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Borna Rewe-Streit: Schon jetzt mehr Verkaufsfläche
Region Borna Rewe-Streit: Schon jetzt mehr Verkaufsfläche
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05:15 12.09.2018
Der Pegauer Rewe-Markt schließt zum Ende des Jahres. Ob in Groitzsch eine neue Filiale gebaut wird, ist umstritten. Quelle: stadt-pegau.de
Pegau

Mindestens bis zur behördlichen Genehmigung oder Ablehnung eines Rewe-Baus in Groitzsch dürfte das Verhältnis mit Pegau gestört bleiben. Von einer Feindschaft, die es früher zwischen den Nachbarn gegeben haben soll, wollen aber beide Bürgermeister nichts wissen. Sie sprechen eher von einer Meinungsverschiedenheit in einer Sache. Dennoch hat Frank Rösel (parteilos) jetzt eine umfangreiche Begründung für das Pegauer Nein zum Einkaufskomplex mit dem Vollsortimenter abgeliefert. Auszüge aus der achtseitigen Stellungnahme an sein Groitzscher Pendant Maik Kunze (CDU) stellte er sowohl in der Stadtratssitzung als auch im Amtsblatt vor.

Komplex wie drei Pegauer Lidl-Märkte

Pegaus Bürgermeister Frank Rösel. Quelle: Hans-Hermann Koch

„Pegau lehnt nicht Rewe ab, sondern die doppelte Größe der gesetzlichen Vorgaben“, sagte der Bürgermeister. Während laut Landesplanung für Orte wie die Nachbarstädte nur Einzelhandelseinrichtungen bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche zulässig sind, sehe das Konzept allein für einen Lebensmittelmarkt 1600 Quadratmeter vor. Noch drastischer formulierte Rösel mit Blick auf den Gesamtkomplex mit Drogeriemarkt und Backwarengeschäft: „Im Mai 2018 hat der Stadtrat der Stadt Groitzsch mit der Billigung des Entwurfs des Bebauungsplanes den Weg frei gemacht, die zulässige Verkaufsfläche auf 2450 Quadratmeter zu erweitern. Diese Größe entspricht der Fläche von drei Pegauer Lidl-Märkten. Ob das noch als moderate Erweiterung bezeichnet werden kann, bleibt jedem Betrachter selbst überlassen.“

Keine Bauvoranfrage für Filialerweiterung in Pegau

Dass Rewe seinen Markt in Pegau (rund 1000 Quadratmeter; schließt zum Jahresende; d. A.) nicht erweitern kann, wie es Groitzsch angibt, ist für Rösel nur eine Behauptung. Das hätte einer Bauvoranfrage klären können, die jedoch wohl nie ge­stellt wurde. Der Eigentümer sei an der weiteren, möglichst langfristigen Nutzung interessiert. Er habe schon wieder vermietet. Was der Bürgermeister nicht mitteilt: Es soll sich um eine Tedi-Filiale handeln, die unter anderem Haushalts- und Elektroartikel, Schreib- und Spielwaren sowie Drogerieprodukte anbietet.

Nicht korrekt, so der Pegauer Stadtchef, ist die Aussage, dass ein Drogeriemarkt nur in Verbindung mit Rewe möglich ist. Ein solcher könne sich bis zur Größe von 800 Quadratmeter jederzeit ansiedeln, wobei seine Kommune sogar einen Standort Groitzsch akzeptiere.

Verkaufsfläche für Lebensmittel überm Bundesschnitt

Ebenso wenig folgt Rösel dem Argument, dass ohne Neubau Lücken in der Versorgung entstehen. Für ein 2013 nicht bestätigtes Einzelhandelskonzept („Das hatte nur eine Alibifunktion für einen neuen Rewe-Markt“, sagte er) waren statistische Zahlen für die Region erhoben worden. Demnach liegt die Verkaufsfläche für Lebens- und Genussmittel sowohl in Pegau/Elstertrebnitz mit 0,48 Quadratmeter pro Einwohner (plus 17 Prozent) als auch in Groitzsch mit 0,45 (plus zehn Prozent) über dem Bundesdurchschnitt von 0,41. Diesen würde die Schusterstadt mit dem Neubau beim Wert von 0,69 sogar um 68 Prozent übersteigen.

Probleme für bestehende Händler erwartet

Zudem, findet Rösel im Gegensatz zu Kunze, drohen eine Kaufkraftverschiebung sowie negative Auswirkungen auf die kleineren Innenstadthändler und die Discountmärkte. Gar nicht betrachtet werden der Onlinehandel und abnehmende Bevölkerungszahlen. Und zentrumsnah, wie behördlich gefordert, sei Rewe am südlichen Groitzscher Stadtrand auch nicht.

Die andere Meinung von Pegau, stellte der Bürgermeister klar, „ist gelebte Demokratie und kein unfreundlicher Akt und schon gar keine Bevormundung“.

Von Olaf Krenz

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