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Rechtsmotivierte Angriffe nehmen zu

Rechtsmotivierte Angriffe nehmen zu

Der Landkreis Leipzig ist in Sachsen Spitzenreiter bei rechtsmotivierten und rassistischen Angriffe. Das geht aus der Statistik der Opferberatung des Freistaates für das Jahr 2012 hervor.

Borna/Leipzig. Von den 17 hier registrierten Angriffen seien 23 Personen direkt und sieben indirekt betroffen gewesen.

155 gewalttätige Angriffe - rechtsmotiviert oder rassistisch - registrierten die Opferberatungsstellen in Sachsen im Vorjahr. Statistisch ereignete sich jeden dritten Tag einer. 215 Personen waren der Beratungsstelle zufolge direkt betroffen. Wie bereits in den Vorjahren bildeten mit Dresden und Leipzig (je 23) die Städte die Schwerpunkte der in Sachsen bekannt gewordenen rechtsmotivierten und rassistischen Angriffe. Dennoch seien diese in beiden Großstädten deutlich zurückgegangen von 40 beziehungsweise 36 im Vorjahr.

Unter den ländlichen Regionen stechen in der Statistik des Vorjahres die Landkreise Leipzig und Bautzen mit jeweils 17 gezählten Angriffen hervor, gefolgt von den Landkreisen Zwickau (16) und Mittelsachsen (14). Setze man diese 17 Angriffe im Verhältnis zur Einwohnerzahl der jeweiligen Landkreise, da sei der Kreis Leipzig sogar trauriger Spitzenreiter, erklärt Katja Braß von der Opferberatung. Während die Zahlen im Vergleich zu 2011 (186) sachsenweit rückläufig gewesen seien, habe es im Landkreis Leipzig im Vergleich zum Vorjahr (elf Angriffe) einen deutlichen Anstieg gegeben. Von den 17 hier bekannt gewordenene Angriffen 2012 seien 23 Personen direkt und sieben indirekt betroffen gewesen.

Als Beispiel benennt die Opferberatung Leipzig die Angriffe gegen eine Pizzeria in Geithain, deren damaliger Inhaber pakistanische Wurzeln hat. Fünfmal sei sie im Vorjahr Ziel von "vermutlich rassistischen Angriffen" geworden, so Braß. Nach Bedrohungen und Sachbeschädigungen detonierte im Mai 2012 vor der Pizzeria ein Sprengsatz, wobei das Geschäft erheblich beschädigt und das Wohnhaus evakuiert werden musste. Bereits eine Woche zuvor war eine Bierflasche gegen die Schaufensterscheibe geworfen und ein Mitarbeiter rassistisch beleidigt und bedroht worden (die LVZ berichtete). Polizei und Staatsanwaltschaft hatten ihre Ermittlungen im Februar eingestellt, ohne die Täter gefunden zu haben. Die Hintergründe der Tat aufzuklären, sei nicht gelungen, hatte die Staatsanwaltschaft gegenüber der LVZ erklärt.

Auf dem Spendenkonto der Beratungsstelle zugunsten des Inhabers seien zahlreiche Spenden eingegangen. Besonderer Dank gelte den engagierten Bürgern der Stadt Geithain, der Günter-Wallraff-Stiftung, dem Weißen Ring und Cura (Opferfond der Amadeu-Antonio-Stiftung) sowie den zahlreichen Einzelpersonen und politischen Akteuren. "Aufräumarbeiten, Instandsetzungen, sowie aufgrund der Angriffe entstanden Schulden konnten teilweise durch die Spenden gedeckt werden", so Braß. Der Inhaber bedanke sich bei allen Unterstützern, dennoch werde er aufgrund der weiterhin bestehenden Gefahr die Pizzeria nicht wieder eröffnen.

Katja Braß nennt weitere Beispiele aus dem Vorjahr: In Grimma hätten Neonazis mehrfach einen Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund bedroht. Die Drohungen seien durch "Heil Hitler"-Rufe per Megafon begleitet worden. Taten folgten - der Mann erlitt schwere Verletzungen in Folge eines Angriffes durch die Neonazis. In Dürrweitzschen sei es im Juni 2012 zu einem Übergriff auf rumänische Erntehelfer gekommen, bei dem rassistische Parolen gerufen wurden. In Wurzen habe es Sachbeschädigungen durch Neonazis an einem Kultur- und Bürgerzentrum gegeben. Ein jugendlicher Konzertbesucher sei im Dezember auf dem Heimweg von teilweise vermummten Angreifern als "Zecke" beschimpft und geschlagen worden.

"Parallel dazu lassen sich im Landkreis Leipzig weiterhin öffentliche Aktivitäten der Neonazis beobachten", erklärt Katja Braß. So hätten am 23. März 2012 in Colditz rund 30 schwarz gekleidete und weiß maskierte Neonazis einen Flashmob im Rahmen der so genannten "Volkstod"-Kampagne durchgeführt (die LVZ berichtete). Am 25. November marschierten rund 110 Menschen unter dem Motto "Höchststrafe für Kinderschänder" durch Geithain. Unter ihnen befanden sich der Opferberatung zufolge größtenteils Neonazis aus Geithain und den umliegenden Orten des Landkreises Leipzig sowie aus Mittelsachsen, Nordsachsen und Chemnitz. Als Anmelder fungierte der Geithainer NPD-Stadtrat Manuel Tripp.

Im Jahr 2012 hätten 24 Personen aus dem Landkreis Leipzig die Beratungsstelle in Anspruch genommen, so die Mitarbeiterin der Opferberatung. "Unsere Statistik gibt keinen Überblick über die tatsächlichen Angriffe in Sachsen. Unzureichende Informationen, Angst der Betroffenen Angriffe zu melden, sowie Normalisierungseffekte in einigen Regionen gegenüber rechter und rassistischer Gewalt, lässt uns von einer weitaus höheren Angriffszahl ausgehen als allgemein bekannt", erklärt sie.

Auch dem Nachbar-Landkreis Mittelsachsen bescheinigt die Statistik der Beratungsstelle für 2012 "zahlreiche Aktivitäten der organisierten Neonaziszene". In den Städten Rochlitz, Geringswalde, Penig und Burgstädt würden Neonazis den Alltag bestimmen und dabei immer wieder Angriffe auf nicht-rechte, alternative Jugendliche oder politisch Aktive verüben, um diese Dominanz aufrecht zu erhalten. "Die Betroffenen beschreiben das Vorgehen der Neonazis als immer selbstbewusster und militanter", heißt es im Bericht der Opferberatung Leipzig.

Von rechtsmotivierten und rassistischen Angriffen würden deren Mitarbeiter über Kooperationspartner erfahren sowie durch Betroffene. "Darüber hinaus recherchieren wir täglich in den Pressemitteilung der Polizei und den Meldungen der Presse nach Angriffen", erklärt Braß. Erfahren die Mitarbeiter von einem Angriff, der in ihren Aufgabenbereich fällt, versenden sie über die Opferschutzbeauftragten der Polizei oder über Kooperationspartner sogenannte Opferbriefe, in denen Betroffenen das Beratungsangebot unterbreitet wird.

Die Opferberatungsstellen arbeiten nach dem aufsuchendem Ansatz, erläutert die Mitarbeiterin, das heiße, Betroffene "dort abzuholen, wo sie stehen", um sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation zu erreichen und zu akzeptieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

INGE ENGELHARDT

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