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Samariter erfüllen im Landkreis Leipzig Wünsche todkranker Menschen

Wohlfahrtsverband Samariter erfüllen im Landkreis Leipzig Wünsche todkranker Menschen

Es ist vielleicht der letzte Wunsch. Einmal noch die Ostsee sehen, weil daran so viele schöne Erinnerungen hängen. Dorthin zu kommen, ist für Menschen, deren Leben zu Ende geht, allerdings vielfach unmöglich. Deshalb gibt es seit Dezember den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Setzt sich auch im Landkreis Leipzig in Bewegung: der Wünschwagen des ASB.

Quelle: Archiv

Landkreis Leipzig. Es ist vielleicht der letzte Wunsch. Einmal noch die Ostsee sehen, weil daran so viele schöne Erinnerungen hängen. Dorthin zu kommen, ist für Menschen, deren Leben zu Ende geht, allerdings vielfach unmöglich. Deshalb gibt es seit Dezember den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). „Weil sich damit Wünsche wagen lassen“, wie Marion Zimmermann, Geschäftsführerin des ASB-Regionalverbandes Leipzig mit Zuständigkeit auch für den Landkreis Leipzig, sagt. Und zwar ganz praktisch, denn beim Wünschewagen handelt es sich um ein ganz besonderes Gefährt: einen komfortabel ausgestatteten Rettungswagen mit Platz für mehrere Personen, in dem Schwerkranke transportiert werden können.

Die Idee stammt aus Skandinavien und den Niederlanden und wurde in Deutschland zunächst vom ASB in Nordrhein-Westfalen aufgegriffen. Mittlerweile gibt es Wünschewagen in zehn Bundesländern. Der Wagen, der in Leipzig beim ASB stationiert ist, steht zur Wunscherfüllung in ganz Sachsen zur Verfügung. Allein im Landkreis Leipzig, wo der ASB Seniorenheime in Kitzscher und Böhlen sowie eine Sozialstation in Böhlen betreibt, rückte der Wünschewagen viermal in diese Jahr aus. Aus ganz Sachsen, so Geschäftsführerin Zimmermann, liegen für dieses Jahr 50 Wünsche vor. Wünsche von Menschen, die in den meisten Fällen sehr wohl wissen, wie es um sie steht – so, dass sie Abschied nehmen wollen und eben noch einen Wunsch haben. „Manchmal wollen sie einfach ihre alte Wohnung noch einmal sehen“, sagt Gabriele Rothe, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit sagt. Ein Musical besuchen oder noch einmal ins Fußballstadion gehen wie der junge Mann, der sich in seiner allerletzten Lebensphase nichts mehr wünschte, als noch einmal ein Spiel seines Lieblingsvereins VfB Stuttgart zu sehen. Das durfte er. Wenige Tage später schloss er seine Augen für immer.

Was derartige Erlebnisse bei denen auslösen, deren letzte Wünsche wahr werden, lässt sich ebenso nur schwer beschreiben wie das, was in den Angehörigen, die als Begleiter mit von der Partie sind, vorgeht. In jedem Fall aber ein ganz besonderes Glücksgefühl.

Allerdings, macht die ASB-Chefin klar, geht es auch beim Wünschewagen letztlich ums Geld. „Das Projekt lebt von Spenden“, wobei eine Geldspende ebenso möglich ist wie die Unterstützung einer ganz speziellen Wünschewagen-Fahrt, etwa von einem Kranken aus dem eigenen Ort, als Wunsch-Pate. Denkbar seien auch Sachspenden, etwa die Finanzierung von Berufsbekleidung für die Rettungssanitäter. „Ohne die geht es nicht“, sagt die ASB-Geschäftsführerin. Schließlich muss jemand für den Fall der Fälle im Wünschewagen mit vor Ort sein. Allerdings ist die Teilnahme der ASB-Rettungssanitäter nicht nur freiwillig. „Die Leute nehmen dafür extra Urlaub.“ Das heißt: Wer als ASB-Profi mit dem Wünschewagen unterwegs ist, macht das in seiner Freizeit. Dabei kommen sich derjenige, dessen Wunsch auf diese Weise in Erfüllung geht, oftmals sehr nahe, die mitreisenden Familienangehörigen eingeschlossen.

Ein nennenswerter Teil der Leute, die in den Genuss einer Fahrt mit dem Wünschewagen, manchmal auch nur in den geliebten eigenen Garten, kommen, ist zwischen 20 und 50, „und wir haben auch Kinder“. Dass gerade die Ostsee immer wieder das Ziel ist, hängt damit zusammen, dass zu den Mitfahrern viele einstige DDR-Bürger gehören, für die die Gegend zwischen Wismar und Usedom jahrzehntelang das Traumziel war.

Wobei auch der Wünschewagen nicht immer wie gewünscht zum Einsatz kommen kann. Geschäftsführerin Zimmermann: „Wenn etwa Eltern es ablehnen, ihren Sohn noch einmal zu sehen, der sich genau das gewünscht hat.“ Manchmal muss der Wünschewagen auch ganz schnell starten, weil die Zeit drängt.

Die Signale, dass der Wagen gewünscht wird, erhalten die ASB-Mitarbeiter aus Palliativstationen oder auch vom Ambulanten Hospizdienst der Caritas in Deutzen. Der Wünschewagen, für den die sächsische Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) die Schirmherrschaft übernommen hat, ist in der Regel jede Woche in ganz Sachsen unterwegs. Voraussetzung dafür, dass es losgehen kann, ist auch das Votum des Arztes.

Von Nikos Natsidis

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