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Schalke-Fans in Großzössen bleiben ihrem Verein trotz RB-Leipzig-Erfolg treu

Neukieritzsch Schalke-Fans in Großzössen bleiben ihrem Verein trotz RB-Leipzig-Erfolg treu

Was, wenn man mit RB Leipzig plötzlich einen tollen Bundesligaverein ganz der Nähe hat? In der Schalke 04-Hochburg Großzössen ficht das die Gelsenkirchen-Anhänger nicht an, die bleiben ihren Blau-Weißen treu. Nicht mal am 3. Dezember, wenn Schalke 04 in die Red Bull Arena nach Leipzig kommt, werden sie dort sein.

Die Schalke-Fans Lars Philipp (l.) und Andreas Bodenlos aus Großzössen lassen sich vom Hype um RB-Leipzig nicht beeindrucken.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Großzössen. Plötzlich hat Leipzig nicht nur seit über zwei Jahrzehnten wieder einen Bundesligaverein, sondern gleich noch den Überflieger. Was geht angesichts dessen in einem Fußballfan vor, der in der Nähe von Leipzig wohnt, dessen Herz aber seit vielen Jahren an einem auswärtigen Verein hängt? Wird er seiner Mannschaft abtrünnig?

In Großzössen, einer sächsischen Hochburg der Schalke 04-Verehrung, ist davon im Moment nichts zu spüren. Hier hält man trotz des scheinbar ungebremsten Sturms der Roten Bullen tapfer zur blau-weißen Stange. Lars Philipp (41) und Andreas Bodenlos (40) lassen sich jedenfalls vom Hype um RB Leipzig nicht beeindrucken, sie schwenken und tragen weiterhin stolz die Insignien des FC Gelsenkirchen Schalke 04.

Dabei schlug Lars Philipps Fußballherz schon mal für Leipzig. Das war in den 90er Jahren, als es den VfB gab, der 1993 in die Bundesliga aufstieg und sich elf Jahre später auflöste. Am 2. Oktober 2009, das Datum weiß der Großzössener noch auf Anhieb, fuhr er das erste Mal mit auf Schalke zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Und dabei geschah mit ihm dasselbe, was Andreas Bodenlos schon zwölf Jahre früher widerfahren war: Der Virus ergriff ihn und ließ ihn nicht wieder los. So wie gut anderthalb Dutzend Männer, Frauen und Kinder aus Großzössen, die einen eigenen Fanclub bilden und Mitglied des FC Schalke 04 sind.

Dabei gehe es gar nicht so sehr um die fußballerischen Leistungen, lassen die beiden Männer durchblicken, sondern um Stimmung, um Gänsehaut, um das Gefühl, wenn 60 000 in der Veltins-Arena das Steigerlied singen und es im überdachten Stadion vor dem Anpfiff für ein paar Minuten dunkel wird. „Das ist einfach nur geil“, sagt Lars Philipp und zweifelt, ob es in Leipzig eine solche Fankultur geben könne.

Fünfmal in der Saison fahren die Großzössener auf Schalke, meist dreimal zu dritt und zweimal in großer Runde mit den Familien. Ausgesucht werden die Spiele eher nach den eigenen Terminkalendern, als nach der Hochklassigkeit. Nach dem Motto: Egal, wer der Gegner ist, Hauptsache Schalke.

Deswegen können die Leipziger Rasenballer die Großzössener nicht locken. „Bei mir ist der Reiz nicht da“, sagt Philipp. „Ich bin Fan eines Traditionsvereins.“ Auch Andreas Bodenlos will sich vorerst kein Spiel in Leipzig anschauen. Und er kennt auch niemanden aus dem heimischen Fanclub, der sich zu RB Leipzig hingezogen fühlt. Und zwei Großzössener, von denen er weiß, dass sie sich Dauerkarten für Leipzig gekauft haben, hätten das nicht getan, um RB Leipzig zu sehen, sondern um die anderen Bundesligamannschaften zu erleben.

Nicht mal am 3. Dezember, wenn Schalke 04 in die Red Bull Arena nach Leipzig kommt, werden Bodenlos und Philipp dort sein. Denn dann veranstaltet der Dorfverein „Neue Helene“, dem beide angehören, den Weihnachtsmarkt. Und der geht vor. Obwohl, räumt Helene-Chef Andreas Bodenlos ein: „Wenn ich sicher gewesen wäre, dass wir Karten bekommen, hätte ich kein Problem gehabt, den Weihnachtsmarkt zu verschieben.“

Über Leipzig sagt er dann immerhin: „Die Mannschaft scheint ja nicht schlecht zu spielen.“ Und über das Spiel am 3. Dezember befindet der Schalke-Fan: „Aus heutiger Sicht muss man mit einem Unentschieden zufrieden sein.“ Leipzig, darüber sind sich die Großzössener Schalke-Anhänger einig, mag ruhig weiterhin erfolgreich spielen, „außer in den beidem Spielen gegen uns.“

Beim Blick auf die eigenen Kinder und die Jugend im Fanclub macht sich dann doch ein wenig Sorge breit. „Wir versuchen“, sagt Lars Philipp, „Den Virus auf die nächste Generation zu übertragen.“ Doch er muss zugeben: Wenn man einen guten Bundesligaverein vor der Nase hat, ist es nicht ganz einfach, einen jungen Menschen zu überzeugen, 450 Kilometer bis ins Stadion zu fahren.

Von André Neumann

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