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Borna Rötha: Ein Orgelstück kommt nach Hause
Region Borna Rötha: Ein Orgelstück kommt nach Hause
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17:48 08.09.2018
Zum 500. Geburtstag der Marienkirche gibt es Konzerte und Festvorträge. Quelle: Jens Paul Taubert
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Rötha

Es ist eine Art späte Heimkehr: 17 Jahre nach seiner Entstehung wird ein Orgelstück in der Stadt aufgeführt, für die es ursprünglich geschrieben wurde: in Rötha. Der Leipziger Komponist und Maler Knut Müller, Jahrgang 1963, hat „Organon“ im Jahr 2001 komponiert. Damals hatte ihn der Kölner Organist Christian Collum um ein Orgelstück gebeten, das anlässlich einer Konzerttournee in Rötha uraufgeführt werden sollte. Tatsächlich kam es dann aber nicht zu dem Konzert in Rötha, und das moderne Werk erlebte seine Uraufführung in Köln.

Der Leipziger Komponist und Maler Knut Müller, Jahrgang 1963, hat „Organon“ im Jahr 2001 komponiert. Quelle: Armin Kühne

Nach dem Auftakt der Festwoche am Sonntag wird am Montag „Organon“ erstmals in Rötha zu hören sein, und zwar bei einem Wandelkonzert aus Anlass des Jubiläums 500 Jahre Marienkirche. Wobei der für das Konzert engagierte Organist Lukas Storch (29) aus Leipzig das Stück von Knut Müller nicht auf der Silbermannorgel der Marienkirche spielen wird, sondern erst im zweiten Teil des Konzerts auf deren größerer Schwester in der Georgenkirche. „Das Stück“, sagt Storch der LVZ, „ist aus meiner Sicht als Interpret in der Marienkirche nicht spielbar.“ Unter anderem, wie er erklärt, weil diese Orgel über nur ein Manual verfüge.

Inspiration für das Stück in der Marienkirche

Dabei hatte Knut Müller, wie er selbst sagt, seine Inspiration für das Stück damals in der 500 Jahre alten Marienkirche gefunden und das Stück für die dortige Orgel geschrieben. „Ich war damals an der Orgel und habe ihren Klang und ihre Möglichkeiten studiert. Insofern war diese Orgel und ihr Klang auch die Inspiration für das Stück, dessen Titel „Organon“ auf dieses Instrument hindeutet“, erklärt Müller. Er beschreibt seine Komposition „als eine akustische Veranschaulichung von Vorhängen, die sich öffnen und schließen. Nach jedem Schließen und Öffnen erscheinen andere Klanglandschaften, andere Farben, andere Räume“, so der Künstler, der am Montag in Rötha voraussichtlich selbst etwas zu seiner Musik sagen wird.

Müllers Stück passt nicht mehr zum Instrument

In der Zwischenzeit ist die Marienkirche saniert und die restaurierte Orgel neu gestimmt worden, auch deswegen passe Müllers Stück heute nicht mehr zu dem Instrument. Lukas Storch, Kirchenmusiker und freischaffender Konzertorganist, wird deshalb in der Marienkirche ab 18 Uhr zunächst ältere Orgelstücke spielen. Eine Toccata von Dietrich Buxtehude (ca. 1637 bis 1707) und von Friedrich Wilhelm Zachow (1663–1712) eine Partita über den Choral „Jesu meine Freude“ hat er ausgewählt.

Gespannt auf Wirkung beim Publikum

In der Georgenkirche wird das Publikum danach eine Musik hören, die „herkömmliche Hörgewohnheiten nicht bedient“, sagt Storch und meint das unbedingt wertfrei. Er sei gespannt auf die Wirkung beim Publikum. Das knapp 15 Minuten lange Stück von Knut Müller ergänzt er mit einer weiteren zeitgenössischen Komposition von Erkki-Sven Tüür aus Estland, die den Titel „Spektrum I“ trägt.

Festwoche geht weiter

Die Festwoche anlässlich 500 Jahre Marienkirche findet ihre Fortsetzung am Dienstag mit einem Festvortrag. Die Historikerin Antje J. Gornig hat nicht nur die Sanierung der Marienkirche fachlich begleitet und unterstützt, sie hat sich auch eingehend mit der Entstehungsgeschichte der Kirche befasst. Sie wird Klarheit zwischen Fakten und Legenden in der Geschichte der Kirche ohne Turm schaffen. Der Vortrag beginnt 19 Uhr.

Am Mittwoch, 18 Uhr, steht ein weiteres, hochrangig besetztes Konzert auf dem Festprogramm. Es erklingt Musik für Orgel und Violine. Die Orgel spielt Stefan Altner. Der 1956 geborene Musiker und Musikwissenschaftler ist Geschäftsführer des Leipziger Thomanerchores. Den Violinenpart übernimmt Christian Funke, Jahrgang 1949. Der Professor für Violine war unter anderem 1. Konzertmeister des Gewandhausorchesters und ist seit 1987 Leiter des Bachorchesters Leipzig. Zu hören sein werden Stücke von Johann Sebastian Bach, Christoph Willibald Gluck, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fritz Kreisler.

Abschluss mit Familiengottesdienst

Am Donnerstag folgt ein weiterer Festvortrag. Der Denkmalpfleger Arndt Kiesewetter spricht über den Altar der Marienkirche. Der gilt als einer der letzten großen Schnitzaltäre, die vor der Einführung der Reformation in Sachsen errichtet wurden, und er ist schon allein deshalb etwas Besonderes. Warum der Altar, der 2015 aufwendig restauriert wurde, noch so wertvoll ist, darüber wird Arndt Kiesewetter ab 19 Uhr sprechen.

Den Abschluss der Festwoche bildet dann am Sonntag ein Familiengottesdienst unter dem Motto: Wir bauen eine Kirche.

Von André Neumann

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