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Borna Röthaer geht nach Trinkgelage und Schlägen drei Jahre und drei Monate in Gefängnis
Region Borna Röthaer geht nach Trinkgelage und Schlägen drei Jahre und drei Monate in Gefängnis
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00:35 25.03.2018
Die Staatsanwaltschaft spricht von Heimtücke und Grausamkeit. Foto: David Ebener/Illustration Die Staatsanwaltschaft spricht von Heimtücke und Grausamkeit. Foto: David Ebener/Illustration Quelle: dpa
Leipzig/Rötha

Er bedankte sich formvollendet und nahm das gestern gegen ihn am Landgericht Leipzig verhängte Urteil ohne Zögern an: Der Röthaer Günter M. (66) muss eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verbüßen.

Die erste Strafkammer unter Vorsitz von Hans Jagenlauf befand ihn der gefährlichen Körperverletzung in drei Fällen für schuldig, außerdem zwei weiteren einfachen Körperverletzungen. Dieser Fall sei nicht der Inbegriff einer großen kriminellen Karriere, sondern leider Folge übertriebenen Alkoholkonsums, hieß es zur Begründung. Der habe letztlich zu „ganz erheblichen Straftaten“ geführt.

Vorwurf der Tötung fallen gelassen

„Sie haben Glück gehabt“, meinte Jagenlauf. Glück, dass das Opfer – der Nachbar Wolfgang W. aus dem Plattenbau in der Ernst-Thälmann-Straße in Rötha – die Attacke überlebte. Derartig wuchtige Schläge gegen den Kopf seien durchaus geeignet, von einem Tötungsdelikt auszugehen.

Es kam nicht dazu, weil der Angeklagte schließlich von seinem mit einem hölzernen Tischbein verletzten Opfer abließ und nichts weiter unternahm. Der 63-Jährige konnte flüchten, eine Hausbewohnerin verständigte die Polizei. Dies ist laut Gericht ein strafbefreiender Rücktritt, der von der Staatsanwaltschaft Leipzig angeklagte versuchte Totschlag damit nicht mehr zutreffend.

Möglicherweise könne der Nachbar seinerzeit Anlass zur Verstimmung gegeben haben, das rechtfertige die massive Gewalteinwirkung aber nicht. Ein Rechtsmediziner hatte nach dem massivsten Vorfall im Septmber vorigen Jahres von „potenzieller Lebensgefahr“ gesprochen, attestierte unter anderem ein Schädelhirntrauma, Spätfolgen seien nicht zu erwarten.

Tatsache ist: Der Angeklagte hat ein massives Alkoholproblem, auch wenn er es selbst nicht sieht. Dennoch verzichtete die Strafkammer auf eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. „Wir sehen keine ausreichende Erfolgsaussicht für eine entsprechende Therapie“, erläuterte Jagenlauf. Günter M. habe bereits einen Entzug abgebrochen, trinke seit sehr langer Zeit. „Es wird an Ihnen liegen, dass sich solche Taten nicht wiederholen.“

Angeklagter nur vermindert schuldfähig

Das Gericht schloss sich der Ansicht des psychiatrischen Sachverständigen an, der dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit bei den Taten zubilligte – nur alkoholbedingt raste er aus. Werte zwischen 2,4 bis 3 Promille wurden bei ihm festgestellt. Ein ähnlich hoher Pegel hatte übrigens auch der Nachbar. „Beide konnten nicht voneinander lassen, aber auch nicht allein leben“, beschrieb Jagenlauf die Zweckgemeinschaft der beiden Trunkenbolde.

Der gelernte Baumaschinist, der von EU-Rente lebt, ist einschlägig vorbestraft, saß bereits im Gefängnis. Umstände, die bei der Strafhöhe zu berücksichtigen sind, so Staatsanwalt Torsten Naumann. Er sah die Vorwürfe im großen und ganzen bestätigt, beantragte eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.

Verteidiger Markus Czempik hatte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten plädiert. In einem Fall sehe er keinen Tatnachweis und beantragte Freispruch. Sein Mandant hatte in diesem Punkt – eine Auseinandersetzung mit einer Bierflasche – bestritten, das Opfer im Prozess aber keinerlei Erinnerung mehr daran. Folge des langjährigen Alkoholgenusses. Das Gericht habe aber keine Zweifel an den Aussagen des Zeugen vor der Polizei

Von Saskia Grätz

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