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Prozess zu Bad Lausicker Bahnunglück endet mit Geldstrafe

Prozess zu Bad Lausicker Bahnunglück endet mit Geldstrafe

150 Tagessätze zu 15 Euro: Mit diesem Urteil setzte das Amtsgericht Grimma am Donnerstag Nachmittag den vorläufigen juristischen Schlusspunkt unter die Aufarbeitung des schweren Bahnunglücks vom September 2011 nahe Lauterbach.

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Das Medieninteresse war erheblich.

Quelle: Klaus Peschel

Wurzen/Lauterbach. Richter Götz-Karsten Weimann verurteilte einen 30-jährigen Mediengestalter aus Mittelsachsen. Der hatte aus Unachtsamkeit einen Auffahrunfall verursacht, der in einer Kettenreaktion einen Regionalexpress entgleisen ließ. 23 Menschen wurden verletzt. Der Sachschaden beziffert sich auf 4,5 Millionen Euro.

„Ich möchte mich bei allen Geschädigten und allen, die im Zug saßen, aus tiefstem Herzen entschuldigen für das Leid." Als Thomas K. gestern Nachmittag im Saal der Grimmaer Amtsgerichts-Außenstelle Wurzen – einem ehemaligen Bahnhof – diesen Satz sagte, war nur das Geräusch der Schreibgeräte auf dem Papier zu hören. Der Prozess gegen den Mann, der in einem zur Stadt Leisnig gehörenden Dorf lebt, sorgte für ein großes Medieninteresse: Vier Kamerateams und zahlreiche Journalisten waren gekommen. Das Verfahren verlief konzentriert und brauchte weniger als eine Stunde bis zur Verkündung eines Urteils.

Der Angeklagte, den das Unfallgeschehen bis heute spürbar mitnahm, war geständig, die Aktenlage klar. Von einer „momentanen Unaufmerksamkeit" des Mannes hinter dem Steuer eines Mercedes-Transporters sprach Staatsanwältin Romy Neugebauer. Thomas K. habe am Lauterbacher Bahnübergang mit seinem Wagen bei Tempo 35 einen stehenden Ford Fiesta auf die Gleise geschoben. Geistesgegenwärtig habe er danach versucht, den im Ford Eingeschlossenen, einen 64-Jährigen aus Bad Lausick, herauszuholen und in Sicherheit zu bringen. Mit Helfern habe der Angeklagte noch versucht, den Ford von den Gleisen zu schieben, als der Regionalexpress in Richtung Leipzig förmlich einschlug und den PKW mitriss. Ein Waggon des viergliedrigen Zuges stürzte eine Böschung herab. 22 der 68 Reisenden plus Lokführer wurden verletzt, fünf schwer; eine Frau schwebte kurzzeitig in Lebensgefahr.

An die Sekunden vor dem Unfall habe er keine Erinnerung, sagte der selbstständige Mediengestalter. „Ich hatte keinen Zeitdruck, keinen Stress." Thomas K. zeigte sich schockiert über die Tragweite dessen, für das er die Ursache gegeben hatte. „Ich danke den Rettungskräften, die sehr schnell vor Ort waren und eine erstklassige Arbeit leisteten." Zwei Tage nach dem Unglück hatte er sich im Krankenhaus in Grimma nach dem Gesundheitszustand einiger Verletzter erkundigt.

„Es steht außer Frage, dass der Angeklagte nicht vorsätzlich handelte", so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Thomas K., der weder vorbestraft noch im Bundeszentralregister vermerkt sei, habe sich beherzt um eine Milderung der Unfallfolgen bemüht. Andererseits seien Personen- und Sachschäden enorm. Neugebauer forderte keine Haftstrafe, aber 180 Tagessätze zu 15 Euro.

„Jeder hätte diesen Unfall verursachen können", meinte Verteidiger Stefan Günther. Er halte deshalb 90 Tagessätze für angemessen.

Richter Götz-Karsten Richter verschloss sich dem nicht ganz. Er sprach von einer „banalen Unaufmerksamkeit" mit allerdings „gewaltigen" Tatfolgen. Er entschied auf 150 Tagessätze. Damit gilt der Leisniger als vorbestraft. Das Urteil tritt binnen einer Woche, wenn keine Seite Rechtsmittel einlegt. Im Gerichtssaal saß Gerald Pfau. Der Otterwischer stand mit seinem PKW damals am Übergang und hatte das dramatische Geschehen unmittelbar verfolgt. Das Urteil, sagte er, gehe in Ordnung: „Ich denke, es ist vernünftig und angemessen."

Ekkehard Schulreich

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