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Borna Zwiebelfest: Händler und Krämer geben Borna Bestnoten
Region Borna Zwiebelfest: Händler und Krämer geben Borna Bestnoten
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20:00 26.08.2018
Gaukler Lautn Hals ist, wie er heißt: laut. Und daher unverzichtbarer Bestandteil eines gelungenen Mittelaltermarktes. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

„Wer seine Zukunft bauen will, muss seine Wurzeln kennen.“ Sprach`s Michael Potkownik – als Bergmann – und meinte damit (sicherlich) das Zwiebelfest, das am Wochenende in Borna gefeiert wurde. Denn wenn das dreitägige Fest rund um das scharfe Gemüse auch eine Premiere war, so gab es doch mit dem Lutherfest der vergangenen fünf Jahre einen hervorragenden Grundstock, auf dem man aufbauen konnte.

Keine Frage: Für die Stadt, den Theaterverein Neue Wasser, die Bornaer selbst und nicht zuletzt die Händler des Mittelaltermarktes sollte es nach Ende der Lutherdekade mit einer großen geschichtlichen Sause in Borna weitergehen. Aber egal, wie das Kind letztlich heißt: Wieder war es ein Spaß für groß und klein.

Bornaer Fest ist klein, aber fein

In der Ziegenschmiede von Katja Schäfer (l.) trauen sich Marietta und William nah an das Tier heran. Quelle: Jens Paul Taubert

Für einen wahrlich gelungenen Auftakt sorgte Gaukler Lautn Hals, der vom Bornaer Volk für seine Kunststücke auf Blockflöte, mit vorderindischem Bommelstab und Luftballon-Schwert „Jubel – kein Mitglied“ verlangte und bei der Umsetzung kräftig nachhelfen musste. Dabei offenbarte er doch eine unverkennbare Liebe zu Louis de Funès – oder vielmehr zu dessen „Dialog“ mit Bernard Biller (Inspektor Ducros): „Nein! Doch! Oh!“

Schmied Engel, alias Ignis-Ferrum (Feuereisen) aus Wanfried, offenbarte hingegen eine große Liebe zu Borna. „Es gibt Märkte, auf denen die Händler Geld verdienen. Und es gibt Märkte, die Händlern Spaß machen“, sagte er und ordnete Borna in die zweite Kategorie ein. Dass er wieder dabei sein durfte, kommt nicht von ungefähr. Gemeinsam mit Seilerin Antje Dobberschütz und Blumenbinderin Ute Spieß hatte er im vergangenen Jahr auf den Wunschzettel seines Luftballons – einer von hunderten, die mit Wünschen bestückt in den Himmel geschickt wurden – die Hoffnung geäußert, in diesem Jahr wieder mit von der Partei sein zu können. „Und wir wurden erhört“, freute er sich und blies gleich noch motivierter die Luft per Blasebalg ins Feuer.

Mittelaltermarkt entpuppt sich als Renner

Der Marktmeister von der Agentur Sündenfrei fasste mit kurzen Worten das zusammen, was die Händler alle unterschiedlich zum Ausdruck brachten: „Das Fest in Borna ist klein, fein und familiär – und daher um so reizvoller für die Handwerker und Besucher.“ Denn der Menschenschlag hier in der großen Kreisstadt sei „äußerst angenehm und feierfreudig“. Kristin Georg, ebenfalls von der Agentur, ergänzte: „Mittelalterliche Märkte mit Handwerkern und Gauklern sind noch immer der Renner. „Wir haben gedacht, dass das Interesse abebbt, aber das Gegenteil ist der Fall. Es nimmt eher weiter zu.“

Erstmals präsentierte sich die Ziegenschmiede von Martin Schüller und Katja Schäfer aus Hinterweiler. Beide waren ob des Andrangs am historischen Bauernhof und am Schmiedestand überrascht. Allerdings lockten Ziege Ben Hur und Minischwein Minou genauso wie Schüller, der kleinen Handwerkern half, ein Hufeisen zu formen.

Handwerk und Legenden

Die neunjährige Marietta und ihr vierjähriger Bruder William waren die ersten, die es zu Kuh, Federvieh und Ziegen trieb. Besonders Minou faszinierte die zwei Geschwister. Schließlich bringt diese als Minischwein stolze 120 Kilogramm auf die Waage und erreicht immerhin Kniehöhe. „Von dem Begriff Mini sollte man sich nicht täuschen lassen“, riet Schäfer. Ein Haustier für die Etagenwohnung sei das Borstenvieh nicht. Nebenan ging es am Stand von Schüller heiß zur Sache. Stunde um Stunde schürte er das Feuer, um mit den jungen Besuchern Hufeisen herzustellen – und gleich die Geschichte von der Hufeisenglücksfee zu erzählen. „Einmal im Monat kommt diese zu den Kindern und füllt Glück ins Eisen – aber nur so viel, wie die Kinder verdient haben, wenn sie lieb waren.“ Heißt: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“

Einer der vielen Höhepunkte – neben Lutherlauf, -wanderung, Aufführungen der Musik- und Kunstschule Ottmar Gerster und Feuershow – waren die Tagelöhner: „Manchmal wünscht man sich, tot zu sein, zum Beispiel dann, wenn die Steuererklärung ansteht“, sorgten sie erst einmal für etwas morbide Stimmung. „Aber nicht heute. Hier wird ordentlich gefeiert“, schoben sie nach, um dann das Lied „Ab in die Kiste“ anzustimmen. Das jedoch in zweierlei Varianten verstanden werden konnte.

Bornaer Originale im bunten Treiben

Während der drei Tage ließen es sich auch die vier Bornaer Originale nicht nehmen, das Zwiebelfest unsicher zu machen. Zwiebelfrau, Karabinier, Bergmann und Michael von der Straßen mischten sich ins mittelalterliche Treiben. „Alle vier bilden eine große Tradition ab, den Zwiebelanbau, das Königlich Sächsische Karabiner-Regiment, den Tagebau und natürlich Luther“, erklärte Potkownik vom Verein Neue Wasser. Nun sei es auch an der Zeit, aus dem Fest im August eine langjährige Tradition zu machen, die Geschichte in den Vordergrund rückt. Der Anfang mit Luther- und Zwiebelfest sei ja gemacht – und schon mehr als erfolgreich gewesen.

Von Julia Tonne

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