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Regis-Breitingen: Wirbel um Pläne zum Verrücken der Tabor-Spitze

Wohngebiet am Wäldchen Regis-Breitingen: Wirbel um Pläne zum Verrücken der Tabor-Spitze

Manchmal ist eine Idee kaum geboren, da wird sie schon wieder beerdigt. Jedenfalls nahezu. So erging es in Regis-Breitingen jetzt einer laut geäußerten Idee, um im Wohngebiet am Wäldchen neue Bauplätze zu schaffen.

Begegnungsstätte mit Tabor-Dachreiter im Wohngebiet am Wäldchen in Regis-Breitingen.

Quelle: André Neumann

Regis-Breitingen. Manchmal ist eine Idee kaum geboren, da wird sie schon wieder beerdigt. Jedenfalls nahezu. So erging es jetzt dem Vorschlag, im Wohngebiet am Wäldchen in Regis-Breitingen neue Bauplätze zu schaffen, indem die Begegnungsstätte mit dem Dachreiter der Taborkirche aus dem abgebaggerten Ort Heuersdorf von ihrem jetzigen Platz auf einen anderen gerückt wird.

In dem Wohngebiet leben zahlreiche ehemalige Heuersdorfer. Als Erinnerung an den Ort war Ende 2013 auf einer Freifläche eine Begegnungsstätte errichtet worden: ein kleines Häuschen, aus dem der originale Dachreiter der einstigen Kirche herausragt. Der war nach dem Abriss der Kirche eingelagert und aufbewahrt worden. Das Braunkohleunternehmen Mibrag hatte die Kosten für das Einlagern und für den Aufbau in Regis-Breitingen übernommen.

Weil sich derzeit die Anfragen nach Baugrundstücken in Regis-Breitingen und speziell am Wäldchen häufen, entstand in der Verwaltung der Gedanke, mit einem Umsetzen des Dachreiters ließen sich mehrere Bauplätze schaffen. Einen Ersatzplatz am Rande des Wohngebietes hatte sich die Verwaltung auch schon ausgeguckt. Das Thema landete auf der Tagesordnung der jüngsten Sonderstadtratssitzung und allein das löste ablehnende Reaktionen bei Bewohnern des Wohngebietes aus.

In der Sitzung nahm Bürgermeister Wolfram Lenk (Linke) den Punkt von sich aus von der Tagesordnung, er ließ aber trotzdem darüber diskutieren. Und dabei wurden so viele Gegenargumente laut, dass Beobachter sich wunderten, wieso das Thema überhaupt erst angefasst worden war.

Die ersten Gegenargumente lieferte Lenk gleich selbst. Auch wenn die Kosten für das Umsetzen noch nicht bekannt waren (der Grund für das Absetzen von der Tagesordnung), bezweifelte Lenk, dass die Grundstückserlöse den Aufwand decken könnten. Immerhin empfehle der Restaurator sogar, ein Gerüst um den Dachreiter zu bauen.

Jenseits der Kosten spricht in den Augen vieler gleich mehreres gegen die Idee. Einige Argumente steuerte Jens Grande bei, Bewohner am Wäldchen. Nachdem er dort acht Jahre zur Miete wohnte, habe er zwei Grundstücke gekauft und gebaut. Und das im Vertrauen darauf, „dass das Umfeld so bleibt, wie es ist“. Auch andere Bewohner dürften nicht erfreut sein, wenn die im Bebauungsplan vorgesehene Freifläche überbaut würde. Laut Grande habe sich das Areal nämlich tatsächlich als Ort der Erholung und Entspannung entwickelt. Kinder würden dort spielen, Leute kämen ins Gespräch. Das Areal „erfüllt seinen sozialen Zweck“, sagte Grande.

Mehrere Stadträte äußerten Verständnis für solche Überlegungen der Anwohner. Jörg Zetzsche (CDU) ging zudem noch auf einen Hinweis ein, den Bürgermeister Lenk selbst schon ins Spiel gebracht hatte: Die Mibrag, die die Begegnungs- und Erinnerungsstätte komplett finanziert hatte, sollte man nicht vor den Kopf stoßen. „Die brauchen wir vielleicht auch mal wieder“. Tatsächlich sei das Unternehmen „nicht begeistert“, hatte Lenk zuvor gesagt.

Bei diesem Bündel an Gegenargumenten forderte Manfred Räßler von der Linken-Fraktion: „Dann können wir aufhören, darüber zu reden“. Was nun vermutlich auch geschehen ist, denn Lenk schloss die Debatte mit den Worten: „Dann lassen wir das stecken.“

Bleibt die offene Frage nach Bauplätzen für neue Eigenheime in Regis. Jörg Zetzsche zeigte sich überzeugt: „Bauland finden wir bestimmt auch woanders.“ Wofür Jürgen Tröbs (SPD-Fraktion) gleich einen Vorschlag parat hatte. Er sprach die Flächen mit dem Garagenkomplex gleich neben dem Wohngebiet an. Ein Vorschlag, der auch Stoff für Spannungen birgt. Herrscht doch dort eine Eigentumsmischform, die die Deutsche Einigung um ein Vierteljahrhundert überdauert hat: Eigentumsgaragen auf städtischen Flächen. Dieses Thema, das machten die Reaktionen der Verwaltung deutlich, will man gleich gar nicht anfassen.

Von André Neumann

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