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Revision im Kraftwerk: Schweißer schuften im Ofen

Revision im Kraftwerk: Schweißer schuften im Ofen

Wegen einer geplanten Kurzrevision arbeitet das Kraftwerk Lippendorf derzeit nur mit halber Kraft. Im Block R ist seit dem 22. April das Feuer aus. Trotzdem herrscht in der Anlage mehr Betrieb als sonst.

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Nur während einer Revision möglich: Blick von oben in den Feuerraum eines Kraftwerkskessels. Zu erkennen sind Arbeiter auf dem Gerüst und links auf einer Arbeitsbühne.

Quelle: André Neumann

Lippendorf. Vor den zwei Last- und Personenaufzügen, die in jedem der Kesseltürme bis in 154 Meter Höhe fahren, sind die Wartezeiten jetzt länger. "Das ist zu Revisionszeiten immer so", sagt Kraftwerkssprecher Lutz Dornberg, während zwei Arbeiter einen mit Gerüststangen und -platten beladenen Wagen in den Aufzug schieben. Im Kessel, in dem zu Betriebszeiten ein beständiges Feuer lodert, führen an allen vier, jeweils knapp 23 Meter langen Seiten dicht an dicht Rohre nach oben, in denen Wasser zu Dampf erhitzt wird. Die Rohre werden gereinigt, kontrolliert, bei Bedarf werden neue Stücke eingeschweißt. Die Schweißer arbeiten stundenlang auf Arbeitsbühnen, die an Stahlseilen im 100 Meter hohen Brennraum rauf und runterfahren. Drin herrscht jetzt zwar eine normale Temperatur, Staub und Aschegeruch sind aber allgegenwärtig. Die einzigen Zugänge für Mensch, Werkzeug und Gerüstmaterial sind mannsdicke runde Revisionsluken.

Auch außen am Kessel wird gearbeitet, und auch dafür werden an verschiedenen Stellen Gerüste gebaut, weil die Spezialisten allein auf den vorhandenen eisernen Treppen und Gängen nicht überall dicht genug herankommen. Zum Beispiel an die Rauchgasrücksaugungen: riesige Rohre, durch die heißes Rauchgas von oben aus dem Feuerraum nach unten gesaugt wird, um damit die noch feuchte Kohle zu trocknen. Weil der gesamte, in einem Gerüst hängende Kessel sich bei Betrieb bis zu 80 Zentimeter ausdehnt, gibt es sogenannte Schiebehülsen auf den Rohren. Einige von denen sind verschlissen und werden ausgetauscht.

Karsten Stuckart und Dieter Schug von der Firma Demonte/Scheller verschleifen hier gerade eine letzte Schweißnaht. Sie gehören zu den rund 250 Mitarbeitern von Serviceunternehmen, die während der Revision zusätzlich zu den 300 Vattenfall-Angestellten und den etwa 100 Lehrlingen im Kraftwerk arbeiten. Gearbeitet wird nicht nur im und am Kessel. Auch die Turbine wird auf Verschleiß überprüft und in der Rauchgasentschwefelung werden Kunststoffleitungen stabilisiert, damit sie nicht brechen. Das alles, sagt Kraftwerksleiter Thomas Hörtinger, dient dazu, "die Verfügbarkeit der Anlagen für mehrere Jahre zu sichern". Speziell bei den Arbeiten in der Rauchgasentschwefelung gehe es auch um die Einhaltung der Emissionswerte.

Der Begriff Kurzrevision ist dabei nur in den Dimensionen eines Braunkohlekraftwerkes zu verstehen, das zweimal 920 Megawatt Strom erzeugt. Denn es geht um eine seit anderthalb Jahren geplante Aktion die immerhin rund 8,5 Millionen Euro kostet, stundengenau ablaufen muss und noch bis Anfang Juni dauert. Für Hauptrevisionen, wie sie alle vier Jahre stattfinden, gibt Vattenfall 20 bis 30 Millionen Euro aus.

Seit etwa zehn Jahren finden Kraftwerksrevisionen nicht mehr vorwiegend im Sommer statt, sondern mehr im Frühjahr und im Herbst, die zu den verbrauchsärmsten Jahreszeiten geworden sind. "Das ist ein Wohlstandsproblem", erklärt Lutz Dornberg die Verschiebung und verweist auf die vielen Klimaanlagen, die im Sommer Energie brauchen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Neumann, André

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