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Rückhaltebecken Terpitz: Naturschützer blockieren Baustart

Planfeststellungsverfahren Rückhaltebecken Terpitz: Naturschützer blockieren Baustart

Dass ein nächster Starkregen erneut den Rattebach anschwellen lässt, Häuser und Grundstücke in Kohren-Sahlis überflutet – dieses Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen. Ein Rückhaltebecken könnte die Gefahr minimieren. Geplant daran wird seit einem halben Jahrzehnt. Naturschützer blockieren den Baubeginn.

Terpitz, Ortsteil von Kohren-Sahlis.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Wie viele Wolkenbrüche die Terpitzer und Kohren-Sahliser noch erleben werden, ehe ein Damm ihre Grundstücke vor den Wassermassen des gern schnell anschwellenden Rattebaches schützt, wagt niemand zu prognostizieren. Das Planfeststellungsverfahren, das für das Terpitzer Rückhaltebecken Baurecht schaffen soll, ist seit einem halben Jahrzehnt in Fluss. Ein Ende ist nicht absehbar, ein Bauzeitraum damit Spekulation. Die lange Verfahrensdauer schlägt Wellen in der kommunalen Politik. Und sie sorgt für Mehrkosten, da inzwischen mehrere naturschutzrechtliche Gutachten als nicht mehr aktuell gelten und ein zweites Mal erarbeitet werden müssen.

„In zwei wichtigen Punkten haben wir uns inzwischen verständigen können“, sagt Henriette Salewski, Betriebsteilleiterin der Landestalsperrenverwaltung (LTV) in Rötha, der LVZ. Sie meint jene „sehr vielen Forderungen der Oberen Naturschutzbehörde“, die immer wieder Änderungen und Ergänzungen erforderlich machten und zu zahlreichen Gesprächen mit der Landesdirektion führten. Bereits im März 2012 habe die LTV den Antrag auf Planfeststellung eingereicht. Wann man die Genehmigung für den Bau eines rund 150 Meter langen und bis zu neun Meter hohen Dammes erhalte, sei schwer abzuschätzen.

Das Becken soll rund 218 000 Kubikmeter Wasser zurückhalten können und schwere Schäden an Grundstücken in der Infrastruktur – wie sie zuletzt 2013 durch eine Sturzflut verursacht wurden – verhindern. Man wolle die ergänzten Unterlagen bis zum Herbst einreichen. Danach folgten eine Erörterung und günstigenfalls der Planfeststellungsbeschluss. „Erst wenn wir den haben, können wir an die Ausführungsplanung des Bauwerkes gehen. Vorher hat das keinen Sinn.“ Salewski verweist darauf, dass inzwischen manche Datengrundlage behördlicherseits als veraltet betrachtet werde. So hätten unter anderem die Vorkommen von Fledermäusen und Amphibien neu kartiert werden müssen, was in Summe Mehrkosten von rund 40 000 Euro produziere.

„Augenblicklich finden Abstimmungen mit der Landestalsperrenverwaltung statt, da insbesondere die naturschutzfachlichen Unterlagen nochmals geändert werden müssen“, formuliert es Mandy Taube, stellvertretende Pressesprecherin der Landesdirektion. Die erneute Überarbeitung der Unterlagen solle „den Anforderungen aus der sehr differenzierten Rechtsprechung zum Naturschutz soweit wie möglich entsprechen“. Eine „seriöse Aussage zum Zeitpunkt des Abschlusses des Planfeststellungsverfahrens und damit der Erteilung des Baurechts“ sei derzeit nicht möglich.

Für dieses überaus schleppende Verfahren hat der Kohren-Sahliser Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) null Verständnis. „Trotz neuer Unwetter, die immer wieder drohen können, muss die sächsische Regierung zu ihrem Wort zu stehen und vorbeugende Maßnahmen schnellstmöglich fertigstellen, auch wenn das mit Einschnitten in den Naturschutz und den Denkmalschutz verbunden ist. Das wurde nach dem Hochwasser 2013 so kommuniziert.“ Und das sei auch völlig einleuchtend – nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass es Kohren-Sahlis gerade gelungen sei, in zwei Dutzend Maßnahmen die Schäden dieser Flut endlich zu beseitigen mit 1,4 Millionen von Euro, die der Freistaat dafür zur Verfügung gestellt habe.

Das Auffinden neuer, besonders schützenswerter Käferarten und ähnliches „rechtfertigt auf keinen Fall das Zerstören von Hab und Gut der Bürger in Kohren-Sahlis“, zumal die Natur selbst ja ebenso in Mitleidenschaft gezogen würde: „Beim nächsten Hochwasser gibt es den Käfer nicht mehr, da auch er weggeschwemmt wurde. Ich denke eher, dass das Becken nicht gewollt ist.“ Das könne man niemandem vermitteln, und das könne er auch nicht akzeptieren.

Von Ekkehard Schulreich

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