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Borna Recycling-Firma Plambeck bereits nach Brand 2014 ein Fall für den Staatsanwalt
Region Borna Recycling-Firma Plambeck bereits nach Brand 2014 ein Fall für den Staatsanwalt
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13:50 15.03.2018
Reste der Kunststoffabfälle in den ausgebrannten Lagerhallen in Lippendorf. Quelle: Frank Schmidt
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Neukieritzsch/Lippendorf

Die Firma Plambeck Contracon Bau- und Umwelttechnik, auf deren Gelände im Industriegebiet Böhlen-Lippendorf am Montagabend drei Hallen mit gepressten Kunststoffabfällen abgebrannt sind, hatte schon einmal mit dem Staatsanwalt zu tun. Auslöser war ein Feuer, das Anfang Juni 2014 eine Halle zerstört hatte. Danach kam es zu einem Vorgang, der Verwunderung auslöst und schwer nachvollziehbar ist, den manch einer sogar als Skandal bezeichnen könnte.

Genehmigung für neues Geschäftsfeld nachgereicht

In der Halle war damals ähnliches Material in Brand geraten wie jetzt. Kunststoffabfall, der zu so genannten Ersatzbrennstoffen (ESB) verarbeitet wird, die in Industriekraftwerken zum Einsatz kommen. Erst durch das Feuer flog auf, dass die Firma, die vorrangig als Bodensanierer tätig war, gar keine Genehmigung hatte, ESB herzustellen und zu lagern. Das Landratsamt zeigte das Unternehmen daraufhin an, und die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen unerlaubten Betreibens einer Anlage.

Pfingstsonnabend 2014 brannte eine Lagerhalle von Plambeck nieder, in der Kunststoff-Abfälle lagerten. Dafür hatte das Unternehmen damals keine Genehmigung. Quelle: Frank Prenzel

Die Ermittlungen wurden später fallen gelassen, und ein gutes Jahr später, im Oktober 2015, bekam Plambeck Contracon Bau- und Umwelttechnik vom Landratsamt die Genehmigung für das neue Geschäftsfeld. Wie sich herausstellte, war der Antrag zum Zeitpunkt des Feuers schon gestellt, nur noch nicht bearbeitet. Im vorigen Jahr wurde die zulässige Lagermenge auf 2000 Tonnen begrenzt. Im Zuge der Ermittlungen nach dem jetzigen Brand will das Landratsamt einschätzen, ob die Menge eingehalten worden ist.

Wieso die Behörde einem Unternehmen, das unberechtigt mit dem zur Selbstentzündung neigenden Material ein Geschäft betreibt, später genau dafür die Genehmigung erteilt, obwohl und nachdem dieses auch noch tatsächlich brannte, klingt nach einem Rätsel.

Landratsamt verteidigt Entscheidung

Seitens des Landratsamtes hält Sprecherin Brigitte Laux die Sache keinesfalls für einen Skandal. Eine Genehmigung sei zu erteilen, wenn die geforderten Voraussetzungen erfüllt werden, sagt sie. Vergleichbar sei das mit dem Baurecht. Auch dort sei es nicht unüblich, dass ungenehmigte Bauten nachträglich durch Bebauungspläne legalisiert werden.

Bekannt geworden ist im Zusammenhang mit dem Brand, dass die in Lippendorf agierende Firma seit dem vorigen Jahr nicht mehr zur Plambeck Holding in Cuxhaven gehört, unter deren Dach sie Anfang der neunziger Jahre gegründet worden war. Eine Plambeck-Mitarbeiterin sagte der LVZ, die Firma sei im vorigen Jahr verkauft worden.

Spekulationen um Lagerung

Im Internet wird der Brand der mit Plastikabfällen gefüllten Hallen vom Auftauchen der ersten dunklen Rauchsäule an lebhaft diskutiert. Neben gelegentlichen anerkennenden Worten für die Feuerwehrleute tauchen dort auch Spekulationen und Vorwürfe auf, wonach das Unternehmen nach dem Einfuhrstopp für Abfall nach China ein Lagerproblem gehabt haben könnte.

Die Firma selbst wollte sich auch nach dem Brand nicht öffentlich äußern. Eine Mitarbeiterin verwies im Namen des Geschäftsführers auf die Informationen der Polizei. Denen habe man nichts hinzuzufügen.

Brandursache immer noch unklar

Ob es die Lippendorfer Firma auch diesmal wieder mit der Staatsanwaltschaft zu tun bekommt, ist derzeit „rein spekulativ“, sagte Uwe Voigt von der Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig auf Anfrage. Erst nach Vorliegen von Erkenntnissen über die Brandursache werde entschieden, ob auch gegen das Unternehmen ermittelt wird.

Von André Neumann

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