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Regis: Jahr für Jahr über 400 Arrestanten

Regis: Jahr für Jahr über 400 Arrestanten

Es ist die vermeintlich kleine Strafe, es ist ein Warnschuss und noch keine Haft. In Regis-Breitingen sitzen Jahr für Jahr Hunderte junge Straftäter als Arrestanten ein.

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Leiterin Ute McKendry gewährt den Blick in eine Arrestzelle.

Quelle: Thomas Kube

Regis-Breitingen/Borna. Schaut man in die Seelen der jungen Leute, die auf die schiefe Bahn geraten sind, treten auch gesellschaftliche Probleme zutage. Viele von ihnen sind drogenabhängig, haben keinen Schulabschluss und kommen aus einem zerrütteten Elternhaus.

 

 

Die Straftäter im offenen Vollzug und die Jugendarrestanten müssen sich ein Gebäude, das vor dem Zaun der Jugendstrafanstalt (JSA) liegt, teilen. 20 Plätze und vier Notplätze zählt der Jugendarrest im Erdgeschoss, Monat für Monat bekommen hier 40 bis 50 junge Leute Gelegenheit, hinter Schloss und Riegel über ihre Verfehlung nachzudenken. Die meisten sitzen einen sogenannten Ungehorsamsarrest ab, erklärt Ute McKendry. Der 48-jährigen Jugendrichterin am Amtsgericht Borna obliegt die inhaltliche Führung des Arrestes im Pleißestädtchen. Ungehorsamsarrest sei eine Erziehungsmaßregel, wenn der Verurteilte seine Auflagen nicht erfüllt - zum Beispiel gemeinnützige Arbeit, einen Trainingskurs, eine Suchtberatung oder eine Ausbildung ohne Fehlzeiten. Die Strafe kann zwischen einem Tag und vier Wochen Arrest lauten. Im Schnitt müssen die 14- bis 24-Jährigen für zwei Wochen einsitzen, weiß McKendry.

Im vorigen Jahr rückten 445 Arrestanten in Regis-Breitingen an. "Jeder Zweite kommt nicht freiwillig, sondern muss durch die Polizei gebracht werden", bringt McKendry ein erstes Problem auf den Punkt. Sie höre dann solche Sätze wie ,Ich habe keine Lust'. Manche würden aber auch schlichtweg am öffentlichen Nahverkehr scheitern. "Regis liegt verkehrsmäßig nicht günstig."

Letztlich seien es mehr als 400 verschiedene Menschen im Jahr, "auf die man sich einstellen muss und die mit einem Sack von Problemen kommen", sagt die Jugendrichterin. Das sei nicht einfach. Laut McKendry haben 60 bis 70 Prozent der Arrestanten keinen Schul- beziehungsweise Berufsschulabschluss, nicht wenige von ihnen seien nach der sechsten oder siebenten Klasse abgegangen. "Wir versuchen dann Wege aufzuzeigen und die jungen Leute in einer Schule oder Ausbildung unterzubringen", erläutert McKendry. Dazu werde ein großes Netzwerk genutzt, mit dem der Jugendarrest kooperiert. Zudem hat die Jugendrichterin jetzt beim Justizministerium ein Bildungsprojekt beantragt, um gemeinsam mit dem Berufsfortbildungswerk den jungen Arrestanten erste nachhaltige Hilfe geben zu können.

Die Ankömmlinge offenbaren auch rasch zerrüttete Familienverhältnisse. "Wir haben erschreckend viele junge Männer, die ihren Vater nicht kennen, nicht mal den Namen", sagt McKendry. Das sei ein großes Defizit. Von das Kind vernachlässigend bis überbehütend würden die Mütter beschrieben. Die Arrestanten "haben keine Erwachsenen in ihrem Umfeld, die ihnen Orientierung bieten", betont McKendry. Hinzu kommt, dass 20 Prozent der jungen Männer, die in den Arrest müssen, selbst schon Vater sind.

Genau so schlimm ist die Sucht. McKendry: "Über 50 Prozent der Arrestanten haben Crystal schon konsumiert, viele sind abhängig." Das Teufelszeug sei leicht erreichbar und mache schnell abhängig. Auch Cannabis und Alkohol gehöre zu den gängigen Drogen. "Das zerstört so ein junges Gehirn, das noch in der Entwicklung ist, nachhaltig." Oft sei die Anstaltsärztin gefragt, um etwas gegen Entzugserscheinungen zu tun. Wie schon bei den schulischen Defiziten soll den jungen Männern auch bei der Bekämpfung der Sucht geholfen werden. Einmal pro Woche sind Mitarbeiter der Leipziger Suchtberatungsstelle "Impuls" zu Gruppen- und Einzelgesprächen im Haus. "Wir versuchen, für Abhängige eine Suchttherapie anzuschieben", erklärt McKendry.

Sinn von Arrest sei Erziehung, betont die Jugendrichterin. Für sie ist es dabei wichtig, mit den jungen Straftätern ganz offen zu reden, was viele nicht kennen würden. "Doch wir können in zwei Wochen nicht reparieren", so McKendry, "was in 18 Jahren zuvor falsch gelaufen ist. Wir können aber Orientierung geben, vermitteln und konsequent sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Prenzel, Frank

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