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Borna Sana-Kliniken Leipziger Land kennen keinen Pflege-Notstand
Region Borna Sana-Kliniken Leipziger Land kennen keinen Pflege-Notstand
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00:23 28.09.2018
In Sachsen wird ein Fachkräftemangel in der Pflege erwartet – die Sana Kliniken Leipziger Land sehen sich gut gewappnet. Quelle: dpa
Borna

Pflege-Notstand? Das ist ein Begriff, den Cornelia Reichardt zwar kennt. Für die Sana-Kliniken Leipziger Land in Borna und Zwenkau aber treffe er nicht zu, sagt die Pflegedienstleiterin des Unternehmens. Einen Grund dafür sieht die 48-Jährige in der Medizinischen Berufsfachschule, welche unter dem Dach des Bornaer Krankenhauses seit Jahrzehnten existiert. Hier werden Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet; die Berufsbezeichnung Krankenschwester ist überholt. Parallel etablierte sich ein Bildungszentrum unter der Leitung von Reichardt, hier werden Fort- und Weiterbildungen weit über das eigene Unternehmen hinaus angeboten. Die LVZ sprach mit Reichardt, in der Fachgruppe Pflege des Sana-Verbunds tätig, wie Pflege auch in der Zukunft abgesichert werden kann.

Cornelia Reichardt Quelle: Sana-Kliniken

Geringe Bezahlung, eine hohe Arbeitsbelastung, ungenügende Anerkennung: So nehmen viele die Pflege in Deutschland wahr. Wie überzeugen Sie Absolventen, einen Pflegeberuf zu ergreifen?

Ich sage unserem Berufsnachwuchs: Ihr entscheidet Euch für einen abwechslungsreichen Beruf. Ihr arbeitet mit Menschen, erfahrt von Pflegebedürftigen und Angehörigen Anerkennung. Der Beruf ist zukunftssicher und bietet durchaus Aufstiegsmöglichkeiten.

Ist es aus Bornaer Perspektive gerechtfertigt, von einem Pflegenotstand zu sprechen?

Auf keinen Fall. Bei uns muss keine Fachabteilung schließen, weil das Personal fehlt. Wir können derzeit auf Bewerbungen aus dem regionalen und überregionalen Umfeld zugreifen, um Lücken zu schließen. Die Zahl der Bewerber geht zurück, aber es gibt sie noch in ausreichender Zahl. Wir können unsere Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen. In den Sana-Kliniken in Freiberg, Dresden und Hoyerswerda ist die Situation ähnlich.

Weil Sie selbst ausbilden?

Das ist auf jeden Fall ein Vorteil. Borna profitiert von der Lage zwischen den Großstädten Leipzig und Chemnitz, ist also gut erreichbar auch für jene Azubis, die hier nicht wohnen möchten.

Der Generationenwechsel ist im Gang?

Wir haben schon viele junge Leute nachgezogen. Das ist gut – einziger Nachteil: Durch Schwangerschaften gibt es mehr Ausfälle. Doch das kompensieren wir gern. Es gelingt uns, offene Stellen zügig wieder mit gestandenen Pflegekräften zu besetzen. Zudem ist die Fluktuation in unseren beiden Häusern gering – es sei denn, jemand entscheidet sich zu einem Studium.

Die klassische Krankenschwester, den klassischen Pfleger gibt es nicht mehr?

Die Spezialisierung ist längst ausgeprägt. Schon in der Ausbildung zeichnet sich ab, wer sich besonders für die Intensivstation eignet, für die Notaufnahme, die Palliativ-Betreuung – und wer eher in Richtung Führungskräfte geht. Wir sind an der Praxis unmittelbar dran. Und wir haben es bisher immer geschafft, unsere Absolventen, wenn sie bleiben wollten, zu übernehmen.

Angesichts dieser Spezialisierung gewinnt die berufliche Weiterbildung an Bedeutung.

Da sind wir seit 2013 dran, nicht nur für die Mitarbeiter des eigenen Hauses, sondern für die ganze Region. Dabei haben wir renommierte Partner an unserer Seite, etwa die Universitätskliniken in Leipzig und Dresden. Qualifikationen gibt es zum Beispiel zum Praxisanleiter, für Leitungsfunktionen in Gesundheitseinrichtungen und – ganz neu – für die Notfallpflege. Ab 2019 bieten wir auch Kurse in der Anästhesie- und Intensivpflege an. Diese Weiterbildungen werden auch deshalb gern angenommen, weil sie in der Region stattfinden. Das spielt in einem Beruf, in dem vor allem Frauen tätig sind, eine große Rolle, denn sie müssen in den überwiegenden Fällen Arbeit und Familie unter einen Hut bringen.

Kein Pflegenotstand in Borna: Was sagen die Patienten?

Wir führen immer wieder Befragungen durch. Dort wird uns Zufriedenheit signalisiert. Wir befinden uns auf einem guten Niveau. Das sehen auch die Mitarbeiter so. Das hält das Unternehmen zusammen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will zusätzliche Pfleger akquirieren. Was halten Sie von diesem Vorstoß? Wen sehen Sie grundsätzlich in der Verantwortung?

Spahns Vorstoß finden wir grundsätzlich gut. Nun muss man sehen, ob die Zahl der Bewerber wirklich steigt. Und was die Attraktivität des Pflegeberufs betrifft: Das liegt zu einem Großteil an den Kliniken selbst. Da sind die Mitarbeiter allesamt in einer großen Verantwortung.

Sana Kliniken

Die Sana-Kliniken Leipziger Land GmbH betreiben die Krankenhäuser in Borna und Zwenkau. Sie sind Teil des Sana-Konzerns, der bundesweit 53 Konzernkliniken, sieben Kliniken im Management und fünf Pflegeheime betreibt. In Borna und Zwenkau sind rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 550 in der Pflege. Beide Krankenhäuser verfügen über zusammen 480 Betten.

Von Ekkehard Schulreich

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