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Sana Klinik in Borna lässt Demenzlotsen ausbilden

Zahl der älteren Patienten steigt stetig Sana Klinik in Borna lässt Demenzlotsen ausbilden

Die Sana Klinik in Borna setzt zukünftig auf Demenzlotsen. Zwei Schwestern haben eine Zusatzausbildung absolviert und sollen nun Ärzte, Pflegepersonal und Grüne Damen im Umgang mit Demenzerkrankten schulen. Denn die Zahl älterer Patienten steigt. Und damit die Herausforderung, entsprechend mit ihnen umzugehen.

Bilder von Angehörigen schaffen im Krankenhaus Vertrauen bei Patienten, die an Demenz leiden.

Quelle: dpa

Borna. Die Brille im Kühlschrank vergessen, den Wohnungsschlüssel im Schuhschrank liegen lassen, die Suche nach Vornamen: Demenz äußert sich in vielen Situationen. Und sie trifft in Anbetracht der sich stetig verändernden Altersstruktur immer mehr Menschen. Eben diese Entwicklung geht auch an den Krankenhäusern nicht vorbei, weshalb die Sana Klinik in Borna mittlerweile Demenzlotsen ausbildet.

Zwei Pflegekräfte haben jetzt eine Fortbildung – angeboten vom Sana-Konzern – durchlaufen, um zukünftig selbst weitere Kollegen anzuleiten. „Gerade Patienten mit Demenz müssen sensibel behandelt werden und brauchen feste Strukturen“, erklärt Pflegedienstleiterin Cornelia Reichardt. Die beiden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, die eine erste Zusatzausbildung absolviert haben, sollen perspektivisch die Schnittstelle zwischen Fortbildung, Angehörigenarbeit und Stationen sein. Die Kolleginnen sind Berater in Fragen des Umgangs mit an Demenz Erkrankten. Krisenmanager, wenn die Situation eines Demenzerkrankten aus den Fugen geraten ist. Ziel sei es, so Reichardt weiter, „demenzsensibles Krankenhaus“ zu werden. Die Pflege sei auf einem guten Weg dahin, sehr schnell soll mehr als die Hälfte des Pflegepersonals erste Kurse dazu belegen. Alle Berufsgruppen, auch Ärzte, Therapeuten, Service- und Reinigungspersonal sowie die Grünen Damen und Herren, die ehrenamtlich in der Klinik unterwegs sind, um Patienten Zeit zu schenken, werden laut Klinik-Sprecherin Janet Schütze im Umgang mit Demenzerkrankten sensibilisiert.

„Oft helfen den entsprechenden Patienten schon kleine Dinge, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden und keine Angst in unserem Haus zu haben“, erklärt Dr. David Boeckler, Oberarzt der Neurologie. Dazu gehöre zum Beispiel, dass sich Schwestern, Pfleger und Ärzte bei jedem Besuch im Krankenzimmer den Patienten vorstellen und ihnen erläutern, weshalb sie im Krankenhaus seien. Dazu sei selbstverständlich die enge Zusammenarbeit mit Angehörigen erforderlich. Diese müssten das Klinikpersonal nicht nur über die Diagnose Demenz, sondern auch über Angewohnheiten und Tagesabläufe informieren. Zum sensiblen Umgang gehöre unter anderem auch, ein Foto von Verwandten und Freunden neben dem Patientenbett aufzustellen, die Demenzerkrankten darauf aufmerksam machen, wenn die Brille fehlt, und viele Besuche zu ermöglichen, gerade, wenn Untersuchungen anstehen.

Dr David Boeckler und Cornelia Reichardt stellen das Plakat für das „demenzsensible Krankenhaus“ vor

Dr. David Boeckler und Cornelia Reichardt stellen das Plakat für das „demenzsensible Krankenhaus“ vor.

Quelle: Julia Tonne

Demenz tritt laut Boeckler in verschiedenen Formen auf. Eine häufige ist die Alzheimer-Demenz, bei der zu Beginn vor allem das Kurzzeitgedächtnis gestört ist; unspezifische Symptome wie sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen, aber auch zunehmendes Misstrauen können weitere Frühsymptome sein.

Steht der Gedächtnisverlust nicht im Vordergrund, sondern verändern sich die Persönlichkeit, die Sprache und der Antrieb, könnte das auf eine seltenere Form – die frontotemporale Demenz – hinweisen. „Oft tritt eine Demenz auch im Spätstadium anderer neurologischer Erkrankungen wie zum Beispiel der Parkinsonkrankheit auf“, erklärt der Oberarzt. Die genaue Ursache müsse in jedem Fall abgeklärt werden, da es in circa zehn Prozent auch heilbare Formen gibt.

Auch wenn Demenz eine Erkrankung ist, die vorrangig Ältere trifft, so hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren ab. Wie Boeckler erklärt, könne die Krankheit deutlich schwerer in Erscheinung treten, wenn die Menschen beispielsweise schlecht in die Gesellschaft eingebunden sind und sich kaum bewegen. Musik und Bewegung seien zwei Möglichkeiten, der Demenz in gewisser Weise vorzubeugen oder deren Verlauf abzuschwächen.

Unabhängig von der Form sei es jedoch wichtig, den Umgang mit den Patienten zu lernen. Zwar gehören Grundlagen zum Krankheitsbild, zu Verläufen, Ursachen und Behandlungen in Teilen sowohl zum Medizinstudium als auch zur Pflegeausbildung, „aber der Umgang mit Patienten, die Demenz haben, erfordert eben doch Fortbildungen“, macht Reichardt deutlich.

Derzeit steht die Schulung des Personals auf den Stationen Innere Medizin und Geriatrie in Zwenkau im Fokus, hier sei der Anteil der älteren Menschen besonders hoch. Reichardt kann sich über die Schulungen hinaus vorstellen, auch baulich kleine Veränderungen auf zunächst diesen beiden Stationen vorzunehmen. Seien es bestimmte Farben an den Wänden oder Bilder an den Zimmertüren. „Patienten verbinden mit Bildern meist schöne Momente und merken sich diese leichter als Zimmernummern.“ Zudem sei angedacht, auch Angehörige in die Schulungen mit einzubinden.

Tipps zum Umgang mit Demenzerkrankten

Oft helfen schon kleine Gesten, um Demenz-Patienten und deren Angehörigen die Angst vor ungewohnten Situationen zu nehmen. Eine davon ist die Bereitstellung von Kommunikationshilfen wie Brille oder Hörgerät. Wichtig ist es nach Aussage von Dr. David Böckler, Oberarzt der Neurologie, auch, die Demenzerkrankten im „sozialen Gefüge“ zu halten, sie also weder auszugrenzen noch zu verstecken. Beides könne den Krankheitsverlauf verschlimmern.

Hilfreich seien zudem kleine Erinnerungszettel oder gar Apps auf dem Handy, die dem Patienten die Medikamenteneinnahme ins Gedächtnis rufen. Zettel sollten unter anderem am Herd und anderen elektronischen Geräte an das Ausschalten erinnern oder über die Bedienung informieren.

Auch wenn es durchaus schwerfallen kann, gehört ein freundlicher Tonfall gegenüber Demenzerkrankten zum A und O. Genauso wie übrigens die regelmäßige Animation zu Bewegung. Nicht zuletzt sollten pflegende Angehörige auch an sich selbst denken. Selbstpflege heißt das Zauberwort, um der Aufgabe gewachsen zu bleiben. Dazu gehören Auszeiten und Entlastung durch andere.

Von Julia Tonne

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