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Borna Riecht wie Kittifix: Nicht alle Champignons sind genießbar
Region Borna Riecht wie Kittifix: Nicht alle Champignons sind genießbar
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00:17 26.09.2017
Pilzberater Edgar Fenzlein aus Naunhof warnt vor Doppelgängern. Sie sehen essbaren Pilzen sehr ähnlich, sind aber ungenießbar. Quelle: Nikos Natsidis
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Naunhof

Manchmal ist Eile geboten. Und zwar dann, wenn es um Leben und Tod geht. So wie neulich, als Edgar Fenzlein am späten Sonntagabend ins Leipziger Krankenhaus St. Georg gerufen wurde – zu einem Mann, der offenkundig eine Pilzvergiftung hatte. „Er sagte, dass er Knollenblätterpilze gegessen hat“, so Fenzlein. Der 55-Jährige ist Pilzberater, einer von dreien allein in seinem Wohnort Naunhof. Und der studierte Biologe hat festgestellt, dass die Zahl der Pilzvergiftungen auch im Landkreis Leipzig zugenommen hat.

„Ich werde viel öfter gerufen als früher.“ Dabei geht es weniger um Pilzvergiftungen, bei denen jemand in Lebensgefahr ist. Wohl aber um Magen- und Darmprobleme großen Ausmaßes, wie Pilzberater Fenzlein klarmacht. Ursache dafür ist nicht unbedingt der pure Leichtsinn von Pilzsammlern. Wohl aber eine gewisse Unkenntnis, speziell von so genannten Doppelgängern. Damit meint der Fachmann, der seine Beratung wie alle Pilzsammler im Landkreis Leipzig und in ganz Deutschland ehrenamtlich und damit kostenlos anbietet, Pilze, die genießbaren Pilzen ähnlich sehen, aber auf keinen Fall im Korb landen sollten. Fenzlein: „Nicht jeder Champignon ist essbar.“ Etwa dann, wenn er auf einer Wiese steht und damit auf einem Boden wächst und gedeiht, der oftmals stark überdüngt ist. Dabei handelt es sich um Karbolegerlinge – Pilze, die aussehen wie Champignons, die aber dennoch ungießbar sind. Stark riechende Gewächse, „die aus dem Topf stinken“. Wer den Geruch von Kittifix, des legendären DDR-Klebstoffs noch in der Nase hat, weiß, was der Experte meint.

Ähnlich sieht es mit dem Salzchampignon aus, einem Pilz, der eigentlich eher in Norddeutschland zu Hause ist, der aber mittlerweile auch in unseren Breitengraden zu finden ist. Fenzlein empfiehlt Pilzsuchern deshalb, Champignons oder was so aussieht zu meiden, sofern sie auf Wiesen oder in Parkanlagen gedeihen.

Was überhaupt für viele der so genannten Doppelgängerpilze gilt. Etwa den Nadelholzhäubling. Ein Pilz, der Stockschwämmchen, die gut essbar sind, zum verwechseln ähnlich sieht, dessen Verzehr aber eben lebensgefährlich sein kann. Jenseits von Klassikern wie Steinpilzen, Maronen und Birkenpilzen, wie sie in den Wäldern im Muldental ebenso zu finden sind wie im Leipziger Land, gibt es mittlerweile auch Pilze, die früher als gut essbar galten. Zum Beispiel den Grünling, einen Pilz, dessen Verzehr zu starken allergischen Reaktionen führen kann, wie zahlreiche Fälle in Frankreich und Polen deutlich machen. Ein Pilze, der in Deutschland mittlerweile auf der Giftpilzliste der Deutschen Gesellschaft für Mykologie steht, nach der sich die Pilzberater richten. Wobei von den hunderten Pilzen, die hierzulande wachsen, an sich nur die wenigsten wirklich giftig sind. „Aber viele sind ungenießbar“, sagt Fachmann Fenzlein.

Dabei lassen sich Pilze auch jenseits von Topf und Tiegel vielfach verwenden. In der Medizin oder auch als Färbemittel. Dass nur in Korb und Pfanne landen sollte, was als ungiftig erkannt und im Zweifelsfalle von einem Fachmann als solches klassifiziert worden ist, darf als Binsenweisheit gelten. Und so ist der Verzehr von Giftpilzen nicht die Hauptursache für Pilzvergiftungen. „Sie werden aber oft zu lange gelagert“, sagt Fenzlein und dann verhält es sich mit den Sammelergebnissen aus dem Wald ebenso wie mit Fleisch: Wenn es über den Tag hinaus liegen bleibt und nicht mehr frisch ist, steigen die Chancen für eine veritable Vergiftung enorm. Um die zu vermeiden, ist oftmals schon der erste Anblick entscheidend. „Wenn der Pilz bereits im Wald schimmelt, sollten sie ihn stehenlassen“, sagt Fenzlein.

Wer sich unsicher mit seinen Sammelergebnissen ist, der sollte den Weg zum Pilzberater nicht scheuen. Von denen gibt es allein auf der offiziellen Liste des Landratsamtes im Landkreis Leipzig zwölf. Hinzu kommen weitere Experten wie Fenzlein, der bisweilen fünf- bis sechsmal an einem Tag zu Rate gezogen wird. Im Jahr vielleicht 50- bis 60-mal. Ein verantwortungsvoller Job, den der gebürtige Thüringer ehrenamtlich verrichtet, genauso wie seine Kollegen. Und der durchaus etwas mehr Anerkennung vertragen kann, in gewisser Weise auch finanziell. Nicht als große Vergütung, wie Edgar Fenzlein betont. Dass aber jemandem wie ihm vielleicht das Benzingeld gezahlt wird, wenn er spätabends noch in eine Klinik fährt, ist eine nachvollziehbare Forderung.

Von Nikos Natsidis

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