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Röthas Bürgermeister geht in den Ruhestand und blickt im Interview zurück

Ditmar Haym Röthas Bürgermeister geht in den Ruhestand und blickt im Interview zurück

Ditmar Haym (parteilos) ist seit 1984 bis jetzt Bürgermeister – von Mölbis und später von Rötha, unterbrochen nur durch zwei Jahre, in denen er Ortsvorsteher von Mölbis war. Ende Januar geht der 66-Jährige in den Ruhestand. Zuvor hat er der LVZ ein Interview gegeben, in dem er auf seine lange Amtszeit zurückblickt.

Ditmar Haym beendet mit 66 Jahren seine Tätigkeit als Bürgermeister von Rötha.

Quelle: Andreas Döring

Rötha. Am 31. Januar geht Röthas parteiloser Bürgermeister Ditmar Haym (66) in den Ruhestand. Im LVZ-Interview spricht er über seine Karriere, Wendeerlebnisse, wichtige Entscheidungen und den Wahlkampf seiner Tochter.

Warum sind Sie 1984 Bürgermeister von Mölbis geworden?

Ich war seit zehn Jahren Gemeinderatsmitglied. Der Kreis wollte eine Veränderung der Situation. Ich wurde eingesetzt und im Juni per Wahl bestätigt.

Und warum sind Sie in der Wendezeit Bürgermeister geblieben?

Ich hatte das Vertrauen der Mölbiser mit übergroßer Mehrheit und wurde vom Gemeinderat, der damals noch den Bürgermeister zu wählen hatte, einstimmig bestätigt. Ich wollte weitermachen, weil ein Bürgermeister für die Menschen da sein muss, und das glaubte ich zu sein.

Als Mölbis 1999 nach Espenhain eingemeindet wurde, blieben Sie Ortsvorsteher. 2001 wurden Sie Bürgermeister von Rötha. Sie wollten nicht mehr loslassen?

Einen größeren Vertrauensbeweis konnte man kaum bekommen, als den, mit der Geschichte von Mölbis dann auch noch als Bürgermeister von Rötha gewählt zu werden. Die Arbeit als erster Mann einer Gemeinde oder Stadt ist eine Erfüllung meines Lebens.

Nun sind sie gerade 66 geworden. Sie hätten ohne die Eingemeindung von Espenhain schon seit einem knappen halben Jahr ihren Ruhestand genießen können.

Nachdem die Ehe zwischen Böhlen, Rötha und Espenhain nicht bis zur Bürgermeisterwahl im Juni hinzubekommen war, hätte Espenhain allein in den nächsten Jahren nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister gehabt. Ich glaube, ich war es der Stadt und Espenhain mit meiner ehemaligen Heimatgemeinde Mölbis schuldig, dass wir diesen Weg mit der Eingemeindung von Espenhain und der späteren Bürgermeisterwahl gegangen sind und ich damit länger im Amt bleiben musste. Für die Zusammenführung der Kommunen hätte es sogar noch längere Zeit gebraucht.

Wenn Sie auf die Zeit seit 1989 schauen, haben sich die großen Erwartungen aus der Wendezeit erfüllt?

Ich würde sagen, die Wünsche von damals haben sich zum großen Teil erfüllt. Mölbis ist aufgeblüht. Allerdings sind wir in Rötha wegen knapper Finanzen mit der Entwicklung der Infrastruktur nur wenig vorangekommen und wir konnten keine größeren Flächen für den Einzelhandel ausweisen. Für viele kleine Orte ist die Daseinsfürsorge ein Problem. In meinem Wohnort gibt es ja wenigstens noch einen Tante-Emma-Laden. Der Gasthof hat jetzt bedauerlicherweise geschlossen.

Die Häuser sind schöner geworden, die Straßen besser, die rauchenden Schornsteine sind weg. Doch wie haben sich die Menschen in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Die Menschen sind mit der gesellschaftlichen Entwicklung kritischer geworden. Sie haben erlebt, das Umweltprobleme beseitigt wurden aber eben auch, dass Leute auf der Strecke bleiben, die keine hoch qualifizierten Arbeiten ausführen können. Die Bevölkerung ist kritischer und fordernd: Man sieht, dass Steuern steigen und erwartet, dass das Lebensumfeld mithält. Was leider nicht der Fall ist, weil die finanzielle Entwicklung der Kommunen das nicht hergibt.

Was waren für Sie einschneidende Wenderlebnisse?

Dass ich als SED-Bürgermeister 1989 in die politische Wende einbezogen wurde und an mehreren runden Tischen saß. Das eigentliche Schlüsselerlebnis war der Beschluss der Modrow-Regierung 1990, wonach der Ort Mölbis, der 1987 wegen der extremen Umweltbelastung noch weggerissen werden sollte, nun selbst entscheiden durfte. Die Leute entschieden sich zum Bleiben.

Welches waren Ihre wichtigsten, nachhaltigsten Entscheidungen?

Nachdem die Finanzsituation geklärt war, begann in Mölbis ein kontinuierlicher Prozess. Wichtig waren sicher die Beschlüsse für sozialen Wohnungsbau und für Eigenheimstandorte. Auch für Rötha waren die Entscheidungen für die Baugebiete Rietzscheketal und Haeckelstraße sehr wichtige. In der Stadt ist es mir zudem gelungen, die Vereine in die Entwicklung einzubeziehen.

Schauen wir noch auf den Kampf um Ihre Nachfolge. Haben Sie ihre Tochter nie vor dem Job gewarnt?

Sie hat sich aus freien Stücken um meine Nachfolge bemüht. Sie hat die Herausforderung gesehen wie ich 1984: Mit Menschen eine Veränderung zu schaffen.

Wie sehr belastet die Niederlage Ihrer Tochter Ihren eigenen Abschied vom Amt?

Ich empfinde den Wahlausgang nicht als Niederlage für meine Tochter sondern als Lernprozess, wie man sich den Problemen einer Stadt nähern muss, um alteingesessenen Vorurteilen zu begegnen. Schade, dass ihr das nicht gelungen ist.

Sehen Sie Rötha jetzt dennoch in guten Händen?

Die Bevölkerung hat entschieden. Ich glaube, es wird schwierig, die Dinge, die Herr Eichhorn im Wahlkampf genannt hat, umzusetzen. Er braucht das Verständnis des Stadtrates und der Einwohnerschaft dafür, dass es ein langer Prozess wird.

Wer darf Sie ab dem 1. Februar noch anrufen?

Eigentlich jeder. Man kann so eine lange Zeit nicht mit der Stunde Null beenden. Ich bin gern bereit, meine Hilfe bei begonnenen Projekte anzubieten. Die engen Beziehungen zu Stadträten und Angestellten werden nicht abrupt enden.

Was erwartet den Pensionär Ditmar Haym zu Hause?

Meine Familie, die Kinder, in Haus und Hof gibt es zu tun. Und ich bin noch Vorsitzender der Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis. Meiner Familie bin ich dankbar, dass sie mir diesen Weg ermöglicht hat und es nie eine Behinderung für mein großes politisches Engagement gab.

Zur Person: Dietmar Haym

Ditmar Haym wurde am 9. Januar 1950 in Leipzig geboren und lebt von Kindheit an in Mölbis. Der gelernte Elektriker ist seit 1974 verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Seine Karriere als Bürgermeister begann am 6. März 1984 in seinem Heimatort. In der Wendezeit wurde er im Amt bestätigt, ab 1994 war er ehrenamtlich als Gemeindeoberhaupt tätig. Als Mölbis 1999 Ortsteil von Espenhain wurde, wurde Ditmar Haym Ortsvorsteher. 2001 setzte er sich bei der Bürgermeisterwahl in Rötha durch, wo er seit 1995 als Hauptamtsleiter tätig war. Eigentlich hätte Ditmar Haym bereits im Sommer nach den regulären Bürgermeisterwahlen in den meisten sächsischen Kommunen mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen können. Wegen der Eingemeindung von Espenhain und der deswegen verschobenen Wahl, bleibt er bis Ende Januar im Amt.

Von André Neumann

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