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Borna Restaurierte Glocken schweben in Böhlen ein
Region Borna Restaurierte Glocken schweben in Böhlen ein
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19:51 27.09.2018
Mehr als 800 Kilogramm hängen am Kran und schweben unter Regie von Frank Blumrich in die Christophoruskirche ein. Quelle: Julia Tonne
Böhlen

Zaungäste standen am Donnerstag scharenweise in der Böhlener Kirchgasse und verfolgten ein Schauspiel, das eher selten zu erleben ist. Die beiden Glocken – frisch restauriert aus Bayern zurück – schwebten am Haken ein und wurden wieder an ihren angestammten Platz verfrachtet: in den Dachstuhl der Christophoruskirche.

Eine Glocke am Kran-Haken nähert sich der Christophoruskirche Quelle: Julia Tonne

In den vergangenen Monaten waren die 860 und 540 Kilogramm schweren Glocken aufwendig in Nördlingen von der Firma Lachenmeyer restauriert worden. So mussten laut Roy Kreß, Glockensachverständiger vom Regionalkirchenamt Leipzig, unter anderem die Anschlagstellen des Klöppels verstärkt werden.

Aus dünnen Stellen hätten Risse werden können

„Nach mehr als 500 Jahren Betrieb sind die Stellen entsprechend dünn geworden“, erklärt er. Das hätte in absehbarer Zeit zu Rissen führen können. Ziel war es, die Glocken wieder in ihren historischen Zustand zurückzuversetzen. Notwendig waren dafür die Nachrüstung des Klöppelhangeisens und das Schließen der Haubenbohrungen.

Frank Blumrich sieht der ankommenden Glocke entgegen. Quelle: Julia Tonne

Doch klingen werden die zwei rundum restaurierten Instrumente auch in den kommenden Tagen noch nicht. Dafür gibt es gleich zwei Gründe. „Zum einen werden die Klöppel neu geschmiedet, zum anderen ist der neue Glockenstuhl noch nicht fertig“, erklärt Frank Blumrich, Mechaniker und Monteur bei der ältesten noch bestehenden Turmuhrenfirma Deutschlands, der Bernhard Zachariä GmbH aus Leipzig.

Damit die Glocke hinaus- und dann wieder hineinbefördert werden konnte, musste Mauerwerk um das Kirchenfester aufgebrochen werden. Quelle: Julia Tonne

Schon der Ausbau der zwei Exemplare im Juli brachte eine nicht unerhebliche Herausforderung für Blumrich und Pfarrer Christoph Krebs mit sich: Wegen des Durchmessers der größeren Bronzeglocke von 1,15 Metern musste das Mauerwerk um das Kirchenfenster herum aufgebrochen werden. Geschlossen worden ist die Lücke bislang nicht, weil ja der Rückweg noch erfolgen musste.

Glockenstuhl wird nun umgebaut

Anfang Oktober soll nun der Glockenstuhl eingebaut werden, der alte aus Stahl sei aufwendig ausgebaut worden, der neue sei nun aus Holz. „Dadurch klingen die Glocken deutlich besser“, sagt Krebs. Der bessere Klang sei aber noch einem anderen Fakt geschuldet: Die Instrumente werden künftig niedriger hängen und daher mehr schwingen. Tragwerksplaner hätten im Vorfeld überprüft, dass die Erneuerung des Glockenstuhls und das Umhängen überhaupt möglich sind.

Die Arbeiten aber sind damit längst noch nicht abgeschlossen. Vielmehr erhalten die größere Christus- und die kleinere Marien-Glocke sowohl neue Motoren als auch eine neue Elektrik. Krebs hofft, dass die zwei am ersten Sonnabend im November wieder läuten werden. „Wir haben das Glockenläuten schon vermisst“, sagt er. Bei den Gottesdiensten sei es jedes Mal sehr leise zugegangen.

Böhlener unterstützen die Arbeiten

Rund 61 000 Euro haben Sanierung, Erneuerung und Restaurierung gekostet, Fördermittel kamen vom Freistaat, einen Teil der Summe musste die Kirchgemeinde aus Eigenmitteln aufbringen. „Dabei haben uns die Böhlener allerdings sehr geholfen“, macht Krebs deutlich. Sie hätten rund 4000 Euro für das Vorhaben gespendet.

Von Julia Tonne

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