Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Rückwärts immer mit Einweiser: Mülllaster haben in engen Straßen erhebliche Probleme

Arbeitssicherheit Rückwärts immer mit Einweiser: Mülllaster haben in engen Straßen erhebliche Probleme

Wer ein Müllfahrzeug steuert, braucht Nerven. In vielen Siedlungen geht es eng zu. In viele Straßen kommt der Laster nur, wenn er rückwärts fährt. Das birgt Gefahren. Die zu verringern, muss der Entsorger Kell 500 dieser Passagen jetzt genauer untersuchen.

Da ist Umsicht gefragt: In zahlreiche schmale Straßen können die grünen Laster der Kell GmbH nur rückwärts hineinfahren. Ein Einweiser ist Pflicht.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Nur wenige Zentimeter zurücksetzen musste der Fahrer eines der dunkelgrünen Müllautos der Kell GmbH, um an einem parkenden Wagen vorbeizukommen. Diese Sekundenbruchteile nutzte ein älterer Mann, um mit seinem Fahrrad unmittelbar hinter dem Laster die Straße zu queren. Der Fahrer konnte ihn nicht sehen. Es kam zum Zusammenstoß. Zum Glück erlitt der Passant nur Schürfwunden, sein Rad Deformationen.

„Rückwärtsfahren ist ein heißes Thema. Und auch eines, das in der Branche zurzeit heiß diskutiert wird“, sagt Christoph Loeber. Der Prokurist und Bereichsleiter Betrieb der Kommunalentsorgung Landkreis Leipzig (Kell) weiß, wovon er spricht. Dass Berufsgenossenschaft und Unfallkassen mehr Sicherheit wollen, trifft sich mit den eigenen Intentionen. Froh ist er dennoch, das ein generelles Rückwärts-Fahrverbot für die Mülllaster vom Tisch ist: „Wir haben im Landkreis schließlich an die 500 Strecken, wo wir rückwärts fahren müssen, weil es anders nicht geht.“

Beinahe-Unfälle mit Müllfahrzeugen, Unfälle mit Verletzten, gar mit getöteten Personen gebe es bundesweit Jahr für Jahr, sagt Loeber: „Was hinter dem Fahrzeug geschieht, ist für den Fahrer nicht einsehbar – auch nicht mit den vielen Spiegeln, auch nicht durch Kameras.“ Um die Risiken einzuschränken, habe die Branche im vergangenen Jahr neue Regelungen erlassen. Rückwärts fahren sei demnach nur erlaubt in Straßen, die mindestens 3,50 Meter breit seien; die Strecke dürfe nicht mehr als 150 Meter messen. „Und es geht nur mit Einweiser. Bei uns in der Kell ist das schon immer so.“ Das kommunale Unternehmen verfügt über 18 Fahrzeuge zur Müllentsorgung und zur Leerung der blauen Papiercontainer und -tonnen.

Die neue Verordnung hat zur Folge, dass die Kell die besagten 500 Strecken in der Region, auf denen die Fahrzeuge schon rückwärts rangieren, genau unter die Lupe nimmt.

„Die sehen wir uns jetzt an und erstellen für jede, wie es gefordert ist, eine Gefährdungsbeurteilung“, sagt Loeber. Aufgrund des erheblichen Aufwandes, der neben der eigentlichen Tätigkeit gestemmt werden müsse, werde man erst Ende 2018 am Ziel sein. Dann wisse man, wo was für mehr Sicherheit getan werde könne – etwa auch durch einen Rückschnitt von Gehölzen, um das Sichtfeld aufzuweiten. Es werde aber auch „einige wenige Strecken geben, in die wir nicht mehr hineinfahren, weil die Gefahr zu groß ist“. Dann sei es am Landkreis, gemeinsam mit den Kommunen und den Eigentümern vor Ort Lösungen zu finden, etwa indem ein Sammelplatz für Müllbehälter an eine günstigere Stelle verlegt werde.

„Im ländlichen Bereich sind die Straßen enger, aber nicht so zugeparkt – und man ist hier eher bereit, die Tonne auch mal ein paar Meter zu schieben“, so der Betriebsleiter. Prekärer sei die Situation in Siedlungen mit engen Straßen und vielen parkenden Autos. In den nächsten Wochen und Monaten, falls es einen Winter mit ordentlich Schnee und Eis gebe, würden sich diese Probleme noch verstärken: „Da gibt es Straßen, da haben wir schon beim Vorwärtsfahren unsere Schwierigkeiten.“ Dass Kommunen ihren Winterdienst einschränkten, sei so gesehen kontraproduktiv. Christoph Loeber versichert, dass die Teams auf den Müllfahrzeugen ihre Arbeit so gewissenhaft und so umsichtig wie möglich absolvierten. Manches liefe besser, wenn Rücksichtnahme nicht als eine Einbahnstraße verstanden würde: „Manche Leute sind richtig aggressiv. Einem unserer Mitarbeiter hat eine Autofahrerin die Mülltonne förmlich aus der Hand gefahren.“

 

Von Ekkehard Schulreich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
Borna in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04552

Ortsvorwahlen: 03433

Stadtverwaltung: Markt 1, 04552 Borna

Ein Spaziergang durch die Region Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

11.12.2017 - 21:38 Uhr

Alle guten Wünsche für die Reporter-Legende Heinz-Florian Oertel zum 90. Geburtstag.

mehr
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr