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Scharfe Töne aus den Orchester-Chefetagen

Scharfe Töne aus den Orchester-Chefetagen

Böhlen/Bad Lausick. Ein Kulturraum, zwei Orchester, ein Novum in Sachsen: Mit dem Leipziger Symphonieorchester und der Sächsischen Bläserphilharmonie fördert der Kulturraum Leipziger Raum zwei namhafte Ensembles.

Er setzt damit einen Akzent, der ihn von anderen Regionen unterscheidet. Doch längst knirscht es im Gebälk: Die Kulturraum-Förderung durch den Freistaat reicht nicht aus für eine solide Orchester-Finanzierung. Dass die Landkreise Leipzig und Nordsachsen im weit fortgeschrittenen Jahr noch einmal kürzen sollen, verstärkt den ohnehin schon erheblichen Druck.

"Die Nachricht, dass unser Kulturraum noch einmal weniger bekommt, trägt nicht zur Verbesserung der Stimmung bei." Hans-Ulrich Zschoch, Geschäftsführer der Leipziger Symphonieorchester gGmbH, will nicht Öl ins Feuer gießen. Die 38 Musikerinnen und Musiker des Ensembles sind Einschränkungen gewöhnt. Allein im Kulturraum Leipziger Raum, der sich zwischen Kohrener Land, Hohburger Bergen und der Elbe bei Torgau erstreckt, gibt das Orchester Jahr für Jahr 50 bis 60 Konzerte, gestaltet am Stammsitz Böhlen, in Borna und Markkleeberg Anrechtsreihen, kümmert sich um Schülerkonzerte. "In diesem Frühjahr sind erstmals vier Schülerkonzerttage in unserem Haus geplant. Es gibt 2600 Anmeldungen", sagt Zschoch. Stolze Zahlen.

Anders als diese: "Seit 1997 erhielten die Musiker keinen Cent mehr. Das Lohnniveau liegt bei 69 Prozent des Tarifs." Um dieses Manko auszugleichen und den niedrigsten Tariflohn zu zahlen, brauchte das Orchester 700 000 Euro im Jahr. Die zu bekommen, hat Zschoch wenig Hoffnung. Noch weniger, seit der Kulturraum Leipziger Raum im laufenden Jahr auf 600 000 Euro fest eingeplanter Gelder verzichten soll (die LVZ berichtete). 1,6 Millionen Euro erhält das Orchester dank des Kulturraumgesetzes im Jahr. Die Summe deckt 93 Prozent der - ohnehin dürftigen - Personalausgaben. Durch Konzerte anderenorts - regelmäßig etwa in Berlin und Niederbayern - erwirtschaftet das Ensemble 200 000 Euro im Jahr. "Wir sind am Limit", sagt Zschoch, der keine Quellen weiß, die zusätzlich erschlossen werden könnten. Das Orchester sei ausgelastet, auch durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Musikhochschulen Leipzig und Weimar, die Instrumentalsolisten und Dirigenten von morgen das Zusammenspiel mit einem Orchester ermöglicht.

Klare Antworten der Politik, die ein Bekenntnis wären, vermisst Heiko Schulze, Geschäftsführer jener gemeinnützigen GmbH, die in Bad Lausick als Träger von Sächsischer Bläserphilharmonie und Deutscher Bläserakademie fungiert. Schulze: "Will die Politik den ländlichen Raum auch in Zukunft mit professioneller Musik versorgen? Wo will sie Förderschwerpunkte setzen?" Dauerhaft mit Unterfinanzierung zu leben, fahre das 34-köpfige Orchester - drei Stellen sind unbesetzt - auf Verschleiß, so der Geschäftsführer. 30 Prozent unter Tarif seit anderthalb Jahrzehnten: Bei der Bezahlung ist die Lage der Bläserphilharmonie ebenso prekär wie die des Symphonieorchesters. 1,6 Millionen Euro beträgt die jährliche Förderung via Kulturraumgesetz.

Die Bilanz der Bläserphilharmonie für 2013 liest sich so: 22 500 Zuhörer wurden mit 57 Konzerten und 26 Schülerkonzerten erreicht. Bei 22 Veranstaltungen der Deutschen Bläserakademie kamen Musiker des Orchesters zum Einsatz. Sie spielten fünf CDs ein, wirkten an sechs bundesweit ausgeschriebenen Projekten mit. Das außerhalb des Kulturraums eingespielte Geld "subventioniert das, was wir in der Region machen", sagt Schulze: "Auch wenn wir noch fleißiger sind, es schlägt sich nicht im Gehalt nieder. Der Druck ist erheblich und verständlich bei den steigenden Lebenshaltungskosten. Wir müssen endlich wissen, wohin die Reise geht!"

Dabei sind auch Unternehmen aus der Region seit Jahren Förderer, unterstützen bei Auslandsgastspielen, ermöglichen CD-Aufnahmen, agierten als Sponsoren bei Gewandhaus-Aufführungen. "Doch diese Wirtschaftskraft reicht natürlich nicht aus, um Personalstellen finanzieren zu können", sagt der Geschäftsführer.

Hans-Ulrich Zschoch und Heiko Schulze wissen, dass viele außerhalb Sachsens mit einem gewissen Neid auf das Kulturraumgesetz schauen. Das Gesetz sei eine Basis, doch die Politik müsse die daraus erwachsende Förderung neu justieren. Beide Orchester, die eine anerkannt gute musikalische und musikpädagogische Arbeit machten, benötigten eine auskömmliche, langfristige Finanzierung. Heiko Schulze: "Wir haben nur unsere Leistung. Ein wirkliches Druckmittel wie Lokführer oder die Müllabfuhr haben wir nicht."

Der Kulturraum-Beirat wird sich auf seiner nächsten Beratung am 24. März mit der drohenden Mittelkürzung befassen. Der Kulturraum Leipziger Raum sucht nach Wegen, die drohenden Kürzungen in Höhe von 600 000 Euro im laufenden Jahr noch abzuwenden.

© Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.03.2014
Ekkehard Schulreich

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