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Ramsdorf: Lothar Senfs Meisterstück steht seit sechs Jahrzehnten in der Stube

Goldener Meisterbrief Ramsdorf: Lothar Senfs Meisterstück steht seit sechs Jahrzehnten in der Stube

Sein Meisterstück steht noch in der Stube, doch die eigene Tischlerei betritt Lothar Senf (81) in Ramsdorf seit Jahren nicht mehr. Die Ehrung mit dem Goldenen Meisterbrief weckt Erinnerungen an ein Handwerkerleben. Bald 61 Jahre ist es nun her, als er 1955 die Prüfung zum Tischlermeister erfolgreich abschloss. Zufällig war das genau an seinem 21. Geburtstag.

Tischlermeister Lothar Senf vor dem Stubenbuffet, das er vor über sechzig Jahren gebaut hat.

Quelle: Andreas Döring

Regis-Breitingen/Ramsdorf. Sein Meisterstück steht noch immer im Wohnzimmer. Bald 61 Jahre ist es nun her, als der Ramsdorfer Lothar Senf (81) am 14. Mai 1955 die Prüfung zum Tischlermeister erfolgreich abschloss. Zufällig war das genau an seinem 21. Geburtstag. Das Stubenbuffet mit geschwungenen seitlichen Türen und aus vier Holzarten – Nussbaum, schweizer Birne, Eiche und Ahorn – hatte die Prüfer überzeugt. Später baute er noch fünf Stück davon, die er im Ort verkaufte. Ein solches Möbel, das vor sechs Jahrzehnten die damals stolze Summe von 800 bis 900 Mark kostete, stand gleich im Haus gegenüber.

Kürzlich ist Lothar Senf eine späte Ehre zuteil geworden: Er erhielt von der Handwerkskammer zu Leipzig den Goldenen Meisterbrief, den Meister aller Zünfte nach fünfzig Jahren bekommen können. Für den Ramsdorfer schwingt in der Ehrung auch etwas Wehmut mit. Denn mit ihm geht die Geschichte einer Tischlerei zu Ende, die immerhin über drei Generationen hinweg Bestand hatte. Hinzu kommt, dass er seit einem Gehirnbluten vor sieben Jahren gesundheitlich so stark angeschlagen ist, dass er die Stufen in den Hof und den Weg hinüber zur Werkstatt nicht mehr schafft. Er hat sie seit Jahren nicht mehr von innen gesehen und eigentlich will er es wohl auch gar nicht mehr, zu viele Erinnerungen hängen daran.

Eröffnet hatte den Betrieb, der immer nur eine Ein-Mann-Tischlerei gewesen sei, sein Großvater. Der Vater, der 1978 starb, führte ihn weiter, dann übernahm er selbst. Seine Sporen als Tischler hatte sich Lothar Senf in Regis-Breitingen verdient. Von seinem dortigen Meister Erwin Zetzsche schwärmt er noch heute in den höchsten Tönen, mit dessen Sohn Horst Zetzsche, mit dem er viel Zeit verbracht hatte, war er gemeinsam nach Leipzig zur Meisterprüfung gefahren. „Der ist schon gestorben“, sagt er mit brüchiger Stimme.

Aus den ersten Jahren als Geselle in der Regiser Tischlerei ist ihm in Erinnerung, dass er viele Wege über Land zu Fuß mit einem Handwagen zurücklegen musste. „Wir haben Türen und Fenster gebaut und auch Möbel. Die wurden mit dem Handwagen von Regis nach Borna gebracht.“

Später in der eigenen Tischlerei baute er so ziemlich alles, was im Haus aus Holz sein kann: Küchen, Wohnzimmer und Schlafzimmer, Haustüren und natürlich Fenster. Die eigene Haustür ist noch aus eigener Produktion. Ob im Ort irgendwo noch eine existiert aus seiner Werkstatt, weiß er nicht. Vieles ist der Modernisierung zum Opfer gefallen. Zum Beispiel seine Fenster aus Lärchenholz im Schloss, die bei der Sanierung in den achtziger Jahren eingebaut wurden und die mittlerweile schon wieder ersetzt worden seien, wie er bedauert. Auch im Kirchgemeindehaus hatte er Kastenfenster eingebaut.

Mit der Wende kam auch Lothar Senf als Unternehmer nicht darum herum, den Kunden bestellte und in einer Fabrik gebaute Fenster einzubauen. Selbst in der eigenen Küche gibt es mittlerweile eins – aber auch noch ein gutes altes hölzernes Kastenfenster.

Heute würde Lothar Senf, überlegt er, nicht noch mal als privater Tischler arbeiten wollen. „Ich weiß gar nicht, ob es den typischen Tischler heute noch gibt“ sagt er und streicht fast liebevoll mit der Hand über sein Stubenbuffet.

Von André Neumann

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