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Borna Rückwärts immer mit Einweiser: Mülllaster haben in engen Straßen erhebliche Probleme
Region Borna Rückwärts immer mit Einweiser: Mülllaster haben in engen Straßen erhebliche Probleme
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00:17 10.10.2017
Der Blick in den Spiegel allein reicht nicht: Ein Einweiser ist vielerorts Pflicht. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Borna

Nur wenige Zentimeter zurücksetzen musste der Fahrer eines der dunkelgrünen Müllautos der Kell GmbH, um an einem parkenden Wagen vorbeizukommen. Diese Sekundenbruchteile nutzte ein älterer Mann, um mit seinem Fahrrad unmittelbar hinter dem Laster die Straße zu queren. Der Fahrer konnte ihn nicht sehen. Es kam zum Zusammenstoß. Zum Glück erlitt der Passant nur Schürfwunden, sein Rad Deformationen.

„Rückwärtsfahren ist ein heißes Thema. Und auch eines, das in der Branche zurzeit heiß diskutiert wird“, sagt Christoph Loeber. Der Prokurist und Bereichsleiter Betrieb der Kommunalentsorgung Landkreis Leipzig (Kell) weiß, wovon er spricht. Dass Berufsgenossenschaft und Unfallkassen mehr Sicherheit wollen, trifft sich mit den eigenen Intentionen. Froh ist er dennoch, das ein generelles Rückwärts-Fahrverbot für die Mülllaster vom Tisch ist: „Wir haben im Landkreis schließlich an die 500 Strecken, wo wir rückwärts fahren müssen, weil es anders nicht geht.“

Beinahe-Unfälle mit Müllfahrzeugen, Unfälle mit Verletzten, gar mit getöteten Personen gebe es bundesweit Jahr für Jahr, sagt Loeber: „Was hinter dem Fahrzeug geschieht, ist für den Fahrer nicht einsehbar – auch nicht mit den vielen Spiegeln, auch nicht durch Kameras.“ Um die Risiken einzuschränken, habe die Branche im vergangenen Jahr neue Regelungen erlassen. Rückwärts fahren sei demnach nur erlaubt in Straßen, die mindestens 3,50 Meter breit seien; die Strecke dürfe nicht mehr als 150 Meter messen. „Und es geht nur mit Einweiser. Bei uns in der Kell ist das schon immer so.“ Das kommunale Unternehmen verfügt über 18 Fahrzeuge zur Müllentsorgung und zur Leerung der blauen Papiercontainer und -tonnen.

Die neue Verordnung hat zur Folge, dass die Kell die besagten 500 Strecken in der Region, auf denen die Fahrzeuge schon rückwärts rangieren, genau unter die Lupe nimmt.

„Die sehen wir uns jetzt an und erstellen für jede, wie es gefordert ist, eine Gefährdungsbeurteilung“, sagt Loeber. Aufgrund des erheblichen Aufwandes, der neben der eigentlichen Tätigkeit gestemmt werden müsse, werde man erst Ende 2018 am Ziel sein. Dann wisse man, wo was für mehr Sicherheit getan werde könne – etwa auch durch einen Rückschnitt von Gehölzen, um das Sichtfeld aufzuweiten. Es werde aber auch „einige wenige Strecken geben, in die wir nicht mehr hineinfahren, weil die Gefahr zu groß ist“. Dann sei es am Landkreis, gemeinsam mit den Kommunen und den Eigentümern vor Ort Lösungen zu finden, etwa indem ein Sammelplatz für Müllbehälter an eine günstigere Stelle verlegt werde.

„Im ländlichen Bereich sind die Straßen enger, aber nicht so zugeparkt – und man ist hier eher bereit, die Tonne auch mal ein paar Meter zu schieben“, so der Betriebsleiter. Prekärer sei die Situation in Siedlungen mit engen Straßen und vielen parkenden Autos. In den nächsten Wochen und Monaten, falls es einen Winter mit ordentlich Schnee und Eis gebe, würden sich diese Probleme noch verstärken: „Da gibt es Straßen, da haben wir schon beim Vorwärtsfahren unsere Schwierigkeiten.“ Dass Kommunen ihren Winterdienst einschränkten, sei so gesehen kontraproduktiv. Christoph Loeber versichert, dass die Teams auf den Müllfahrzeugen ihre Arbeit so gewissenhaft und so umsichtig wie möglich absolvierten. Manches liefe besser, wenn Rücksichtnahme nicht als eine Einbahnstraße verstanden würde: „Manche Leute sind richtig aggressiv. Einem unserer Mitarbeiter hat eine Autofahrerin die Mülltonne förmlich aus der Hand gefahren.“

Von Ekkehard Schulreich

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