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Rettungsschwimmer als Zusatzqualifizierung

Wasserwacht des DRK-Ortsvereins Borna Rettungsschwimmer als Zusatzqualifizierung

Wer wird hierzulande Rettungsschwimmer? Bei weitem nicht nur die Wächter der sommerlichen Ostseestrände. Für viele ist der Einsatz eine berufliche Zusatzqualifizierung. Allerdings wünscht sich die hiesige Wasserwacht für ihre ehrenamtlichen Profis nicht nur Einsätze am fernen Meer, sondern mehr vor Ort – im Leipziger Neuseenland gibt es zwar viele Seen, aber wenige bewachte Badestrände.

Chris Lüthge (r.) und Tobias Teichmann proben den Befreiungsgriff im Becken des Bornaer Jahnbades.

Quelle: Andreas Döring

Borna. I

Bei behaglichen 30 Grad Lufttemperatur in der Bornaer Schwimmhalle absolvieren derzeit zehn Erwachsene einmal pro Woche den Rettungsschwimmerkurs beim DRK-Ortsverein, dessen Chef Theunert ist. Dazu gehören 16 Stunden Theorie und Praxis – für 35 Euro. Für viele ist es eine Zusatzqualifizierung zum Job, andere machen es aus reinem Interesse, sagt der 52-Jährige, der als Sportlehrer an der Oberschule in Bad Lausick arbeitet. In seinem Studium sei die Rettungsschwimmer-Lizenz noch dabei gewesen, heute nicht mehr. Speziell für Lehrer gibt er daher auch Kurse in Leipzig und Umgebung – ohne eigenen Rettungsschwimmer dürfen Kinder zur Klassenfahrt nämlich nicht ins Wasser.

Das ist nicht nur in der Schule so. Tobias Teichmann ist Erzieher im Bornaer Kinderheim. Ausflüge mit den Steppkes seien viel einfacher, wenn jemand den Rettungsschwimmer-Schein vorweisen kann. Daher hat er sich dafür entschieden, findet es spannend, aber auch kräftezehrend. „Ich merke hier deutlich, dass ich nicht regelmäßig schwimme“, meint der 27-Jährige.

„Ja, das ist schon anstrengend“, sagt auch Julia Henze, Erzieherin im Hort Deutzen. Dennoch peilt sie Silber an. „Dann können wir mit den Kindern unkompliziert im See baden gehen, das macht die Ausflüge schöner“, so die 25-Jährige – und kämpft weiter mit dem kraftvollen Befreiungsgriff. An Land hält sich die Schwierigkeit noch in Grenzen, doch im Wasser geht es richtig zur Sache. Die jungen Leute atmen schwer, lachen aber auch oft.

Ums Tauchen geht es im zweiten Teil der praktischen Stunde. „Das ist eine Sache des Kopfes“, sagt der Ausbilder nachdrücklich. Einige Damen rollen genervt mit den Augen, Tauchen ist nicht ihr Ding. Aber es gehört dazu: 15 Meter für Bronze, 25 Meter für Silber und 35 Meter für Gold.

Die Übung beginnt gemächlich. Die künftigen Retter sollen sich nur abstoßen und am Beckengrund entlang gleiten. Später kommt die Armbewegung hinzu. Im Gegensatz zum Brustschwimmen schwingen die Arme durch bis zu den Oberschenkeln. „Versucht entspannt zu tauchen, in Ruhe!“, meint Torsten Theunert. Es gelingt unterschiedlich gut. Manch einer kommt fast bis zum Ende der 25-Meter-Bahn, andere prusten schon nach der Hälfte an die Wasseroberfläche. Einfacher wird die letzte Übung: Transportschwimmen. Der Ermüdete hält sich an den Schultern seines Retters fest, der zügig durchs Becken zieht. Das gelingt allen ohne Probleme.

Chris Lüthge ist danach ziemlich knülle. Der 27-Jährige ist Polizeimeister-Anwärter und braucht den Rettungsschwimmer-Schein für seinen Job. Er lebt und arbeitet in Sachsen-Anhalt, kennt aber in Borna Leute aus der Schwimmhalle, deshalb hat er sich für die Ausbildung hier entschieden. „Es macht Spaß, aber ich schwimme sonst kaum, da ist das schon sehr anstrengend!“

Anders bei Cedric Feldmeier. Der 13-Jährige war jahrelang im Schwimmverein, hat sich dann aber für die Wasserwacht des DRK entschieden. „Es gefällt mir hier richtig gut. Wir trainieren im Verein regelmäßig und jetzt mache ich noch den Rettungsschwimmer dazu“, sagt der Schüler. Damit will er später im Ferienlager arbeiten: „Wenn die anderen auf Exkursion müssen, kann ich dableiben und den Strand bewachen!“

Vielleicht gehört er bald zu den ehrenamtlichen Profis der Wasserwacht des Bornaer Ortsvereins. Sie belegen nicht hin und wieder einen Kurs, sondern trainieren Woche für Woche Notfälle im Wasser. So mancher von ihnen hat sein Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet heute in Freibädern und Schwimmhallen. Vereinsmitglieder unterstützen ehrenamtlich den Badebetrieb sowie Sportveranstaltungen und große Events. Sogar „Fließretter“, die Elite der Rettungsschwimmer, kann der Verein aufweisen, wie Torsten Theunert sagt. Sie retten bei Hochwasser in gefährlichen Flüssen. Das ist ferne Zukunftsmusik für seine derzeitigen Eleven im Bornaer Jahnbad.

Von Claudia Carell

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