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Borna Röthaer Landwirte verlieren durch A 72 vierzig Hektar Ackerland
Region Borna Röthaer Landwirte verlieren durch A 72 vierzig Hektar Ackerland
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00:23 12.02.2018
Die Autobahntrasse zerschneidet zwischen Espenhain und Rötha die Felder der Agrargenossenschaft Pötzschau. In den Entwässerungsgräben steht derzeit das Wasser. Quelle: André Neumann
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Rötha/Espenhain

Die neue Autobahn A72 frisst Felder und hinterlässt geteilte Flächen, die komplizierter zu bewirtschaften sind. Betroffen ist davon zwischen Espenhain und Rötha die Agrargenossenschaft Pötzschau.

Wie ein großer, dicker Wurm wälzt sich die A 72 durch die Felder. Das ist auf der Karte gut zu sehen, mittlerweile aber auch sehr deutlich in der Landschaft. Rund 40 Hektar gehen der Agrargenossenschaft Pötzschau verloren, die ihren Sitz schon seit 1996 in Rötha hat.

Vierzig Hektar Land, teils gepachtet, teils Eigentum. Im Verhältnis zur Gesamtfläche von rund 2440 Hektar, die der Betrieb bearbeitet, ist das zwar nicht viel, aber: „Das Land ist weg“, sagt Dieter Gustmann, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Unwiederbringlich, für immer. Einerseits bedauert ein Landwirt den Verlust jedes einzelnen Hektars, andererseits seien gerade die Böden zwischen Espenhain und Rötha die besten, die der Betrieb habe. „Achtziger Böden“, sagt Gustmann. 100 ist die höchste Messzahl für die Qualität.

Erdaushub schädigt Boden

Deswegen ärgert sich der Landwirt auch über den zeitweiligen Entzug von rund 1,3 Hektar am Rand von Espenhain. Dort wird über mehrere Jahre Bodenaushub gelagert. „Hätte man dafür nicht irgendwo eine Unlandfläche finden können“, fragt Gustmann. Zwar werde das Unternehmen für verloren gegangene Flächen und für den vorübergehenden Ernteausfall entschädigt. Doch sei der Boden unter dem Erdlager „nachhaltig geschädigt“, ist er überzeugt.

Die Entschädigung für die überbauten Flächen bemesse sich nach dem Bodenrichtwert von 2012. Dafür sei heutzutage kein Ackerland mehr zu bekommen. Statt der Entschädigung wollte die Agrargenossenschaft lieber Land zum Ausgleich haben. Immerhin, so war die Überlegung, besitze die BVVG noch Ackerland in der Gegend. Doch die Vermögensverwertungsgesellschaft ist eine Bundesbehörde, während der Autobahnbau unter der Regie des Freistaates Sachsen läuft. „Da ging kein Weg rein“, sagt Gustmann.

Zwar bemühe man sich weiter um Ackerland, doch finde man niemanden, der etwas abgeben will. Was auch daran liege, dass durch Industrie und Infrastruktur ohnehin immer wieder hier und da Ackerland verloren gehe.

Wege auf die Felder werden länger

Neben dem reinen Verlust gibt es noch einen weiteren nachteiligen Effekt für die Landwirte. Auf den großen Feldern konnten die Maschinen lange, effektive Bahnen und Runden ziehen. Jetzt muss auf Splitterflächen mit spitzen Winkeln und kurzen Strecken häufig gewendet werden. Das ist nicht einfach mit den modernen, breiten Maschinen und treibt die Kosten hoch. Was noch erschwerend hinzukommt: Durch den Autobahnbau verlängern sich die Wege für die Landmaschinen auf die Felder, zumal einige Wirtschaftswege erst noch gebaut oder instand gesetzt werden müssen. Hier sieht Gustmann auch die Stadt in der Pflicht.

Dagegen sei noch nicht klar, ob die Entwässerung der kleineren Felder richtig funktioniert. Die großen Schläge hatten eine Drainage. Die wurde durchschnitten, dafür sind an den Rändern Gräben angelegt worden. In vielen von denen stehe derzeit das Wasser, beobachtet Dieter Gustmann.

Bei allem Kummer lobt er ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Autobahnbauern. „Das klappt schon gut , das muss man sagen.“ Das ist wichtig, wenn es beispielsweise um das Anlegen geeigneter Feldzufahrten gehe.

Von André Neumann

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