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Borna Sana Klinikum Borna hat eine Spezialeinheit für den Schlaganfall – jede Minute zählt
Region Borna Sana Klinikum Borna hat eine Spezialeinheit für den Schlaganfall – jede Minute zählt
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13:00 12.07.2017
Die Stärke des Schlaganfallzentrums ist das interdisziplinäre Neuromedizinische Zentrum mit Kompetenzen aus mehreren Fachbereichen. Quelle: Andreas Döring
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Borna

Schlaganfall – meistens trifft er die Alten. Aber auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Die Folgen eines Schlaganfalls sind in den allermeisten Fällen fatal. „Es ist eine lebensbedrohliche Erkrankung“, stellt Alexander Reinshagen klar. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie im Bornaer Sana Klinikum weiß aber auch: „Wir sind heute in der Medizin sehr viel weiter als noch vor zehn Jahren.Wir sind in der Lage durch ein Netzwerk von Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Medizin – von der Diagnostik über die Therapie bis zur Nachsorge – sehr viel mehr für den Patienten zu tun und die Folgen eines Schlaganfalls einzudämmen.“ Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg: die Zeit. Je früher ein Schlaganfall erkannt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene weiterhin ein normales Leben führen kann. Reinshagen: „Die wichtigste Vorsorge ist die Aufklärung. Wenn jeder die Anzeichen eines Schlaganfalls oder einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA) kennt und im Ernstfall reagiert, ist das die halbe Miete. Jede Minute entscheidet über die Rettung wichtiger Gehirnfunktionen und das Vermeiden bleibender Folgeschäden für die Betroffenen. Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Abwarten kann verheerende Folgen haben.“

Vor 25 Jahren wurde ein Schlaganfall – die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn – noch mit Aspirin behandelt. Vor 20 Jahren kamen erste Medikamente zur Gerinnselauflösung auf den Markt. Der Faktor Zeit spielte damals noch nicht die vordergründige Rolle. Am Sana Klinikum hat man den Wettlauf gegen die Zeit angenommen. Die Stroke Unit – ein zertifiziertes Schlaganfallzentrum wurde 2010 in Betrieb genommen. „Dessen Stärken liegen hauptsächlich in der engen Verzahnung von Fachärzten und im Aufbau von straffen Strukturen und Abläufen“, so Reinshagen. Speziell für Schlaganfall-Patienten ausgebildetes Personal – von Pflegern, Ärzten, Physiotherapeuten über Ergotherapeuten, Logopäden (Sprachtherapeuten) bis hin zu Sozialarbeitern, weiß dort jeder, was, wann zu tun ist. Drei Neuroradiologen und Gefäßmediziner sind zudem in der Lage, die Blutgerinnsel im Gehirn mittels Spezialkatheter durch die Blutbahn zu erreichen und dann zu entfernen.

„Wir sind keine Wunderheiler – die Folgen einer Gehirnstörung sind nicht einfach weg zu behandeln. Aber wir können diese durch schnelles Reagieren, intensive Behandlung und gezielte Versorgung sehr viel besser eindämmen als früher“, so Reinshagen. Etwa 40 Prozent der Schlaganfallpatienten in Borna konnten durch die Versorgung in der Stroke Unit die Klinik ohne nennenswerte Beeinträchtigungen wieder verlassen. Gehirnleistungen sind wieder aufgebaut, körperliche Beeinträchtigungen therapiert worden. Nicht jedem kann geholfen werden – „aber die Sterberate ist ungleich niedriger als noch vor Jahren.“ Die erkannte Notwendigkeit zum Aufbau eines solchen Zentrums schlägt sich in Borna in Stolz um: Es ist das einzige Haus neben der Uniklinik Leipzig, das diese Kompetenz vorweisen kann.

Die Stroke Unit ist an die Intensivstation des Hauses angegliedert. Normale Krankenzimmer mit Überwachungsgeräten, Betten und einer Nasszelle. Nur der Schriftzug „Schlaganfallzentrum“ deutet darauf hin, dass hier spezielle Strukturen greifen. Die laufen im Hintergrund ab und sind für den Besucher maximal zu erahnen.

Patienten, die hier versorgt werden, sind durchschnittlich älter als 60 Jahre. Reinshagen: „Es ist die Krankheit der 70-Jährigen. Was auch mit geriatrischen Entwicklungen erklärt werden kann. Mit zunehmendem Alter treten mehr Herz-Rhythmus-Störungen auf – die klassischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Aber auch jüngere Leute können betroffen sein. Öfter als bei älteren Menschen liegt bei jungen Menschen als Ursache eine angeborene Erkrankung vor, wie etwa Anomalien zwischen den Vorhöfen des Herzens, der Gefäße und genetisch bedingte Erkrankungen oder Störungen der Blutgerinnung. Auch ein Riss in der Gefäßwand oder der Konsum von Drogen können einen Schlaganfall auslösen.“

Symptome und Handlungsempfehlungen

Durch einen Schlaganfall entstehen ganz plötzlich neurologische Ausfälle. Folgende Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen und sollten zum sofortigen Handeln veranlassen:
• Lähmung oder Gefühlsstörung einer Körperseite,
• plötzlich hängender Mundwinkel,
• gestörte Bewegungskoordination,
• plötzliche Störungen der Sprache und/oder des Verstehens,
• einseitige Sehstörungen,
• plötzliche Doppelbilder, auch akute Schwindelerscheinungen,
• schlagartig auftretende, ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen,
• plötzlich einsetzender Schwindel mit Gangunsicherheit

Etwa acht Prozent der Betroffenen versterben innerhalb der ersten Stunden und Tage nach dem Einsetzen der Schlaganfallsymptome, weitere zehn Prozent innerhalb des ersten Monats. Die Symptome können nur kurz (Minuten bis Stunden) aufgetreten sein, dann spricht man von einem vorübergehenden („transitorischen“) Schlaganfall. Sollten die Symptome nur vorübergehend oder gar kurz aufgetreten sein, sind Betroffene gerade in den nächsten ein bis drei Tagen gefährdet, einen erneuten und dann bleibenden Schlaganfall zu erleiden.

Sofortiges Handeln heißt: Umgehend die 112 wählen und nicht erst den Hausarzt verständigen. Zeit ist der entscheidende Faktor bei der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten. Ähnlich wie bei Patienten mit einem Herzinfarkt entscheidet das sofortige Handeln aller Beteiligten. Nur in einer spezialisierten Schlaganfallstation kann in einem engen Zeitfenster eine Therapie eingeleitet werden. Da ein Schlaganfall nicht schmerzt, werden die ersten Symptome häufig nicht in ihrer Dramatik gewürdigt.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind:
• Herzrhythmusstörungen,
• hochgradige Verkalkungen (Arteriosklerose der Hirngefäße)
• Herzerkrankungen
• hoher Blutdruck
• Nikotingenuss
• Übergewicht und Bewegungsmangel
• hohes Lebensalter
• Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
• erhöhte Blutfette
• familiäre Belastung

Wenn Alexander Reinshagen vom Neuromedizinischen Zentrum in Borna spricht, schwärmt er fast. „Mein Herzblut gehört der konservativen Neurologie. Wir leisten hier sehr viel Detektivarbeit. Und erreichen immer wieder Fortschritte bei der Behandlung der meisten neurologischen Krankheitsbilder. Sei es Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz oder Altersepilepsie – neben sehr viel neuer Medizintechnik sind der Blick und das Fingerspitzengefühl der Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen unsere Stärken“, so Reinshagen.

Andreas Löffler pflichtet dem Chefarzt bei. Der Mann ist unfreiwilliger Gast auf der Stroke Unit und wird von Physiotherapeutin Elke Halfter und der speziell ausgebildeten Krankenschwester Katja Herrmann gerade auf seine Entlassung vorbereitet. „Ich bin einfach nur froh, dass hier alles so schnell ging und jeder weiß, was er zu tun hat“, blickt Löffler auf die zurückliegenden bangen Tage zurück.

Von Thomas Lieb

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