle im Rahmen der Energiewende. Eine Studie seines Teams habe von der Überbaggerung bedrohte Ortschaften untersucht. "Wir haben daran Interesse, dass diese Studie auch für unseren Raum konkretisiert wird", sagte Hausner.

Das Gespräch mit dem Wirtschaftswissenschaftler hat der Initiative weitere wichtige Argumente geliefert. So ist in der Studie festgestellt worden, "dass im Rahmen der Energiewende Erweiterungen bereits bestehender Tagebaue sowie Aufschlüsse neuer Braunkohletagebaue energiepolitisch nicht mehr zu rechtfertigen sind". Bereits genehmigte Braunkohlepläne würden ausreichen, um die Versorgung der Kraftwerke bis mindestens 2040 zu gewährleisten.

"Auch der Braunkohleplan des Tagebaues Vereinigtes Schleenhain hat für die Versorgung von Lippendorf eine Laufzeit bis 2040, wobei Pödelwitz nicht zur Überbaggerung vorgesehen ist", so der Sprecher. Von Hirschhausen habe gesagt, dass die Erweiterung um das Abbaufeld Pödelwitz "energiepolitisch nicht notwendig und nach außen wenig plausibel darstellbar" sei. Im Braunkohleplan sei die Option der Überbaggerung des Dorfes nur damit begründet worden, weil die Möglichkeit besteht, dass sich die Bürger für eine freiwillige Umsiedlung aussprechen.

Die Mehrheit hat dies getan. Von den 130 Dorfbewohnern wollen etwa 110 den Ort verlassen, weil sie nicht Jahrzehnte an der Tagebaukante leben möchten - der Umsiedlungsstandort in Groitzsch wird derzeit vorbereitet (die LVZ berichtete).

Doch sieben Familien, deren Vertreter sich in der Bürgerinitiative engagieren, wollen nach Aussage des Pödelwitzers ihre Heimat nicht verlassen. Zur Stimmung im Dorf sagte er: "Die Lage hat sich beruhigt. Diejenigen, die gehen möchten, können dies laut Umsiedlungsvertrag tun. Wir aber bleiben. Wir haben uns immer für eine zweigleisige Lösung ausgesprochen."

Auch an seiner Tür habe man geklopft und gesagt: "Lassen Sie das Grundstück doch wenigstens mal schätzen!" Aber dagegen wehrt er sich. Denn schnell werde von Preispoker gesprochen, nach dem Motto: Wenn nur genug geboten wird, verkaufen die schon. Doch darum gehe es nicht. Er und seine Mitstreiter wollen Pödelwitz nicht hergeben, dafür würden sie auch juristische Schritte nicht scheuen.

So weit ist es aber noch nicht. Denn derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren und es gibt "noch keine rechtliche Grundlage für Enteignungen". Die Bürgerinitiative sammelt jetzt Argumente für einen späteren Einspruch gegen den Rahmenbetriebsplan, sagt Hausner.

Studie und Aussagen von Christian von Hirschhausen würden dabei helfen. "Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet", so der Sprecher. Das Institut für Wirtschaftsforschung hat die Aufgabe, Politiker zu beraten, "die Politik bei uns ist leider zurzeit bloß ziemlich beratungsresistent." Dennoch sei die Initiative "guter Hoffnung, dass wir das juristisch kippen können".

Im November 2012 war zwischen der Stadt Groitzsch und der Mibrag der Pödelwitz-Vertrag unterzeichnet worden. Dies ermöglichte Umzugswilligen, individuelle Verträge mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag) auszuhandeln. Rund 80 Prozent der Einwohner des Ortes hatten sich im Vorfeld für eine Umsiedelung ausgesprochen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.01.2014
Carell-Domröse, Claudia

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