Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Reaktionen zum Wahlausgang im Kreis Leipzig: Troost fliegt aus Bundestag – AfD-Mann drin

Der Tag danach Reaktionen zum Wahlausgang im Kreis Leipzig: Troost fliegt aus Bundestag – AfD-Mann drin

Die Demokraten im Landkreis Leipzig sind durch die Bank weg enttäuscht und überrascht vom Wahlergebnis. Von Grimma bis Borna sieht man in der Politik der Berliner Regierung die Ursache für das Abschneiden der AfD. Die entsendet jetzt auch einen Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Leipzig-Land.

Sechs Personen hatten sich am 24. September im Wahlkreis 154 um ein Bundestagsmandat beworben.
 

Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig.  Das Entsetzen über den Rechtsruck, der sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag verbindet, hat die Freude von Katharina Landgraf über ihren Wiedereinzug deutlich getrübt. „Ich habe das Ergebnis noch nicht verdaut“, erklärte die CDU-Direktkandidatin am Tag nach der Wahl. „Dass die AfD vor allem in vielen Dörfern gepunktet hat, macht mich traurig, zumal ich selbst ein Dorfkind bin“, erklärte die Pegauerin, deren Sieg im Wahlkreis 154 Leipzig-Land knapper als gedacht ausfiel. Landgraf büßte gegenüber 2013 über 17 Prozent ein.

Katharina Landgraf (CDU)

Katharina Landgraf (CDU)

Quelle: André Kempner

"Mir war schon klar, dass ich das Ergebnis der letzten Wahl nicht erreiche“, bekannte sie. Darauf hätten alle Umfragen hingedeutet. Dass die CDU aber in etlichen Kommunen noch hinter der AfD landet, habe sie sich so nicht träumen lassen. „Das Ergebnis muss Ansporn für uns alle sein, etwas anders zu machen.“ Vor allem der ländliche Raum fühle sich offenbar abgehängt, versuchte sich Landgraf in ersten Deutungen. „Und die Bürger haben offenbar den Eindruck, dass ihre Sorgen und Nöte nicht ernst genommen werden.“ Das Abwatschen der CDU müsse vor diesem Hintergrund als Handlungsauftrag verstanden werden. „Ich bin ambitioniert und werde alles dafür tun, dass wir uns den Problemen der Bürger weiter zuwenden.“

Erststimmenverteilung im Landkreis Leipzig nach Gemeinden (vorläufiges Ergebnis):

Zweitstimmenverteilung im Landkreis Leipzig nach Gemeinden (vorläufiges Ergebnis):

Lars Herrmann wechselt von der Polizei in die Politik

Der Gewinner des Urnengangs heißt Lars Herrmann. Der AfD-Kandidat kam am Wahlabend aus dem Staunen nicht mehr raus. Jeder Dritte im Landkreis wählte die Alternative für Deutschland – in Städten wie Grimma und Brandis reichte es sogar dafür, der CDU den ersten Platz abzujagen. Mit 28,7 Prozent holte der AfD-Mann sogar noch mehr Stimmen als seine Mitbewerber von Linken und SPD zusammen.

Lars Herrmann (AfD)

Lars Herrmann (AfD)

Quelle: Thomas Kube

„Das Ergebnis zeigt deutlich: Die Bürger fühlen sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten. Die CDU hat in jüngster Vergangenheit die bürgerliche Mitte vernachlässigt und die Wähler so in Scharen zu uns getrieben“, erklärte sich der Parthensteiner seinen Wahlerfolg. Dass aus dem Bundespolizisten jetzt ein Berufspolitiker wird, hat Hermann dem guten Abschneiden der AfD in ganz Sachsen zu verdanken.

Obwohl nur auf Listenplatz 10, reicht diese Position aus, um künftig in Berlin mitzumischen. Hermann glaubt, dass das Ergebnis ohne die jüngsten Äußerungen Alexander Gaulands – zum Beispiel zur „Entsorgung“ von Staatsministerin Aydan Özoguzder – sogar noch höher ausgefallen wäre. „Wir kämpfen als AfD auch um die Mitte, nicht nur um die Ränder“, wünschte er sich von einem Spitzenpolitiker seiner Partei mitunter gemäßigtere Töne.

Gaulands Äußerungen hätten bürgerliche Wähler auf den letzten Metern sogar noch verschreckt, meinte Herrmann. Am Montag erledigte der Klingaer erst einmal Organisatorisches. Statt seine Nachtschicht auf dem Leipziger Hauptbahnhof anzutreten, meldete sich Herrmann ordnungsgemäß bei seinem Vorgesetzten ab. Am Dienstag winken erste Verpflichtungen an der Spree. „Zur ersten Sitzung der AfD-Fraktion bin ich als neu gewählter Abgeordneter natürlich eingeladen.“

Linker Axel Troost scheidet aus dem Bundestag aus

Für den bisherigen Linken-Bundestagsabgeordneten Axel Troost hat es nicht gereicht. Als Sechster auf der sächsischen Landesliste hat er den Einzug in den Bundestag knapp verfehlt. Sehr überrascht zeigte sich der 63-Jährige, der seit zwölf Jahren im Bundestags saß, am Montag allerdings nicht.

Axel Troost (Die Linke)

Axel Troost (Die Linke)

Quelle: Andreas Döring

„Ich habe nie zu denen gehört, die das ausgeschlossen haben“, erklärte Troost mit Blick auf seinen Mandatsverlust. Er werde weiterhin stellvertretender Bundesparteivorsitzender bleiben und damit auch weiter politisch wirken. „Ich war ja immer Fachpolitiker.“ Troost will seinen Wohnsitz in Leipzig behalten und auch die Verbindungen in seinen bisherigen Wahlkreis nicht kappen. „Immerhin kann ich sagen, dass ich zwölf Jahre lang wirklich gestalten konnte.“

Große Enttäuschung bei Sozialdemokrat Markus Bergforth

Die SPD hat ebenso wenig Grund zur Freude. Die Sozialdemokraten, die in Sachsen traditionell einen schweren Stand haben, landeten im Wahlkreis auf Platz 4 der Wählergunst. „Das Ergebnis ist für beide Volksparteien ohne Zweifel eine große Enttäuschung“, bilanzierte SPD-Direktkandidat Markus Bergforth. Ganz offensichtlich sei es der SPD gerade auch in Sachsen nicht gelungen, die Menschen mit ihren Konzepten zu erreichen. Dennoch müsse man sich den Herausforderungen stellen und dabei der Verlockung widerstehen, einfache Antworten zu geben.

Markus Bergforth (SPD)

Markus Bergforth (SPD)

Quelle: Nikos Natsidis

„Rückwärtsgewandtheit, Protest oder gar Rassismus führen in die Sackgasse, wenn nicht gar in die Katastrophe“ warnte der Brandiser. „Als Sozialdemokraten haben wir aus meiner Sicht zwar auf die richtigen Themen gesetzt, aber es fehlt der große, nach vorne gerichtete, glaubwürdige Entwurf. Darauf müssen wir uns besinnen, das ist unser Auftrag. Und diese Arbeit beginnt für jeden vor Ort und das bereits heute.“

Gemischte Gefühle beim Grünen Gerd Lippold

Mit gemischten Gefühlen bewertete Gerd Lippold den Wahlausgang. „Insbesondere das AfD-Ergebnis lässt mich ratlos zurück.“ Nur ein kleiner Trost sei angesichts der bundespolitischen Verwerfungen, dass die Grünen im Landkreis ihr Ergebnis sogar leicht verbessern konnten. „Im Gegensatz zum Sachsentrend haben wir sowohl bei Erst- als auch Zweitstimmen dazu gewonnen“, gab Lippold für Freunde der Statistik zu Protokoll. Die hohe Wahlbeteiligung habe diesen Zuwachs aber wieder relativiert.

Gerd Lippold (Bündnis90/Die Grünen)

Gerd Lippold (Bündnis90/Die Grünen)

Quelle: Andre Kempner

Als möglicher Regierungspartner komme auf die Grünen jetzt natürlich eine gewaltige Verantwortung zu. Lippold, im Landtag Sprecher seiner Fraktion für Energie und Klimapolitik, wolle versuchen, seine Expertise in etwaige Gespräche zur Regierungsbildung einzubringen. Ob es zur Jamaika-Koalition kommt, ist in den Augen des Physikers aber noch offen. „Darüber wird sicher eine Mitgliederversammlung entscheiden müssen.“

FDP-Frau Tavernaro favorisiert Minderheitenregierung der CDU

Mit dem Gedanken, dass sich ihre Partei in Regierungsverantwortung wiederfindet, muss sich FDP-Frau Katja Tavernaro erst noch anfreunden. In ihren Augen wäre es gar nicht das Schlechteste, wenn Angela Merkel eine Minderheitenregierung bilden müsste, gab die Colditzerin zu verstehen. „Dann müsste die Kanzlerin mit Argumenten um Mehrheiten werben und es würde inhaltlich diskutiert“, konnte Tavernaro diesem Modell durchaus etwas abgewinnen.

Katja Tavernaro (FDP)

Katja Tavernaro (FDP)

Quelle: Jörg ter Vehn

Am Tag nach der Wahl überwog bei der Liberalen aber erst einmal die Freude über das gute Ergebnis. „Mit meinem Abschneiden und dem der FDP insgesamt bin ich sehr zufrieden.“ Bei den Erststimmen ging es für die Liberalen immerhin von zuletzt unterirdischen 1,9 auf 6,3 Prozent deutlich nach oben.

Landrat Henry Graichen erlebt eine dramatische Enttäuschung

„Ein ,Weiter so‘ ist nicht gewollt“, entnimmt Landrat Henry Graichen (CDU) dem Wahlausgang. „Aus CDU-Sicht ist das Ergebnis eine dramatische Enttäuschung.“ Themen wie innere Sicherheit und die Flüchtlingspolitik hätten dabei eine Rolle gespielt. „In diesen, aber auch anderen Fragen gibt es offenbar ein großes Protestpotenzial im Land.“ Das Signal, das die Bürger mit dem immensen Zulauf zur AfD senden wollten, sei für seine Begriffe in Berlin aber noch nicht angekommen.

Henry Graichen

Henry Graichen

Quelle: André Kempner

„Zumindest ist das mein Eindruck nach den ersten Statements.“ In Graichens Augen müsse das Wahlergebnis als eindeutiges Abwatschen der Großen Koalition verstanden werden. „Das war eine deutliche Abwahl der Regierung. Sowohl CDU als auch SPD haben kräftig verloren.“ Für schwierig erachtet der Kreischef die künftige Regierungsarbeit. „Wer sich die Programme von CDU/CSU, FDP und Grünen anschaut, wird auf große Unterschiede stoßen. Der kleinste gemeinsame Nenner, den diese vier Parteien nun finden müssen, dürfte sehr klein werden.“

Für den ländlichen Raum, zeigte sich der Landrat überzeugt, müsse man als Kommunalpolitiker jetzt noch stärker als bislang die Stimme erheben. Denn, so Graichens Auffassung, Liberale und Grünen würden ihren Fokus eher auf das städtische Milieu legen und seien bisher noch nicht durch großartige Konzepte für ländliche Regionen aufgefallen.

Simone Luedtke rechnet mit Einzug der AfD in Stadtparlamente

Auch wenn die AfD in Borna bei den Erst- und Zweitstimmen 31 beziehungsweise 29,7 Prozent holte, „ist Borna überhaupt keine rechte Stadt“. Davon jedenfalls zeigte sich am Montag die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) überzeugt. Hauptursache für den hohen Stimmenanteil der AfD sei die Politik in Berlin, „und es wäre schön, wenn die CDU das auch so sehen würde“.

Simone Luedtke

Simone Luedtke

Quelle: Andreas Döring

Wahlentscheidend sei das Thema Asyl gewesen. Da reiche es nicht, „wenn die CDU sagt: Wir schaffen das“, so Luedtke weiter. Und weiter: „Die Kommunen bekommen kein Geld dafür, das kriegen die Leute mit.“ Die Bornaer Rathauschefin rechnet damit, dass es künftig auch AfD-Vertreter im Stadtrat geben wird.

Wurzens Stadtchef Röglin von der regionalen AfD-Stärke überrascht

Weswegen die AfD in Wurzen mit 35,4 Prozent bei den Erst- und Zweitstimmen sogar die CDU (30,7 Prozent) überflügelte, so Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD), sei eher eine Frage, auf die die Christdemokarten jetzt eine Antwort finden müssten. „Fakt ist jedoch, dass die AfD in ganz Sachsen einen sehr, sehr hohen Zuspruch erhalten hat. Jetzt müssen sie sich daran messen lassen, was von ihren Wahlversprechen umgesetzt wird. Sicherlich auch bei uns in den Städten und Gemeinden.“ Mit der Höhe des Wahlerfolges für die AfD hatte Röglin allerdings nicht gerechnet.

Jörg Röglin

Jörg Röglin

Quelle: Andreas Döring

„Ich habe die CDU deutlich stärker gesehen und war insofern schon überrascht, dass die AfD noch vor der CDU landete.“ Im Großen und Ganzen, fügte Wurzens Stadtchef an, sei das Ergebnis keineswegs Wurzen-spezifisch. Immerhin werde hier vor Ort von allen Parteien gute Arbeit geleistet. „Wenn ich mir Sachsen oder den Landkreis anschauen, stehen wir dort, wo sich letztlich alle anderen ebenfalls einreihen.“ Außerdem sei eine Bundestagswahl nun mal keine Kommunalwahl. Erst wenn die so ausginge, „sollten wir uns ernsthaft fragen, was wir falsch gemacht haben“.

Flächenkommune Grimma – Berger: „Ländlicher Raum fühlt sich im Stich gelassen“

In Grimma liegt die AfD mit 31,1 Prozent vier Prozentpunkte vor der CDU. Auch bei den Erststimmen landete AfD-Kandidat Lars Herrmann (34,1) vor der CDU-Frau Katharina Landgraf (31,1). Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) glaubt, dass das Abschneiden der Rechtspopulisten in seiner Stadt damit zusammen hängen könnte, weil Grimma eine Flächenkommune ist.

 

Matthias Berger (parteilos)

Matthias Berger (parteilos)

Quelle: Thomas Kube

„Der ländliche Raum fühlt sich im Stich gelassen“, so der Rathauschef. Die Politik finde nicht mehr die Antworten auf die einfachen Fragen der Menschen. Das Flüchtlingsthema sieht Berger hingegen nicht als Ursache für die vielen AfD-Stimmen in der Muldestadt. „Wir hatten nie Probleme“, er denke nicht, dass die Asylproblematik in Masse bei der Wahl in Grimma eingeflossen ist. Es seien vielmehr die alltäglichen Probleme, für die die Politik keine Lösungen anbiete. „Wir brauchen nicht ständig neue Gleichstellungsbeauftragte, sondern Lehrer und funktionierende Toiletten in der Schule“, so Berger.

Auch der mangelhafte Breitbandausbau auf dem Land ist für ihn ein Thema, das die Leute weg von den etablierten Parteien treibt. „Die Wähler wollten der Politik einen Warnschuss geben“, ist Grimmas Oberbürgermeister überzeugt. Denn Grimma sei sonst eher liberal. Dennoch ist Berger überrascht vom eindeutigen Wahlausgang in Grimma und erst recht in Sachsen. „Das hätte ich so nicht erwartet.“

Von Simone Prenzel, nn, kub, thl, fpr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr