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Borna Rebschnitt mit neuen Winzerfreunden in Pegau
Region Borna Rebschnitt mit neuen Winzerfreunden in Pegau
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00:28 01.03.2018
Udo Killmey (Mitte) zeigt im Pegauer Klostergarten, wie man Wein verschneidet. Quelle: Hans-Hermann Koch
Pegau

Dem Aufruf der Winzerfreunde Kerstin Schneiderheinze und Udo Killmey aus Böhlen zum Rebschnitt im Pegauer Klostergarten folgten am Sonnabend fast ein Dutzend Naturfreunde. Unter ihnen auch Kinder und Bürger, die sich informieren und bei kalten Minusgraden, aber blauem Himmel, an der frischen Luft nur mal ein bisschen zuschauen wollten.

Erfahrungen aus Groitzsch

Die Böhlener Winzerfreunde, die auch seit einigen Jahren den Weinberg in Groitzsch betreuen, erfuhren an einem Tag des offenen Denkmals vom Pegauer Weinhang – und nahmen gleich Kontakt mit Bürgermeister Frank Rösel auf, ob sie auch diesen betreuen könnten. Nach einem Ortstermin im vergangenen Jahr einigten sich Bürgermeister und Hobbywinzer schnell, es kam zur Schlüsselübergabe und Wochen später wurde in die drei verwilderten Rebenreihen wieder Ordnung gebracht.

Hobbywinzer verschneiden Wein im Klostergarten von Pegau. Quelle: Hans-Hermann Koch

Am Sonnabend stand nun der Rebschnitt an. Die zukünftigen Pegauer Klostergarten-Winzer Gisela Kotzulla, Bärbel Jäger, Manfred Jäger, Steffen Marinoff und Hendrik Brause erhielten eine Einweisung der beiden Autodidakten. Sie sind Mitglieder im Sächsischen Winzerverband und nehmen regelmäßig an Schulungen und Rebschnittseminaren teil. Der diesjährige Rebschnitt, die Formgebung, das Auslichten der teils über drei Meter langen Triebe dient der Lese im kommenden Jahr.

Waschbären stehlen die reifen Trauben

Die Hobbywinzer rechnen pro Rebstock mit 2,5 Kilogramm Trauben, was einer Ernte um die 100 Kilogramm entsprechen würde. Die Ernte an der Groitzscher Wiprechtsburg im vergangenen Jahr fiel mit etwa 30 Kilo recht bescheiden aus, da Waschbären, Stare und Spaziergänger sich der reifen Trauben bedienten.

Aber einige Hobbygärtner lieferten ihre Lese in der Stadtmühle ab und so kamen letztlich doch über 100 Kilogramm Trauben zur Verarbeitung. Was treibt die Helfer? Gisela Kotzulla vom Heimatverein sagte: „Ich habe selbst Trauben in meinen Garten und habe mich immer schon gefragt, wie und wann ich die richtig schneiden muss.“

Kerstin Schneiderheinze beschnitt die Stöcke, kürzte die Triebe und erklärte: „Etwa acht Knospen bleiben jetzt beim Erziehungsschnitt jeweils stehen. Beim Anschnitt sieht man an dem Grün, ob noch Leben im Trieb ist.“ Udo Killmey ergänzte: „Die Lage nach Süden ist natürlich optimal, der Schutz des Hanges vor der ehemaligen Stadtmauer und das vom Elstermühlgraben gespeiste Wasser des Klosterteiches ebenso.“

Ein Winzer würde seine Reben im Jahr 17 Mal sehen. Es gibt also noch einiges zu tun. Doch es lohne sich. Die ersten Weinlesen 2005 und 2006 durch das Pegauer Weinhaus Claus Genze brachten Oechslegrade zwischen 80 bis 100.

Historie zum Pegauer Klostergarten

– Südlich der Stadt hatte sich einst entlang der Stadtmauer eine Kette von Fischteichen des Pegauer Klosters dahingezogen. Diese waren noch bis ins vergangene Jahrhundert zur Karpfenzucht verwendet worden. Nachdem jene verlandet oder verfüllt worden waren, wurde der Teich im Klostergarten im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) 2001 neu angelegt. Der alte Wehrturm wurde in diesem Zusammenhang zum Teil restauriert.

– 2002 erfolgte in Anlehnung an die Klostertradition die Anlage eines Weinberges mit den Sorten Dornfelder, Regent und Chardonnay am sonnigen Südhang der ehemaligen Stadtmauer. 2005 und 2006 gab es dort die ersten Weinfeste.

– Mit der Tradition des Weinanbaus in Pegau hatten vor fast tausend Jahren die Benediktiner-Mönche des Sankt-Jakob-Klosters im Westen zwischen Bösau und Dobergast begonnen. Über den „Groitzscher Berg“ berichtet eine Chronik: „Nach dem Verfall der Gebäude auf dem Groitzscher Berg ging dieser 1562 an den Pegauer Bürgermeister Ambrosius Dobenecker über. Fortan in Privatbesitz wurde hier über 200 Jahre Obst und Wein angebaut.“

– Bei seinen Stadtführungen erzählte der Heimatforscher und ehemalige Museumsleiter Tylo Peter gern folgende Anekdote: „Ein Mönch, der des Fischessens am Freitag überdrüssig wurde, taufte bei nächster Gelegenheit ein Ferkelchen auf den Namen Karpfen. Als dies dann später für den Verzehr verarbeitet wurde, konnte der gottesfürchtige Mann in seiner Zelle vor seinem Herrn behaupten: ,Ja, heute habe ich ein Stück Karpfen gegessen.‘“ hhk

Bevor es ans Hexeln der Schnittabfälle ging, gab es eine Pause. Die Winzerfreunde dachten an das Wohl ihrer neuen Mannschaft und boten Glühwein und eine Weißweinverkostung des 2017er an. Auch der Verein für Heimatkunde zu Pegau spendierte dampfenden Glühwein und leckeren Rührkuchen. Danach ging es bis zum Mittag weiter.

Nächste Veranstaltung im Klostergarten: 12. Bildhauerpleinair vom 26. Mai bis 9. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr.

Von Hans-Hermann Koch

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