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Borna Röthaer Familien halten die Erinnerung an Hain und Kreudnitz wach
Region Borna Röthaer Familien halten die Erinnerung an Hain und Kreudnitz wach
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00:18 11.06.2017
Rudolf und Hannelore Bothung sowie Wolfgang und Elke Hellriegel (v.l.)schauen sich alte Fotos und Postkarten an und bereiten das Treffen ehemaliger Bewohner von Hain und Kreudnitz vor. Quelle: André Neumann
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Rötha

Durch den Ort Hain floss die Pleiße. Rudolf Bothung (84) und Wolfgang Hellriegel (72) haben wie viele andere als Kinder in dem Flüsschen das Schwimmen gelernt. Kaum zwei Kilometer entfernt lag der etwas kleinere Ort Kreudnitz. Etwa auf halbem Wege, erinnern sich die beiden Männer, deren Familien damals nicht weit voneinander wohnten, lag die Bergschänke. Die hieß so, weil es rund um die beiden Orte, die etwa dort lagen, wo heute der Hainer und der Kahnsdorfer See sich erstrecken, tatsächlich Berge, zumindest Hügel gegeben haben soll. Hainische Schweiz stand sogar auf einer der Postkarten aus den Orten. So schön war es damals. Bis die Entsiedelung sich ankündigte, an den Grundstücken nichts mehr gemacht wurde und die Orte schließlich im Braunkohletagebau Witznitz untergingen.

Die Familien Bothung und Hellriegel, beide seit 1969 beziehungsweise 1970 in Rötha zu Hause, organisieren das siebente Treffen ehemaliger Bewohner der beiden Orte. Die werden sich am Sonnabend, 14 Uhr, im Volkshaus in Rötha wiedersehen. Das erste Treffen fand 1994 statt. Und es war ausgerechnet Hannelore Bothung (83), die einzige des Vierergespanns, die selbst nicht in einem der beiden Dörfer aufgewachsen ist, die damals den Anstoß für die Begegnung gab und sich in die Organisation kniete. Es kamen schließlich rund 400 Männer und Frauen im Volkshaus von Rötha zusammen, wo die Plätze kaum reichten. Den Auftakt machte damals noch ein gemeinsamer Gottesdienst.

14 Jahre später, beim vierten Treffen, wurden Fahrten an den Hainer See organisiert, wo mittlerweile ein Gedenkstein an die Orte Hain und Kreudnitz erinnerte. Der, erzählt Rudolf Bothung, war aus dem Erlös der ersten drei Treffen finanziert worden.

Ähnliche Aktionen wird es diesmal nicht geben, auch keine Vorträge oder Musik und dergleichen, was auch schon ausprobiert wurde. „Das stört“, ist Hannelore Bothung überzeugt. Denn die Leute wollen nichts anderes, als bei Kaffee und Kuchen miteinander reden und auch diskutieren. Über die Vergangenheit, die Gegenwart und über die Zukunft.

Das allein bietet genug Stoff für einen langen Nachmittag. Und selbst wenn statt 400 wie vor über 20 Jahren jetzt nur noch gut 120 Ehemalige erwartet werden, „wird die Zeit nicht reichen, um mit allen zu reden“, befürchtet Hannelore Bothung.

Dabei könnten allein die beiden Familien mit ihren Geschichten wahrscheinlich schon einige Stunden füllen. Schon allein, weil die Kindheit in Hain die schönste Zeit war, wie sich Rudolf Bothung erinnert. „Nach der Schule gehörte das Dorf uns. wir wussten, wo die besten Äpfel wuchsen und wie wir über die Zäune kamen.“ Seine Familie und die von Elke Hellriegel, die heute 68 ist und damals Krause hieß, waren Nachbarn. Die Eltern von Wolfgang Hellriegel wohnten ein paar Häuser weiter. Hellriegels Hochzeit war 1968 die letzte kirchliche Trauung in Hain, die letzte Taufe war die ihrer Tochter Heike im April 1969. Sie wissen noch, dass ihr Pfarrer Beckelmann hieß.

Und heute, fast 50 Jahre später, da aus der alles verschlingenden Kohlegrube attraktive Seen werden, haben sich die Ehemaligen mit den Geschehnissen versöhnt? Teils, teils. Hellriegels sind zwar schon mit Vergnügen über den ganzen See gepaddelt. Doch wurmt sie, dass nach der industriellen Nutzung die kommerzielle „für gut Betuchte“ weitergeht. „Die, die dort gewohnt haben“, sagt Wolfgang Hellriegel, „müssen heute froh sein, dass sie überhaupt auf den See dürfen.“ Und Rudolf Bothung, in dessen Garten Rosen auf Erde aus Hain wachsen, kann sich noch an sein erstes Bad im Hainer See erinnern, als das noch gar nicht offiziell erlaubt war. Das Gefühl, das ihn damals befiel, wird er wohl niemals richtig beschreiben können.

Von André Neumann

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