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Borna Sachsens Super-Heimatforscher kommt aus Borna
Region Borna Sachsens Super-Heimatforscher kommt aus Borna
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Preisverleihung: Carlo Hohnstedter mit Kultusministerin Brunhild Kurth und Laudatorin Ira Spieker (re.) vom Institut für Sächsische Geschichte  und Volkskunde. Quelle: Thomas Bergner
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Borna

"Das ist die Krönung", freute sich Hohnstedter über die "Belohnung, die drei Jahre Arbeit auszeichnet". Mit Billigflieger und Fernbus war er von Skopje über Nürnberg extra zur Preisverleihung in die Heimat gereist. Denn zur Zeit arbeitet er im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes im mazedonischen "Roma youth center" in Kumanovo, kümmert sich dort um Deutsch-Unterricht, Integration und Verständnis zwischen Roma, Mazedoniern und Albanern.

Damit geht er einen Schritt auf seinem Weg zum Studium der Kulturwissenschaften und zu einer akademischen Laufbahn. Der Kurzurlaub war eine angenehme Pflichtübung, zumal neben seiner betreuenden Fachlehrerin Steffi Kohlmetz, Schulleiterin Margitta Schade und Thomas Bergner, Bibliothekar in der Mediothek Borna und externer Betreuer seiner Arbeit, auch seine Freundin Nadine Kresse mit in die Landeshauptstadt reiste.

Das Fundament für die Auszeichnung wurde schon vor Jahren in der Arbeitsgemeinschaft "Geschichtswerkstatt und Archivforschung" gelegt. "Carlo ist ein hochinteressierter Historiker, der akribisch forscht, Interviews mit Zeitzeugen sowie umfangreiche Sozial- und Archivstudien geführt hat", erklärt Steffi Kohlmetz. Sie hatte ihn schon gefördert, als er 2013 mit seiner Arbeit über einen Gedenkstein, der an 98 Opfer des Konzentrationslagers Flößberg erinnert, sächsischer Landessieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wurde. "Ein Porphyr in der Nachbarschaft - nur ein Stein oder eine vergessene Erinnerung" lautete der Titel.

Die Facharbeit war so exzellent, dass Kohlmetz vorschlug, aus der Fortführung eine "besondere Lernleistung" als fünftes Prüfungsfach im Abitur zu machen. Hohnstedters Ansinnen, "persönlich Verantwortung gegen das Vergessen" zu tragen, und sein Hobby Geocaching mit der Forschung zu verbinden, führte ihn auf die Suche nach weiteren Denkmälern und ihrer Geschichte. Aus ihnen schuf er Stationen der modernen Schnitzeljagd: Geocacher begeben sich mit einem GPS-Empfänger auf die Suche nach an ungewöhnlichen Plätzen versteckten Schätzen, die sie mittels im Internet angegebener Koordinaten aufspüren.

Der Titel seiner Studie "Mit dem Smartphone Geschichte begreifen statt pauken - Das Konzept des Geocashings in der historischen Bildung" fasst zusammen, was Carlo Hohnstedter anregt: Geocaching als zeitgemäßer Bestandteil des Geschichtsunterrichts, als Konzept, mit dem sich Didaktiker beschäftigen sollten. Denn Wissen hefte sich eher ins Gedächtnis, wenn auf der Suche danach manchmal sogar verschollene Geschichte wiederentdeckt werde, so Hohnstedter.

Gislinde Redepenning

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