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Röthas himmlische Krönung bekommt nach 500 Jahren eine Erfrischungskur

Röthas himmlische Krönung bekommt nach 500 Jahren eine Erfrischungskur

Weißes Pulver ist irritierend und verräterisch. Besonders wenn es aus winzigen Löchlein zu Boden rieselt, von denen man hoffte, sie seien alt, ausgetrocknet und unbewohnt.

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Restauratorin Algis Wehrsig (l.) bespricht mit Kunsthistorikerin Steffi Bodechtel das weitere Vorgehen am Altar der Marienkirche in Rötha.

Quelle: André Neumann

Doch leider: Mit Beginn der gerade laufenden Restaurierung des Altars in der Marienkirche Rötha wurde ein aktueller Anobien-Befall festgestellt. Der Holzwurm fraß sich in die Gewänder der heiligen Figuren auf dem sechs Meter hohen Schnitzwerk. Deswegen dauert die Erfrischungskur für das Kunstwerk, an dem die freischaffende Restauratorin Algis Wehrsig aus Dresden seit Juni arbeitet, vermutlich etwas länger als geplant, denn Anobium punctatum legt man am besten im Frühjahr das Handwerk.

Doch was sind schon ein paar Wochen mehr oder weniger mit eingerüstetem Altar? Zeit, die verblasst angesichts der rund 500 Jahre, die dieses Kunstwerk in Rötha überdauerte, das gleich mehrere Besonderheiten aufweist und in einer Hinsicht sogar einzigartig in Sachsen ist. Gottvater und Christus krönen Maria, der heilige Andreas und Johannes der Täufer wohnen von links, die heilige Barbara und die heilige Katharina von rechts der himmlichen Zeremonie bei. Wer die Szene vor fünf Jahrhunderten, um 1525, ins Lindenholz bannte, ist unbekannt. Die Fachleute gehen davon aus, dass es ein Meister aus dem Umkreis des bedeutendsten niederbayrischen Bildschnitzers Hans Leinberger gewesen sein muss.

Der Altar in der Marienkirche ist einer der letzten großen Schnitzaltäre, die vor der Einführung der Reformation in Sachsen errichtet wurden. Die Qualität des Schnitzwerkes suchte damals in der Leipziger Gegend ihresgleichen. Die größte Besonderheit aber ist bis heute sichtbar: keine Farbe, pures Holz. Die Experten vom Landesamt für Denkmalpflege sprechen von "Holzsichtigkeit". Und das gibt es unter den bekannten spätgotischen Holzaltären in Sachsen nur ein einziges Mal, hier in Rötha.

Wobei keine Farbe nicht ganz stimmt, bei näherem Hinsehen erkennt man rote Lippen, schwarze Pupillen und Augenbrauen, rote Edelsteine in den Kronen und sogar Spuren eines blauen Himmels, an dem die Engel über der Krönungszeremonie schweben. Algis Wehrsig wird die Farben in Gesichtern und an den Kronen wieder deutlicher sichtbar machen, wo nötig auch vorsichtig neue auftragen. Über das Himmelsblau werde noch nachgedacht, deutet Steffi Bodechtel an, die im Landesamt für Denkmalpflege die Konzeption für die Restaurierung erarbeitet hat. Ihr Kollege Arndt Kiesewetter glaubt eher nicht, dass der Himmel wieder blau wird.

Bevor Algis Wehrsig sich der Farbe widmet, hat und hatte sie damit zu tun, den Altar von Spuren der vergangenen fünf Jahrhunderte und aus heutiger Sicht ungeschickter früherer Behandlungen zu befreien. Zentimeter für Zentimeter entfernte sie behutsam mit sogenannten Gel-Kompressen, Tupfern und Pinsel Schmutz und Staub, aber auch Flecke von früher angewendeten Holzschutzmitteln. Zu erahnen sind noch Reste einer weißen Farbe, mit der der gesamte Altar um 1720 überzogen wurde. Kiesewetter spricht von einer "nicht besonders kunstvollen" Restaurierung. Nicht umsonst wurde der Anstrich 200 Jahre später wieder abgenommen. Nach der Reinigung werden Schadstellen ausgebessert. Wobei die Restauratorin sich nicht etwa an den tausenden Löchlein des Holzwurmes vergreift, wohl aber werden aufgebrochene Fraßgänge und andere Schadstellen verschlossen.

Rund 50 000 Euro wird die Restaurierung des Altars kosten. Die Kirchgemeinde, sagt Pfarrer Christoph Krebs konnte das nur dank öffentlicher und privater Förderung in Anspruch nehmen, ein großer Teil des Geldes kommt von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und vom Freistaat Sachsen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2015

André Neumann

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