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Borna Prozess: Eifersuchtstat im Bornaer Asylheim kündigte sich an
Region Borna Prozess: Eifersuchtstat im Bornaer Asylheim kündigte sich an
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18:18 28.09.2018
Angeklagter Ghassan T. saß, wie auf dem Bild zum Prozessauftakt, auch während des zweiten Gerichtstags neben seinem Verteidiger Stefan Wirth (li.) und einem Übersetzer. Quelle: Andre Kempner
Borna

Auf dem Video wirken sie glücklich. Ghassan T. sitzt in seinem Rollstuhl, hinter seinem Rücken hat er einen Strauß Rosen versteckt. Als er die Blumen seiner 24-jährigen Frau Nahrene übergibt, lacht und weint sie gleichzeitig, sie küsst seine Hand. Das Paar umarmt sich, eine Stimme im Hintergrund wünscht ihnen Glück. Es ist der 19. Dezember 2017.

Der Angeklagte weint und hält sich die Ohren zu

Als Monate später die Bilderfolge im Saal 115 des Landgerichts in Leipzig vorgeführt wird, ist alles anders. Es ist der 28. September, der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Ghassan T., der neben seinem Anwalt sitzt und das Gesicht in die Hände stützt. Er weint. Die Ohren hält er bedeckt, als wolle er die fröhlichen Stimmen ausschließen. Dem 33-jährigen Syrer wird vorgeworfen, seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in einer Asylunterkunft in Borna aus Eifersucht erstochen zu haben. Die Tat hat er bereits gestanden.

Zeugin: Häufig Streit zwischen den Eheleuten

Die Beziehung zwischen den Eheleuten habe sich über die Zeit verschlechtert, gibt eine Zeugin an, die in der Asylunterkunft in der selben Wohnung wie Familie T. gelebt hat. Es habe oft Diskussionen und Streitigkeiten gegeben, in der letzten Zeit habe Nahrene sehr traurig gewirkt, habe abgenommen. Ob sie versucht habe, mit der jungen Frau ins Gespräch zu kommen, fragt der vorsitzende Richter Hans Jagenlauf. Die Zeugin wiegelt ab. Der Kontakt sei durch die Sprachbarriere und kulturelle Unterschiede sehr schwierig gewesen.

Wachsende Eifersucht bei Ghassan T.

Die wachsende Eifersucht des Ghassan T. will sie dagegen bemerkt haben. Grund dafür sei ein gemeinsamer Bekannter gewesen, der sich deutlich für Naharene interessierte. „Da war irgendwas im Gange, aber man konnte es nicht mit Händen greifen“, lässt die spanischsprachige Frau übersetzen. Einmal, als sie von einer Schulung nach Hause kam, waren alle Messer verschwunden. Naharene habe sie versteckt, nachdem ihr Ehemann ihr gedroht haben soll, sie zu töten.

Überwachungssoftware auf dem Handy

Auf dem Mobiltelefon des Angeklagten und seiner Familie findet die Polizei später eine Überwachungssoftware, über die Dritte auf Chats, Bilder und Kamera zugreifen können, ohne dass der eigentliche Nutzer es merkt. Dass Ghassan T. die App installiert hat, ist möglich, lässt sich aber nicht ganz klar sagen. Zum Zeitpunkt der Tat gab es jedoch schon länger keine Datenübertragung mehr.

Zeugin hat einen Schrei gehört

Am 4. Februar 2018 eskaliert dann die gespannte Lage in der Wohnung. Sie habe mitbekommen, wie Ghassan T. sich von einer Nachbarin ein Messer geliehen habe, sagt die Zeugin. Danach habe sie ein schlechtes Gefühl gehabt. Nachdem T. beim gemeinsamen Rauchen sehr nervös wirkt, schließt sie sich in ihrem Zimmer ein, bis sie einen Schrei hört. Sie läuft auf den Flur und sieht T. mit dem Rollstuhl aus dem Zimmer kommen, in einer Hand ein blutiges Messer. Er habe geweint, sagt sie. Im Raum des Ehepaars findet sie die junge Frau blutend auf dem Boden, auch die drei und zwei Jahre alten Kinder sind dort.

„Ich habe es getan“, soll Ghassan T. gesagt haben

Als die Polizei in der Asylunterkunft eintrifft, sitzt Ghassan T. vor seinem Rollstuhl vor dem Haus. Er wirkt verzweifelt, aufgelöst und ruft nach seiner Frau und seinen Kindern, so beschreiben es zwei Polizeibeamte vor Gericht. „Ich habe es getan“, soll er später gesagt haben. Sie nehmen den 33-jährigen in Gewahrsam, ein Alkoholtest fällt negativ aus. Nahrene wird von Rettungssanitätern und einem Polizisten betreut, sie stirbt später im Krankenhaus.

Prozess geht Anfang Oktober weiter

Der Prozess wird am 4. Oktober im Landgericht fortgesetzt. Mindestens fünf Verhandlungstage stehen noch an. Unter anderem gilt es, den psychischen Zustand von Ghassan T. einzuschätzen. Ein Urteil wird für Ende November erwartet.

Von Hanna Gerwig

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