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Ramsdorf: Totengedenken auf Präsentierteller

Ramsdorf: Totengedenken auf Präsentierteller

Auftrag ausgeführt. Ganze Arbeit haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofes im Ortsteil Ramsdorf geleistet. Dort galt es, die Hecke um den kommunalen Friedhof zu kürzen.

Ramsdorf. Was davon übrig geblieben ist, versetzt zumindest einzelne Grabstättennutzer in Aufregung. Der Sicht- und Lärmschutz um den Ramsdorfer Gottesacker ist von knapp zwei Metern auf 20 Zentimeter gekürzt worden. Das Totengedenken ist jetzt nur noch auf dem Präsentierteller möglich. Die Stadtverwaltung hat Erklärungen.

Ramona Pechs verstorbene Mutter hat ihre letzte Ruhe in der ersten Reihe des Ramsdorfer Friedhofs gefunden. Zur Hauptstraße ist es nur ein Steinwurf. Wo vor einer Woche noch eine gut gewachsene Hecke vor Blicken und Straßenlärm schützte sowie die Privatsphäre bot, die für einen Friedhof gewöhnlich ist, stehen heute nur wenige Zentimeter hohe Heckenreste. „Ich dachte, ich seh‘ nicht richtig. Alles weg, bis auf die Stümpfe." Ramona Pech bebt heute noch vor regelrechter Aufregung.

„Wir sehen das jetzt ehrlich gesagt nicht als Problem", sagte Bauhofleiter Martin Pohlers zum Radikalschnitt am Gottesacker. Die Pflegemaßnahme sei notwendig gewesen, weil das breit gewachsene Geäst der Ligusterhecke „eine Pflege kaum mehr möglich machte. Unter der Hecke sammelten sich immer mehr Flaschen, Laub und anderer Müll, den man nicht mehr beseitigen konnte. Es ist jetzt sicher etwas ungewohnt, aber in ein zwei Jahren ist das wieder verwachsen", versicherte Pohlers. Gleichwohl der Bauhofleiter ankündigte, dass der Pflegeschnitt auch deswegen gemacht wurde, weil „an den lückenhaften Stellen der Hecke neue Anpflanzungen für ein besseres Gesamtbild sorgen sollen". Außerdem, so Pohlers, hätten seine Männer durchaus zustimmende Reaktionen erhalten: „Viele meinten, dass es Zeit würde, dass dort mal aufgeräumt wird."

Ramona Pech hätte auf diesen Pflegeeinsatz gern verzichtet. Überall gebe es hohe Zäune oder Mauern - „bei uns schneiden sie alles weg. Ich sehe nicht nur die Totenruhe gefährdet. Es ist nun auch kaum mehr möglich, irgendwelche Gestecke oder Lichter an die Gräber zu stellen. Die sind doch sofort weg, weil jeder auf den Friedhof kann. Ich kenne auch viele, die gern länger an den Gräbern ihrer Angehörigen sitzen und sich ungestört und in Ruhe erinnern möchten..." Vor sechs, sieben Jahren seien die Ramsdorfer schon einmal vom Kettensägeneinsatz an der Friedhofshecke überrascht worden. „Da haben sich auch erst viele aufgeregt - später fanden es alle gut, dass wir das gemacht haben", verteidigte auch Bürgermeister Kratzsch den Pflegeeinsatz.

Etwas skurril wirkt jetzt allerdings das Eingangstor mit den angeschlagenen Öffnungszeiten zum Friedhof. Rechts und links davon herrscht freier Zutritt.

Thomas Lieb

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