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Rückgabe von Authentizität

Rückgabe von Authentizität


Rötha/Leipzig. Eine Rückkehr in die alte Heimat Rötha: Heinrich Freiherr von Friesen überlässt dem Förderverein Rötha „Gestern.

. Heute. Morgen" das Mobiliar des einstigen Allianzzimmers. Das einzig erhaltene Relikt aus dem 1969 gesprengten Schloss Rötha erinnert an die europäische Geschichte, die zur Völkerschlacht 1813 in Rötha geschrieben wurde. In der Villa Ida in Leipzig wurde am Dienstagabend der Leihvertrag geschlossen – Voraussetzung für eine nachhaltige Präsentation der wertvollen Schloss-einrichtung.

Auch wenn es fast in Vergessenheit geraten ist: Das Schloss zu Rötha war vom 16. bis 19. Oktober 1813 Hauptquartier der Alliierten. Der russische Zar Alexander I, der österreichische Kaiser Franz I. und Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. fassten dort entscheidende Beschlüsse zum Sieg über Napoleon. Ein historischer Fakt, der zum Jubiläum der Völkerschlacht 2013 angemessen gewürdigt werden soll.

Die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig, seit vielen Jahren Förderer von Projekten zum Thema Völkerschlacht, gewährt den Röthaer Protagonisten für ihr Projekt 2013 großzügige Unterstützung. Die Stiftung habe sich aus neun Einzelprojekten des Fördervereins Rötha drei zur exclusiven Förderung herausgesucht, erläuterte Stephan Seeger, Direktor der Stiftung. „Mit dem Ziel, die Rolle Röthas bei der Neuordnung Europas bekannt zu machen", so Seeger. Rund 200 000 Euro – „die bislang größte Summe" – kommen Rötha zugute. Im Wesentlichen geht es dabei um den Wettbewerb „Zukunft durch Erinnerung", der eine Gestaltung des früheren Schlossareals vorsieht. Es geht um die Restaurierung des Schlossparks, dessen Anlage nach dem Vorbild von 1938 (zur 125-Jahrfeier der Völkerschlacht) hergerichtet werden soll. Und schließlich geht es um ein Familientreffen, die Nachfahren des ehemaligen Hauptquartiers vereinen wird und eine Friedensbotschaft verkünden möchte.

Seeger dankte Heinrich Freiherr von Friesen für sein großzügiges Mäzenatentum, das dem Spruch „Adel verpflichtet" in bestem Sinne gerecht werde. „Der Freiherr hat eine Form gewählt, wie sie in unserer Zeit nicht selbstverständlich ist", sagte der Fördervereins-chef Walter Christian Steinbach. Das Zimmer werde in einer musealen Variante von 1938 in Rötha „einen dauerhaften Ehrenplatz" erhalten.

Er möchte der Stadt mit dem Zimmer einen Teil ihrer Authentizität zurückgeben, begründete Heinrich Freiherr von Friesen seine Haltung. „Der Abriss eines solchen Schlosses war ein Akt der Barberei". Die Reste der Einrichtung seien „wie durch ein Wunder und die Bemühungen meines Vaters" erhalten geblieben, so der Adlige, der „in geordneten Verhältnissen lebt". Er sei daher nicht veranlasst, diese wunderbaren Gegenstände zu verkaufen.

Zum restituierten Bestand des Schlossinterieurs, das bis 2008 auf Burg Gnandstein gezeigt wurde, gehören Möbel, chinesisches und Meißener Porzellan, Vasen und Zeugnisse aus der klassizistischen Zeit wie ein Warmluftofen aus Terrakotta. „Eine Gesamtdarstellung ist zurzeit noch nicht möglich", erläuterte Sabine Schneider, die die denkmalpflegerische Zielstellung – Grundlage für die Ausstellung – erarbeitet. Teile des Zimmers werden zunächst in der Patronatsloge von St. Marien gezeigt. Zum Tag des offenen Denkmals soll die Ankunft des Zimmers festlich begangen werden, kündigte Steinbach an. Langfristig soll das ganze Zimmer ausgestellt werden.

Saskia Grätz

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