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Borna Probelauf bei Serbitz: Ist das Speicherbecken fit für die nächste Flut?
Region Borna Probelauf bei Serbitz: Ist das Speicherbecken fit für die nächste Flut?
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Viele Wasservögel sammeln sich auf dem immer mehr mit Wasser gefüllten Speicher bei Regis. Nach dem Probestau wird er wieder trocken liegen. Quelle: Jens Paul Taubert
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Regis-Breitingen

Das Rückhaltebecken Regis-Serbitz gehört gemeinsam mit dem Speicher Borna (genannt Adria) zum Hochwasserrückhaltesystem im Süden von Leipzig, das in den 1960er Jahren infolge des Bergbaus angelegt wurde. Das Becken bei Regis ist ein so genanntes grünes Speicherbecken, welches außerhalb von Hochwasserereignissen landwirtschaftlich genutzt wird. Derzeit lässt die Landestalsperrenverwaltung Sachsen mit ihrem Röthaer Betrieb Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster den Speicher kontrolliert volllaufen. Der Grund dafür ist eine Untersuchung der insgesamt rund sechs Kilometer langen Dämme, die das Becken umgeben, auf deren Standfestigkeit.

Die Ursachen für den jetzigen Vorgang reichen 13 Jahre zurück, bis zum Hochwasser von 2002. Damals, sagt Axel Bobbe, Betriebsleiter in Rötha, habe es während des Einstaus "kritische Situationen" bei der Standsicherheit gegeben. Messungen hätten daraufhin ans Licht gebracht, dass die Dämme auf etwa zwei Dritteln ihrer Länge Probleme aufwiesen. Weil die Grenze zwischen Thüringen und Sachsen durch das Becken verläuft, war das gleich für zwei Bundesländer ein Problem. Beide Aufsichtsbehörden, das Landesverwaltungsamt Thüringen und das sächsische Regierungspräsidium in Leipzig (heute Landesdirektion), forderten eine sofortige Instandsetzung.

Bis 2010 investierte die Landestalsperrenverwaltung mit viel Aufwand in neue Abdichtungen und ließ auf Regiser Seite bis zu 22 Meter tiefe Wände einziehen. Den Baumaßnahmen muss sich nun ein so genannter Probestau anschließen, für den genaue Regeln gelten. In Phase eins muss ein bestimmter Wasserstand, der bei drei Vierteln der vorgesehenen Füllmenge liegt, über zwei Wochen hinweg gehalten werden. Für Phase zwei muss der Wasserstand nochmals um einen Meter angehoben werden. Dabei unterliegt die komplette Anlage einem detaillierten Messprogramm. Gestaut werden kann aber nur ab dem frühen Herbst, wenn die Felder abgeerntet sind und das lange stehende Wasser nicht mehr zu viel Schaden an der Vegetation anrichtet. Ein erster Versuch, den Speicher zu füllen, scheiterte 2010, weil die Pleiße zu wenig Wasser führte. Drei Jahre später ließ das nächste Jahrhunderthochwasser das Becken volllaufen. Als Probestau konnte das nicht genutzt werden, erklärt Bobbe, weil der Speicher wegen der Wassermassen nur als Durchlauf genutzt wurde und das Wasser nicht lange genug stand.

"Diesmal werden wir es schaffen", ist Bobbe zuversichtlich. Seit dem 1. September wird gestaut. Zurzeit läuft je Sekunde ein halber bis ein Kubikmeter Wasser in das Becken. Ein guter halber Meter fehlt noch an der Füllhöhe für die erste Phase. Bobbe: "Ohne Regen dauert das noch einige Wochen, wenn es regnet, ist es auch in einer Woche zu machen."

Bisher, und das ist auf jeden Fall die gute Nachricht, liegen alle Messergebnisse im grünen Bereich, ist Bobbe zufrieden. Wenn alles vorbei ist, muss das Wasser langsam abgelassen werden, damit die feuchten Dämme keinen Schaden nehmen, erklärt der Betriebsleiter. Zwei Wochen werde das ungefähr dauern.

André Neumann

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