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Rund um Borna: Protest gegen den Betreuungsschlüssel

Rund um Borna: Protest gegen den Betreuungsschlüssel

Protestaktionen für einen verbesserten Betreuungsschlüssel in den sächsischen Kindertagesstätten gab es gestern in allen sieben Einrichtungen der Bornaer Volkssolidarität.

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Luftballons an der Kita Pegau fliegen in die Luft, und es werden Unterschriften gesammelt. Für einen besseren Betreuungsschlüssel.

Quelle: Kathrin Haase

Borna. Dabei machten die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten Eula, Borna, Thräna, Geithain, Wiederau und Pegau (zwei) mobil. Zum Zeichen des Protestes ließen die Kinder an mehreren Orten Luftballons aufsteigen.

So auch "Am Rehgarten" in Eula. Dort waren kleine Zettel an den Ballons befestigt worden, auf denen stand "Ein Schlüssel für Sachsens Zukunft - weil Kinder mehr Zeit brauchen". Die Aktion war Teil eines sogenannten kreativen Schließtages der Kindertagesstätte, mit dem die Erzieherinnen auf die Probleme mit dem gültigen Betreuungsschlüssel aufmerksam machen wollten.

Der bedeutet für die Betreuung von Kindergartenkindern, dass eine Erzieherin für 13 Kinder zuständig ist. Eine eher praxisferne Relation, wie Ulrike Gorzitze, die Leiterin der Eulaer Einrichtung, deutlich macht. In der Realität müsse sich eine Erzieherin um 18 Kindergartenkinder kümmern. Das hänge auch damit zusammen, dass es kaum einen Zeitpunkt gebe, zu dem alle sieben Erzieherinnen anwesend sind, weil sie krankheits- oder urlaubsbedingt fehlen. Oder zur Weiterbildung sind, die aber für die Mitarbeiterinnen im "Rehgarten" mittlerweile ohnehin nur noch an Sonnabenden stattfindet. Auf der Strecke, so die engagierte "Rehgarten"-Chefin, bleibe die Vor- und Nachbereitung der Betreuungsstunden. Dienstbesprechungen finden im "Rehgarten", in dem 65 Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder betreut werden, längst nur noch nach Schließung der Einrichtung, also am Feierabend, statt.

Dabei weiß Leiterin Gorzitze durchaus, was für sie und ihre Kolleginnen wünschenswert wäre: ein Betreuungsschlüssel, bei dem im Kindergartenbereich eine Erzieherin für elf Kinder und in der Krippe für drei oder maximal vier Kinder verantwortlich wäre. Unterstützt werden die Eulaer Erzieherinnen mit ihren Forderungen von vielen Eltern. Auf einer Liste haben mittlerweile 40 von 52 Eltern ihre Unterstützung signalisiert.

Bunte Helium-Luftballons mit Protestkarten stiegen gestern Vormittag auch über dem Geithainer "Wirbelwind" in den Himmel, der ebenfalls in Trägerschaft der Volkssolidarität steht. "Nun muss wirklich etwas passieren nach den Versprechungen im Wahlkampf", sagte Einrichtungsleiterin Romy Hempel. Zu den Forderungen an den Geithainer Ballons gehört unter anderem, dass künftig eine Erzieherin nur noch acht Kindergarten- beziehungsweise drei Krippenkinder betreut. Die Geithainer fordern zusätzliches Personal für kalkulierbare Fehlzeiten durch Urlaub, Weiterbildung oder Krankheit sowie eine kontinuierliche Finanzierung von Team-Fortbildungen. Die Realität in der Einrichtung sieht anders aus. Fünf Erzieherinnen, einschließlich der Chefin, sowie eine Auszubildende betreuen derzeit 14 Krippen- und 21 Kindergartenkinder. Doch die Kapazität sieht insgesamt 53 Plätze vor. "Sobald die Einrichtung stärker ausgelastet ist, geht es an die Grenze", sagte Hempel. Keine der Erzieherinnen arbeitet voll, ihre Arbeitszeit richtet sich nach den Betreuungsstunden.

Die Mädchen und Jungen waren gestern dabei, als die Ballons aufstiegen. "Sie sollen schon wissen, warum wir das machen", so die Kita-Chefin. Natürlich merken die Knirpse, dass Gruppen zusammengelegt werden müssen, wenn beispielsweise eine Erzieherin krank ist.

Gute Resonanz gibt es auf eine begleitende Unterschriftenaktion unter den Eltern. Um die berufstätigen Mütter und Väter nicht zu sehr zu belasten, gab es gestern im Wirbelwind keinen "kreativen Schließtag" wie am 29. August. Damals wurden alle Kinder anderweitig betreut, das Team der Einrichtung nutzte die Zeit für Arbeiten, die sonst liegen bleiben. "Wir hatten ein gutes Verständnis der Eltern, sie haben uns unterstützt", berichtete Romy Hempel. Nun geht ein Paket von Geithain nach Dresden an den Landtag - mit Fotos der Aktion, den Unterschriftenlisten und Protestkarten. Die Forderung nach mehr Personal muss Teil der Koalitionsverhandlungen sein, ein verbindlicher Stufenplan zur Umsetzung muss her, verlangt das "Wirbelwind"-Team.

Annähernd 200 Luftballons stiegen gestern in den wolkenverhangenen Pegauer Himmel auf - die geballte Ladung war eine Gemeinschaftsaktion vom Kinderhort "Am Schützenplatz" und der Kindertagesstätte "Sonnenschein". "Normalerweise sind bunte Ballons immer ein Zeichen von Freude und Feiern", fand Hortleiterin Andrea Galozzi, "doch heute gibt es einen ernsten Hintergrund." Auf postkartengroßen Zetteln bitten die Kinder, Eltern und Mitarbeiter der Pegauer Kindereinrichtungen um Unterstützungsunterschriften für ihre Forderungen gegenüber der Landespolitik. Die da lauten: ein Betreuerschlüssel von acht Kindern auf einen Erzieher im Kindergarten (Praxis sind bis zu 20 Kinder für einen Erzieher) sowie drei Kinder und ein Erzieher in der Kinderkrippe (derzeit üblich neun Kinder auf einen Erzieher). Darüber hinaus kämpfen sie für einen personellen Ausgleich bei langen Öffnungszeiten, zusätzliches Personal bei kalkulierbaren Fehlzeiten wie Urlaub, Krankheit oder Weiterbildung sowie wöchentlich zwei Stunden Vor- und Nachbereitungszeit pro Erzieher. "Wir leben gerade in sehr unruhigen Zeiten", sagt Hortchefin Galozzi, "und wenn dann noch Kindergruppen zusammengelegt werden müssen, weil Kollegen krank oder im Urlaub sind, wird es noch unruhiger für die Kinder. Das ist einfach nicht mehr schön."

Im Hort Pegau sind 134 Kinder angemeldet, sie werden von acht Beschäftigten betreut. Den "Sonnenschein" besuchen 93 Kinder (zehn Beschäftigte) und das "Zwergenstübchen" in Wiederau 35 Kinder (vier Angestellte).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.10.2014
Nikos Natsidis, Kathrin Haase u

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