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Sächsischer Lutherweg wird in Gnandstein eingeweiht

Sächsischer Lutherweg wird in Gnandstein eingeweiht

Martin Luther mochte das Wandern nicht. Dass es nun, 500 Jahre später, in Thüringen, Sachsen-Anhalt und nun auch in Sachsen einen nach ihm benannten Wanderweg gibt, mag als Ironie der Geschichte gelten.

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Unter den Augen von Martin Luther (Norbert Hein, l.) enthüllen Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler, Landesbischof Jochen Bohl, die Thüringer Staatssekretärin Hildigund Neubert, Tourismusverbandsvorsitzender Manfred Graetz und Umweltminister Frank Kupfer (v. l.) in Gnandstein die Informationstafel für den Lutherweg.

Quelle: Jens Paul Taubert

Gnandstein. Gestern in Gnandstein spielte das aber keine Rolle. Bei der Einweihung des westlichen Abschnitts des Lutherweges auf sächsischem Territorium würdigten mehrere Redner, darunter Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler, der Schirmherr des Projektes ist, und der evangelische Landesbischof Jochen Bohl sowohl die Leistung, die hinter dem neuen touristischen Angebot steht, als auch den verbindenden und spirituellen Charakter des Pfades auf den Spuren der Reformation.

Weil Luther lieber ausgiebig tafelte als sich auf Schusters Rappen durch die Welt zu begeben - obschon er von Wittenberg bis Rom gegangen sein soll -, musste auch dessen heutiges Abbild, der Freiberger Schauspieler Norbert Hein, im schwarzen Talar des Reformators unter kräftiger Sonne nicht allzu weit laufen. Mit dem Ruf: "Eilet mir langsamen Schrittes nach", führte er die versammelten Politiker, Landtagsabgeordneten, Bürgermeister, Tourismusverantwortlichen und weiteren Gäste von der Gnandsteiner Burg hinunter zum Parkplatz an deren Fuß, wo nach einigen Reden die Informationstafel für den Lutherweg enthüllt wurde. Sie steht zwischen einer Tafel für den Entdeckungspfad im Burgdorf Gnandstein und einer für die Radroute Altenburg - Colditz.

Stefan Zowislo mag das Wandern. Er ist Geschäftsführer der staatlichen Geschäftsstelle Luther2017, einer länderübergreifenden Einrichtung zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017. Zowislo war am Vormittag 15 Kilometer von Altenburg bis Gnandstein auf dem Lutherweg gewandert. Deswegen stand er in kariertem Hemd und Wanderstiefeln zwischen den anderen, eher offiziell gekleideten Teilnehmern an der Veranstaltung. Bis auf ein paar Schwachstellen sei der Weg schon gut beschildert und zu finden, sagte Zowislo. Vor allem aber: "Der Abschnitt ist sehr schön, er führt durch reizvolle Landschaften."

Das war eine gute Botschaft für die acht Botenläufer aus Wittenberg, die mit aufragender Standarte und schwarz-roten Gewändern zwischen den Teilnehmern auffielen und gemeinsam mit Hein alias Luther immer wieder ein gefragtes Fotomotiv waren. Der 90 Mitglieder starke Verein veranstaltet große Läufe mit historischem und touristischen Hintergrund, wirbt für Wittenberg und Luther und fühlt sich auf dem Lutherweg, der in Sachsen-Anhalt schon 2008 eröffnet worden war, wie zu Hause. Diesmal waren sie noch mit dem Auto nach Gnandstein gekommen. Anfang Oktober werden sie zu Fuß hier eintreffen, wenn sie die gesamten 550 Kilometer des sächsischen Lutherweges unter die Beine nehmen wollen. Die Beschilderung wird dann vermutlich noch nicht überall so gut sein wie zwischen Altenburg und Gnandstein. Denn wegen des Hochwassers im vorigen Jahr ist das Projekt ins Stocken gekommen. "Vieles, Wege und Schilder, ging buchstäblich den Fluss hinab", begründete Manfred Graetz, Vorsitzender des Tourismusverbandes "Sächsisches Burgen- und Heideland" gestern, warum der Lutherweg erst 2015 vollendet sein wird. Dafür werde er aber, sagte Graetz, "kein beliebiger Wanderweg, sondern ein nachhaltiger Pilgerweg, der gepflegt wird und Bestand hat und der auch in fünf, zehn und 20 Jahren noch begangen wird."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2014
Neumann, André

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