Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Projekt in Borna: Ehemalige Bergleute berichten von ihren Erfahrungen
Region Borna Projekt in Borna: Ehemalige Bergleute berichten von ihren Erfahrungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 05.03.2018
Dokumentiert die Erinnerungen ehemaliger Bergleute: Museologin Ariane Zabel. Quelle: Nikos Natsidis
Anzeige
Borna

Es handelt sich um ein Projekt, das keineswegs zu früh kommt. Seit September aber läuft jetzt ein Zeitzeugen-Projekt, in dem einstige Mitarbeiter aus dem Bergbau, aber auch aus der Chemieindustrie und dem Energiesektor in und um Borna im Auftrag des Fördervereins zum Aufbau des Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland (DokMitt) befragt werden. Dabei geht es darum, vor allem die Jahre des Wandels, also die Zeit zwischen 1989 und Mitte der 90er-Jahre zu beleuchten. Das erfolgt mit einer vergleichsweise jungen wissenschaftlichen Methode – der Oral History.

Zeitzeugen erzählen vor der Kamera

Was konkret bedeutet, dass die Zeitzeugen nicht nur zu Wort kommen, sondern vor allem lange und ohne allzu viele Unterbrechungen reden können. Vor einer kleinen Kamera, mit der die persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen festgehalten werden, sagt Ariane Zabel, die die Befragungen durchführt und auswertet. Ihre Mitstreiterin Ines Rost bearbeitet die Ergebnisse der Gespräche dann. Es handle sich bei Oral History um „narrative Interviews“, auf gut deutsch um die Erzählungen von Zeitzeugen. Von Menschen, die durchaus recht unterschiedliche Erfahrungen mit dem selben Gegenstand gemacht haben können. Etwa, wenn es um den Abschied vom Arbeitsplatz oder um Unfälle auf der Arbeit geht.

„Es gibt Leute, die erzählen, dass sie unzufrieden mit ihrer Rente sind“, sagt Ariane Zabel. Oder die berichten, wie es sich angefühlt hat, von einem Tag zum anderen in die Frührente zu gehen. Auf der anderen Seite finden sich ehemalige Bergleute, die stolz sind auf den Wandel der vormaligen Bergbaulandschaft hin zum heutigen Neuseenland, den sie selbst mitgestaltet haben. Vor allem, sagt die studierte Museologin, „geht es um den Status als Bergmann“. Womit allerdings mehr gemeint ist als der Spruch „Ich bin Bergmann, wer ist mehr“, den in und um Borna wohl zumindest jeder kennt, der 40 Jahre und älter ist. Bergmann (gewesen zu) sein, „das war für viele Leute harte Arbeit“. Und auch ein gewisses Bewusstsein, durch die eigene Arbeit dafür zu sorgen, dass niemand frieren oder, Stichwort Braunkohleverstromung, im Finstern sitzen musste.

Bisher 13 Leute interviewt

„Es ging vielen darum, gebraucht zu werden“, sagt Ariane Zabel, und es leuchtet ein, was es für den einzelnen bedeutet haben muss, wenn er plötzlich in den 90er-Jahren nicht mehr gebraucht wurde. Was der Wissenschaftlerin außerdem aufgefallen ist: die Unsicherheit, unter der viele Leute, die zu den einstmals 60 000 Beschäftigen im Bergbau- und Energiesektor in Mitteldeutschland gehörten, nach Wende und Wiedervereinigung zu leiden hatten. Ariane Zabel: „Weil sie nicht wussten, ob es für sie weitergeht“ – Erinnerungen, die nicht nur aus dem überschaubaren Bornaer Blickwinkel bewahrt werden müssen. Bisher hat Ariane Zabel 13 Leute interviewt. Ursprünglich war vorgesehen, dass aus den drei Industriezweigen Bergbau, Energie und Chemie jeweils 20 Zeitzeugen vor der Kamera erzählen sollten. Mittlerweile ist der Wissenschaftlerin klar, dass es gut und gern doppelt oder auch dreimal so viele werden könnten. In welcher Form genau die Ergebnisse der Befragungen dann aufbereitet werden, ist derzeit noch offen. Fest steht aber, dass die Interviews, für deren Durchführung es Fördergelder aus der Kasse des Freistaates Sachsen gibt, bis zum Jahr 2020 durchgeführt werden sollen.

Zeitzeugen, die sich befragen lassen wollen, melden sich bei Ines Rost (Telefon 0152/57458721 oder ines.rost@dokmitt.de) beziehungsweise Ariane Zabel (0177/7559577 oder ariane.zabel@dokmitt.de).

Von Nikos Natsidis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Sachen Bewegung gleicht der Landkreis Leipzig zum Jahresanfang einem Ameisenhaufen: überall wird gelaufen, gewalkt, getrimmt, Rad gefahren und gewuselt wie noch nie. Für die Fitnessstudios und Sportvereine ist der Januar ein wahrer Wonnemonat. Statt Plätzchen- und Stollenrezepten werden jetzt Rezepte zum Abnehmen ausgetauscht.

10.01.2018

Wie oft es auf den Straßen der Region kracht, wie viele Autodiebstähle sich ereignen – das spiegelt sich in den Zahlen der Versicherer wieder. Für den Landkreis Leipzig gibt es dabei im Vergleich zum Vorjahr keine Änderungen. Die Schadensklassen und damit die Beiträge bleiben weiter niedrig.

10.01.2018

Wie auf Kohlen sitzen die Grundstückseigentümer im Sanierungsgebiet „Alt-Breitingen“. Seit zwei Monaten warten sie nun schon auf Post aus dem Regiser Rathaus. Auch wenn sie die eigentlich gar nicht haben wollen, weil es um zu zahlende Ausgleichsbeträge geht. Ihr Aktionsbündnis will der Stadt einen neuen Vorschlag unterbreiten.

10.01.2018
Anzeige