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Rückkehr in den Altar

Rückkehr in den Altar

Eine außergewöhnliche Geschichte: Pünktlich vor Ostern kehrte das lange gestohlen geglaubte Holzrelief aus dem Altar der Marienkirche zu Rötha gestern an seinen Originalplatz zurück.

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Fotoobjekt der Begierde: Der Einbau des Predellenreliefs in den Altar der Marienkirche Rötha durch die Restauratorinnen Steffi Bodechtel und Birgit Spiess (v.l.) stieß gestern auf reges Medieninteresse.

Quelle: Jakob Richter

Rötha. Knapp 65 Jahre nach einem Einbruch in das Gotteshaus im Mai 1948 kann dieses Kapitel der Röthaer Kirchengeschichte endlich geschlossen werden.

Sicher in einer Decke geschützt und gut verpackt trat die kunsthistorisch wertvolle Schnitzarbeit ihren Weg aus der Werkstatt von Restauratorin Birgit Spiess nach Rötha an. Journalisten und Fotografen, Vertreter der Kirchgemeinde und vom Förderverein zur Restaurierung der Marienkirche bereiteten dem Predellenrelief einen angemessenen Empfang. In den vergangenen Tagen war die aus Lindenholz gefertigte Abendmahlszene von Spiess mit Pinsel und Radierschwamm vom Staub befreit worden. Auf Anraten des Landesamtes für Denkmalpflege wurde das Relief nur trocken gereinigt. Die Gesamtrestaurierung des in Sachsen einzigartigen holzsichtigen Altars stehe noch bevor. Wann das sein wird, ist noch nicht klar. "Wir führen in diesem Jahr eine kunsthistorische Untersuchung und eine Schadensanalyse durch", sagte Restauratorin Steffi Bodechtel vom Landesamt für Denkmalpflege. Aus den Ergebnissen werde dann ein Konzept für das weitere Vorgehen erstellt. Der Termin für die Rückkehr der Gesprengefiguren des Altars, die zurzeit in der in Dresden ansässigen Behörde restauriert werden, hingegen sei klar: Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September soll der rund 500 Jahre alte Altar in St. Marien vollständig sein, sagte Bodechtel.

Mit ein paar fachkundigen Handgriffen wurde das Relief gegen Diebstahl gesichert. "Ich hoffe, dass es gut festgeschraubt wird, dass potenzielle Diebe das Interesse verlieren", sagte Uwe Herrmann vom Kirchenvorstand.

Schon am Gründonnerstag kann das Predellenrelief beim Abendmahlgottesdienst ab 18 Uhr bewundert werden. Auch die Andacht zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag ab 15 Uhr bietet Gelegenheit für den ungetrübten Blick.

Die Umstände des Verschwindens bleiben wohl für immer im Dunkel, sagt Pfarrer Christoph Krebs. In einer Akte, die im Pfarrhaus aufbewahrt wird, ist der Briefwechsel um den Diebstahl am 19. Mai 1948 dokumentiert. Totenbettmeister Backe hatte den Einbruch bemerkt und den damaligen Pfarrer verständigt. Der oder die Täter hatten seinerzeit das Hauptportal aufgebrochen. Am Altar wurde eine Verzierung an der oberen Kante abgebrochen und der Altarteppich gestohlen, vermutlich um darin das Predellenrelief einzupacken. Auch das Schwert mit der linken Hand der heiligen Barbara wurde herausgetrennt - aber hinter dem Altar gefunden. Womöglich waren die Diebe gestört worden.

Das Predellenrelief hing wie berichtet Jahrzehnte im Wohnzimmer eines alten Herrn in Portitz. Nach dessen Tod Ende vorigen Jahres erreichte Stephan Eichhorn, der Vorsitzende des Fördervereins Marienkirche, eine außergerichtliche Einigung mit dem Erben. Über die Konditionen wurde Stillschweigen vereinbart.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.03.2013

Grätz, Saskia

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