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Borna Röthaer Stadtraben überzeugen mit Stück zu Kirchschatz und Familie von Pflugk
Region Borna Röthaer Stadtraben überzeugen mit Stück zu Kirchschatz und Familie von Pflugk
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10:32 21.08.2017
„Das wird ein schlimmes Ende nehmen“, prophezeit der neue Pfarrer (r.) dem gierigen Ritter Heinrich von Pflugk (M.).  Quelle: André Neumann
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Rötha

 Mehrere Hundert Zuschauer haben in Rötha das neueste Stück der Theatergruppe Röthaer Stadtraben verfolgt und mit viel Beifall bedacht. Mit „Die Geschichte derer von Pflugk und der Kirchschatz von Rötha“ zelebrierten die 50 Darsteller ein Volkstheater-Epos über Ereignisse, die weit zurück liegen in der Historie der eigenen Stadt.

Das Geschlecht derer von Pflugk tauchte 763 nach Christus erstmal auf. Ab 1473 besaß die Adelsfamilie Rötha. 1592 übernahm die Familie von Friesen

Die Röthaer Stadtraben bringen ihr Stück mit insgesamt 50 Darstellern auf die Bühne. Quelle: André Neumann

die verschuldete Stadt. Was sich während dieser Zeit zugetragen haben könnte, das erzählten die Stadtraben am späten Sonnabendnachmittag auf der sonnenüberfluteten Bühne am Rand der Schlossparkwiese. Die Zutaten für zwei überaus vergnügliche Theaterstunden waren vielfältig.

Da war zuerst ein mit unermesslichem Fleiß in vielen Monaten erarbeitetes Drehbuch, für das sich Gabriele Richter auf die Ahnenforschung eines Nachfahren der Familie von Pflugk stützen konnte. Da waren Darsteller aus der Mitte der Röthaer Gesellschaft in großartigen Kostümen, die sich voller Spielfreude in die Welt ihrer Urahnen hineindachten. Dass unter den Laienschauspielern Menschen waren, die man kannte, machte die Sache für viele noch amüsanter. Und schließlich waren da die vielen köstlichen Dialoge, in denen die Autorin häufig all zu Menschliches und auch

Groß und Klein schaut sich das Heimatstück an. Quelle: André Neumann

Anspielungen an das Heute verpackt hatte. Gleich die erste Kostprobe gab Ex-Bürgermeister Ditmar Haym, der mit dem Ruf: „Wir wollen keine Steuern nach Rötha mehr bezahlen“ aufständische Bauern aus den umliegenden Dörfern zur Bauernschlacht nach Frankenhausen führt.

Das liebe Geld, darum, ja darum geht es im 2017er Stück der Stadtraben vom Anfang bis zum Ende. Janet Brehmer spielt so hingebungsvoll wie überzeugend die Rolle des Ritters Heinrich von Pflugk, der seine Wirtschaft und offenbar auch seine Familie nicht im Griff hat und der obendrein recht freizügig mit den Talern

Kostüme, die zu den vergangenen Zeiten des Stücks passen, runden das Theater ab. Quelle: André Neumann

umgeht. Schon etliche Schuldscheine liegen anstatt klingender Münzen in der Truhe mit dem Kirchenschatz (für den viele fleißige Helfer hunderte Kronkorken zusammen getragen haben), so dass es, wie er schließlich meint, auf einen weiteren nicht ankomme.

Pfarrer Benedict König (Ronald Ponert), der nur halbherzig der beginnenden Reformation zuneigt, lässt sich noch einmal auf den Handel ein. Sein Nachfolger Georgius Ebhardt, den Hans Joachim Keil mit großer Geste und kräftiger Stimme verkörpert, ist da schon von einem anderem Kaliber. Keinen einzigen Taler rückt er an Heinrich mehr heraus und prophezeit: „Das wird ein schlimmes Ende nehmen.“

Womit er, was den bald verhökerten Kirchenschatz, die von Pflugks und Rötha betrifft, bekanntlich nicht unrecht hatte, wie der Fortgang der Geschichte zeigte. Bis am Ende auf der Bühne Daniel Danz als Carol von Friesen auftritt und das Blatt, wie man auch weiß, wendete.

Das alles erzählen die Stadtraben mit Lust und ausgefeilter Tontechnik vor einer tollen Kulisse.

Nichts erinnerte mehr an den Abend zuvor, als dem einen oder anderen Akteur für einen Moment der Atem gestockt haben mag. Denn der plötzliche heftige Sturm riss gleich nach der gelungenen Generalprobe Bauzäune um, ließ Zelte einstürzen und fegte Teile der Kulissen hinweg. Am nächsten Morgen fassten Darsteller, Freunde und Bekannte mit an und verwandelten das Areal wieder in ein Freilufttheater.

Bei wieder schönem Wetter verfolgen Hunderte Zuschauer die Vorstellung der Röthaer Stadtraben. Quelle: André Neumann

Von André Neumann

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