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Sachsens älteste Gärten in A-72-Trasse entdeckt

Sachsens älteste Gärten in A-72-Trasse entdeckt

Sachsens älteste Gärten befinden sich inmitten der künftigen A-72-Trasse zwischen Rötha und Espenhain. Fachleute des Landesamtes für Archäologie präsentierten gestern einen sensationellen Fund: sehr gut erhaltene Spuren eines circa 7300 Jahre alten Hauses aus der Jungsteinzeit.

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Archäologie ist vor allem eins: mühsame Handarbeit.

Quelle: Thomas Kube

Rötha. An beiden Seiten des Grundrisses sind Relikte von zwei von doppelten Palisaden abgegrenzte Gartenbereiche erkennbar. "Ein vergleichbarer Befund ist aus dieser Epoche bislang noch nicht bekannt", sagt Referatsleiter Christoph Heiermann.

 

 

Seit 2005 begleitet die in Dresden ansässige Behörde den Autobahnbau. Zurzeit konzentrieren sich die Grabungen auf einer 55 Hektar großen Fläche zwischen Borna und Rötha. Fünf Grabungsteams mit 80 bis 100 Mitarbeitern sichern und dokumentieren dort die Vergangenheit. "Ende Mai werden wir dank des milden Winters fertig sein", sagt Harald Stäuble, Referatsleiter für Großprojekte.

Die Fundstelle RTH 53, eine von insgesamt 18, ist nach Ansicht der Fachleute eine ganz besondere. So etwas habe er in 30 Jahren Arbeit noch nicht gesehen, schwärmte Stäuble. Und meint damit den gut erhaltenen Zustand des einstigen, mit 34 Metern Länge relativ großen Hauses aus der Linienbandkeramik (Frühneolithikum circa 5300 bis 5000 vor Christus). Insgesamt wurden in unmittelbarer Nähe noch weitere sieben Hausgrundrisse gefunden, die kleiner sind. Diese Siedlung - Zeugnis der frühesten sesshaften Kultur - sei mit Sicherheit größer gewesen. Die Archäologen graben nur auf einem schmalen Korridor der künftigen Trasse der A 72.

Über die Zeit der sogenannten Linienbandkeramik ist wenig bekannt. Sehr wenige Funde erklären deren Namen: Auf den Scherben finden sich linienförmige Bänder in verschiedenem Dekor - Reste von Werkzeugen, Steinbeilen, Mahl- und Schleifsteinen, die von den Bauern im Alltag genutzt wurden. Neben der Keramikherstellung hielten sie Tiere und bauten Getreide an. Das Stück eines Siebgefäßes künde davon, dass bereits zu jener Zeit Quark hergestellt wurde.

Chemische Untersuchungen von Erdproben sollen Erkenntnisse über die beiden angrenzenden Gartenbereiche bringen. Anhand der Phosphatanteile lasse sich laut Stäuble sagen, ob die Flächen als Garten oder für die Viehzucht genutzt wurden.

Circa 600 Hausgrundrisse dieser Art wurden in den letzten 20 Jahren entdeckt. Knapp 300 befinden sich auf dem Gebiet des Tagebaus Zwenkau, 40 im Tagebau Peres. Vieles sei überlagert, die hiesige Stelle hingegen ist mit sämtlichen Pfostenspuren der ehemaligen Holzkonstruktion erhalten. Mit etwas Fantasie lässt sich erahnen, wie die Siedler dereinst lebten.

Aus der Jungsteinzeit existieren keine organischen Materialien mehr, lediglich verkohlte. Fachleute können aus diesen Proben beispielsweise Getreidekörner bestimmen.

Die Teams arbeiten unter Zeitdruck, damit der mit dem Bauherrn besprochene Termin gehalten wird. Im Juni soll Baubeginn sein - das Ende für die Arbeit der Archäologen. Bis dahin werden die Fundstellen penibel vermessen, dokumentiert und gesichert und "dann besenrein für den Autobahn-Bau übergeben", sagt Projektleiterin Yvonne Heine. Die wissenschaftliche Aufarbeitung aber werde noch lange Zeit dauern.

Der letzte Autobahnabschnitt der künftigen A 72 ist für die Archäologen nicht mehr interessant, weil vom Tagebau völlig zerstört.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2014
Saskia Grätz

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